Düsseldorf: Stadt startet Ausschreibung für Gutshof Niederheid

Düsseldorf-Holthausen : Stadt startet Ausschreibung für Gut Niederheid

Bis April können sich Interessenten um den Erwerb der Anlage bewerben. Der Erhalt des therapeutischen Reiterhofs ist gewünscht.

Der Gutshof Niederheid ist eine Seltenheit in einer wachsenden Metropole wie Düsseldorf. Seine mehr als hundert Jahre alten Gebäude, deren Ursprünge sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, wirken zusammen mit dem über 19.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Holthausen und Reisholz wie aus der Zeit gefallen. Mitten zwischen Rindern, Pferden, Ziegen, Kaninchen, Hühnern und zwei kleinen Shetlandponys hört man nichts mehr von dem rauschenden Verkehr, der über die benachbarte Münchener Straße zieht. Ein Gespräch mit der Hüterin dieses städtischen Bauernhof-Idylls zu führen, ist nicht leicht. Denn Christina Tschorns Reitschule mit pädagogisch-therapeutischem Schwerpunkt ist ständig ausgebucht. Während nachmittags normale Reitstunden und Ferienbetreuung auf dem Kinderbauernhof angeboten werden, kommen vormittags viele Förderschulen.

„Die Kinder können hier in einem geschützten Rahmen ein pädagogisch-orientiertes Angebot wahrnehmen“, sagt Tschorn. Gerade schwer erziehbare Kinder motiviere der Kontakt mit den Tieren ungemein, sagt die Reitpädagogin. „Da herrscht eine wahnsinnige Nachfrage in Düsseldorf. So groß, dass die Pferde und ich schon an unsere Grenzen stoßen.“ Trotz des erfolgreichen Konzepts ist die Zukunft ihrer Reitschule ungewiss. Seit zwei Wochen wird der Hof im Besitz der Stadt zum Verkauf angeboten. Entweder direkt oder als Erbpacht mit einer Laufzeit von 50 Jahren plus Verlängerungsoption, der Preis unterliegt dem Wettbewerb, heißt es in der Ausschreibung. Dabei sei von städtischer Seite gewünscht, das Grundstück als Erholungs-Grünfläche und den therapeutischen Reiterhof in seiner jetzigen Nutzung zu erhalten. Eine Möglichkeit wäre, das bestehende Angebot beispielsweise durch einen Gastronomie-Bereich zu ergänzen. Platz genug wäre dafür allemal, denn die Hälfte der denkmalgeschützten Hofgebäude sind weitestgehend ungenutzt.

20 Pferde und Ponys sind in den Stallungen untergebracht, die direkt an das Wohnhaus von Tschorn und ihrer Familie anschließen. Für mehr als eine Heulagerstätte kann sie die restlichen Gebäude nicht nutzen – zu groß sind die Mängel am alten Gemäuer. Im Westflügel schimmelt es, das Gebälk ist morsch. Unter dem löchrigen Dach der Scheune hängt ein Auffangnetz für herunterfallende Dachziegel. Selbst die Stallungen müssen provisorisch gestützt werden. Weil der Sanierungsstau mittlerweile um die fünf Millionen Euro beträgt, will die Stadt verkaufen. Für Tschorn alleine viel zu viel, obwohl ihr Angebot rege genutzt wird. „Allein die Kosten für den Unterhalt der Tiere sind in einer Stadt sehr hoch und von den jährlichen Ernten abhängig“, sagt sie. Sie hofft auf eine gemeinnützige Stiftung, die einspringt, um Streichelzoo, Schaubauernhof und therapeutische Reitschule für die Kinder zu erhalten.

Blick von oben: An der Bonner Straße 121 liegt der Gutshof. Foto: Endermann, Andreas (end)

Von politischer Seite erhalte sie zumindest viel Zuspruch, erklärt Tschorn. Der Ausschreibung blickt sie deswegen eher zuversichtlich entgegen. „Ich hoffe jedenfalls sehr, dass der Fokus weiter auf der Wichtigkeit des Therapie-Angebots gerichtet ist und nicht allein nur nach Wirtschaftlichkeit entschieden wird.“