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Duisburg - So lief die Demo gegen die Corona-Maßnahmen

Corona-Demo in Duisburg : Frieden, Freiheit, NS-Vergleiche

150 Impfgegner und Coronaskeptiker folgten am Montagabend dem Aufruf von „Wir stehen auf“ und demonstrierten in Duisburg. Dabei kam es auch zu Grenzüberschreitungen. Eindrücke aus dem Umfeld der Bewegung.

Es ist kurz nach 18 Uhr am Montagabend, da ergreift ein Mann das Mikrofon. Er will eine Rede halten. Der Mann sagt, dass die aktuell regierenden Parteien die Vorboten eines neues Faschismus seien. Er sagt, dass er die Corona-Impfärzte als Nachfolger des NS-Kriegsverbrechers Josef Mengele sehe, der mit seinen menschenverachtenden Versuchen massenhaft KZ-Häftlinge umbrachte. Seine Zuhörer applaudieren ihm. Der Wortführer der Versammlung, auf dessen schwarzem T-Shirt in weißen Buchstaben „Rebel“ steht, ist begeistert. „Sehr gute Rede, danke, danke, danke“, sagt er und übernimmt wieder sein Mikrofon.

Es ist eine Szene aus dem Montagsspaziergang von „Wir stehen auf“. Einer Bewegung aus Impfgegnern und Coronaskeptikern, die in mehreren Städten mit Ortsgruppen vertreten ist und dort zu Demonstrationen aufruft. Unter anderem in Duisburg. Dort kamen am Montag 150 Menschen zusammen. Für „Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung“, wie sie dabei immer wieder skandierten, zogen sie vom Burg- zum König-Heinrich-Platz und wieder zurück. Sie distanzieren sich dabei offiziell von den mit Rechtsradikalen durchsetzten „Querdenkern“. Und doch werden in der lokalen Telegram-Gruppe die eskalierenden Demos in Sachsen gefeiert und Holocaust-Vergleiche bei Kundgebungen beklatscht.

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Es sind diese Randeindrücke, die nicht ganz in das Bild passen, dass die Demo-Organisatoren am Montagabend vermitteln wollten. Gegen die Spaltung der Gesellschaft wollten sie auf die Straße gehen, für ein friedliches Miteinander von Geimpften und Ungeimpften. Und ja, die Demonstranten sehen auf den ersten Blick nach einem bürgerlichen Querschnitt aus. Es sind viele Frauen dabei, teils auch mit kleinen Kindern. Es werden Reden gehalten, in denen „lediglich“ die Überlastung der Krankenhäuser oder der Nutzen von Kinderimpfungen in Frage gestellt werden. Doch immer wieder werden auch NS-Vergleiche, Verweise auf die Judenverfolgung und fundamentale Parteien-Ablehnung beklatscht. Das ist dann doch etwas mehr als eine pure Meinungsverschiedenheit in Gesundheitsfragen.

Ähnlich bunt ist auch die Mischung der Beiträge in der dazugehörigen Telegram-Gruppe „Wir-stehen-auf/DU“. Der Messenger-Dienst ist bei Coronaskeptikern und -leugnern sehr beliebt. Hier vernetzen sie sich und teilen ihre „alternativen“ Fakten zur Pandemie. In der Duisburger Gruppe sind Stand Dienstagmorgen genau 400 Menschen angemeldet. Am Montag, dem Tag der Demo, wird dort eine Liste mit Ärzten herumgeschickt, die nicht dem „Impfwahn“ verfallen sind. Eine Frau berichtet von ihren gesundheitlichen Problemen, seit sie „leider geimpft“ ist. „Das hat mich für immer verändert“, schreibt sie. Ein Mann, der „auf sämtlichen Demos im Widerstand“ aktiv ist, bittet um Spenden, um „nicht ins Gefängnis zu müssen“. Andere schreiben, was sie für die Demo am Abend vorbereiten und wie groß ihre Vorfreude ist.

 Während der Demo wurden auch immer wieder Reden gehalten. Manche mit harmloseren, andere mit zweifelhafteren Inhalten.
Während der Demo wurden auch immer wieder Reden gehalten. Manche mit harmloseren, andere mit zweifelhafteren Inhalten. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Begleitet von Polizei und einigen Journalisten drehen die Demonstranten – von Passanten größtenteils unbeachtet – am Montag ihre Runde durch das Duisburger Stadtzentrum. Es bleibt friedlich, auch wenn die Journalisten nicht gerne gesehen sind. Wenn jemand doch mit ihnen redet, greift der Mann im „Rebel“-Shirt gerne ein. Es werde nachher eh alles negativ zusammengeschnitten, also solle man besser gar nichts sagen.

Hin und wieder gibt es aber doch Gegenwind für die Impfgegner. Da ist zum Beispiel der ältere Mann, der am Straßenrand stehend mit der Hand vor seinem Gesicht wedelnd den gesamten Demozug lang ausharrt. Auch dann, als er von einigen Teilnehmern angepöbelt wird. Und da sind die Glocken der Liebfrauenkirche am König-Heinrich-Platz. Als einer der Demoteilnehmer eine recht krude Rede inklusive Meditationsübungen hält, fangen die zu recht untypischer Zeit ebenso untypisch lange an zu erklingen. Und verstummen erst kurz bevor sich die Menge unter „Wir sind das Volk“-Rufen wieder in Bewegung setzt.