Düsseldorf-Holthausen: Hängepartie für Gutshof Niederheid hält an

Holthausen : Hängepartie für Gutshof Niederheid

Der Kinderbauernhof in Holthausen muss seit langem dringend saniert werden. Die Verhandlungen mit einem interessierten Investor dauern bereits mehr als zwei Jahre. Ob sie gelingen, ist offen.

Wie immer in den Sommerferien freuen sich zahlreiche Kinder darauf, die Ferien zusammen mit Tieren auf dem Gutshof Niederheid zu verbringen: 20 Pferde, zwei Kühe, drei Ziegen, Kaninchen, Hühner und ein Hund leben auf der denkmalgeschützten Anlage in Holthausen. Ein Team von Mini-Jobbern hilft im Stall und gibt Reitunterricht. Die komplette Organisation des Hofs und des Angebots an Förder- und Grundschulen stemmt Christina Tschorn seit Jahren allein. An den Wochenenden muss sie daher häufiger schließen. Zu groß ist die Belastung für sie. „Das war nie so geplant“, sagt die dreifache Mutter. Aber eine festangestellte Unterstützung kann die 35-jährige Sonderpädagogin nicht einstellen. Denn wie es auf dem Gutshof weitergeht, ist nach wie vor ungewiss.

Die Ursprünge des denkmalgeschützten Gehöfts lassen sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Stadt hatte 1973 das Anwesen gekauft, um damals eine Industrie-Ansiedlung zu verhindern. Bereits seit vielen Jahren muss der Hof dringend saniert werden. Seit 2016 verhandelt die Stadt mit einem interessierten Investor, der dort das bestehende Konzept und auch das pädagogische Reiten für behinderte Kinder ausbauen will.

Günter Klomfass und seine Frau Evelyn haben bereits an anderer Stelle gezeigt, dass solch ein Angebot sehr gut ankommt. In Rommerskirchen betreiben sie seit 2009 den Neu-Hövelerhof mit 30 Pferden und 12 Mitarbeitern. 2000 Kinder kommen pro Monat dorthin, darunter auch 60 Mädchen und Jungen mit Behinderung. „Viele reisen aus Düsseldorf und Köln an“, sagt Klomfass. Das Interesse sei größer als das Angebot. Wie auch Christina Tschorn müsse er daher zahlreiche Anfragen ablehnen. Dass er den Gutshof Niederheid übernehmen und ausbauen will, ist daher für alle Beteiligten sinnvoll. Immerhin 4,5 Millionen Euro an Renovierungskosten müsse er in den Hof stecken.

Doch nachdem die Verhandlungen mit der Stadt nun mehr als zwei Jahre dauern, scheinen für Klomfass die Gespräche auf dem Tiefpunkt angelangt zu sein. „Für uns war schon im Dezember Schluss, da hatte es sich für uns erledigt“, sagt Klomfass im Gespräch mit unserer Redaktion. Als der Oberbürgermeister miteinbezogen wurde, kam die Stadt wieder auf ihn zu und beide Seiten waren wieder im Gespräch. Bis vor kurzem schien für Klomfass das Projekt auf der Zielgeraden. Weil die Denkmalbehörde Einwände gegen den geplanten Standort einer Reithalle hatte, mussten die Pläne wieder geändert werden. So wurden deshalb ein geplantes Café und eine Bauernhof-Kita ebenfalls an anderer Stelle platziert. Das war für Klomfass nicht das Problem. Sondern, dass daraus wieder neue Anforderungen entstehen, für die er aufkommen soll, wie etwa die Verlegung eines Weges. Man müsse daher noch einmal neu verhandeln, teilte die Stadt ihm nun mit.

Klomfass, der kein professioneller Bauunternehmer ist, betreibt den Pferdehof in Rommerskirchen im Nebenberuf. Er fühlt sich mit seinem Anliegen nicht verstanden. „Es gibt ganz wenige solcher Angebote für behinderte Kinder“, sagt er. Und sie würden gebraucht. „Es gibt Kinder, die sprechen die ganze Woche kein Wort, und wenn sie auf den Hof kommen, rufen sie ‚reiten, reiten, reiten‘“, erzählt er.

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