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Wildwechsel in Düsseldorf: Gefahr im Grafenberger Wald

Natur in Düsseldorf : Autofahrer unterschätzen Wildwechsel-Gefahr

Thomas Bangert vom Hegering Hubbelrath warnt davor, die Schilder im Grafenberger Wald und anderswo zu ignorieren. Außerdem werde trotz Tempolimit meist viel zu schnell gefahren.

Im Winter wird es früh dunkel, und dann kann es auf Straßen, die durch Waldgebiete führen, schnell gefährlich werden. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung neigen Wildtiere dazu, schnell und unvermittelt über die Straße zu laufen – so auch im Grafenberger Wald, wo über eine Strecke von rund 400 Metern vor der möglichen Kollision mit dem Tier gewarnt wird. Nur: „Autofahrer nehmen diese Schilder gar nicht mehr wahr und sind sich demenstsprechend der Gefahr nicht bewusst“, sagt Thomas Bangert vom Hegering Hubbelrath, dessen Einzugsgebiet bis an den Grafenberger Wald reicht. Die Folge: Kaum einer halte sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung auf Fahneburg- und Rennbahnstraße. Das kann schlimmstenfalls auch querende Reiter mit ihren Pferden gefährden. Auf die wird auf zusätzlichen Schildern hingewiesen.

Jedes Jahr passieren mehrere hunderttausend Wildunfälle in Deutschland, in NRW hat der Bundesjagdverband für das Jahr 2020 rund 32.400 getötete Tiere gezählt. Im Durchschnitt sterben dabei 30 Menschen pro Jahr. Bangert wurde erst vor kurzem in Düsseldorf zu einem Wildunfall gerufen. „Ich musste das angefahrene Tier mit einem Fangschuss erlösen. Das ist kein Vergnügen.“ Die Polizei, obwohl bewaffnet, darf so etwas nicht, da ist der Jäger als Fachmann gefragt. Im Grafenberger Wald sind viele Rehe unterwegs, auch Dachs und Fuchs fühlen sich hier wohl, die ebenfalls stark zum Wildwechsel neigenden Wildschweine sind dagegen in aller Regel lediglich im Wildpark anzutreffen. Kleinere Tiere wie Hasen werden, wenn sie ein Auto erwischt, oft nicht bemerkt.

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Die Gefahr von Wildunfällen sei zwar im Herbst, wenn viele Tiere auf der Suche nach einem Winterquartier sind, besonders groß, aber auch jetzt sollte man stets die Augen aufhalten, sagt Bangert. Prinzipiell gelte es, Regeln zu beachten: Taucht ein Tier am Fahrbandrand auf, unbedingt Fernlicht ausschalten. Das grelle Licht macht orientierungslos. Hupen hingegen ist wichtig: Der laute Ton treibt Rehe, Hirsche oder auch Wildschweine weg von der Fahrbahn. Droht dennoch ein Zusammenstoß: Kontrolliert bremsen und Lenkrad festhalten. Ein Ausweichmanöver ist deutlich riskanter. Taucht ein einzelnes Tier auf, können Nachzügler aus dem Familienverband folgen. Und wenn es dann doch zum Zusammenstoß gekommen sein sollte: Verunfallte Tiere nicht anfassen. In Panik können Menschen schwere Verletzungen verursachen. Besser Polizei oder direkt den Jäger kontaktieren.

 Der Jäger und das Damwild: Im Wildpark bilden Thomas Bangert und der Hirsch ein eingespieltes Team.
Der Jäger und das Damwild: Im Wildpark bilden Thomas Bangert und der Hirsch ein eingespieltes Team. Foto: Marc Ingel

Natürlich muss Thomas Bangert nicht nur solch undankbare Aufgaben erledigen, wie ein sterbendes Tier zu erlösen (etwa auch nach Hundeattacken). Im Wildpark fühlt er sich zum Beispiel mehr denn je zu Hause. Er führt Schulklassen über das Gelände, erklärt Kindern die heimische Tierwelt. Prinzipiell hat er beobachtet: „Gerade jetzt in einer Zeit der Pandemie ist das Interesse an Natur und die Wertschätzung dafür wieder enorm gestiegen.“ Die Vermittlung von Wissen, aber vor allem auch das erlebnisorientierte Lernen erlebe daher innerhalb des Hubbelrather Hegerings einen großen Aufschwung. Unter dem Schwerpunkt „Lernort Natur“ wird dieses Thema lokal aufbereitet. 

Aber natürlich ist der Jäger nicht zuletzt dazu da, zu jagen. Und was er erlegt hat, darf dann auch – vom Metzger zubereitet – gegessen werden. „Mehr Bio geht nicht, als das Wild quasi direkt vom Jäger zu beziehen“, sagt Bangert. Das trifft hierzulande vor allem auf Rehwild, auf Gänse und Enten zu. Das mag nichts für Vegetarier oder gar Veganer sein, allen anderen erklärt Bangert: „Artgerechter Wild zu erlegen, ist nicht möglich. Und das Fleisch ist frisch und fettfrei.“

Und dann gibt es da noch eine Episode, die zeigt, welch merkwürdige Wendungen das Tierreich oft einschlägt: „Als eine Horde Papageien zu viel Rabatz machte, wurde ein Habicht geholt, um die Vögel zu verscheuchen“, berichtet Bangert. Doch statt zu flüchten, hätten die Papageien den Greifvogel im Pulk angegriffen. Der Habicht sei dauerhaft so verstört gewesen, dass das für ihn das Ende seiner Jagdkarriere bedeuten sollte.