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Düsseldorf: CG-Gruppe investiert in Benrath eine Milliarde Euro

Neues Wohngebiet entsteht an der Hildener Straße : CG-Gruppe investiert eine Milliarde Euro

In den „Benrather Gärten“ an der Hildener Straße sollen zwischen 1200 und 1400 Wohnungen, eine Schule und ein Hotel entstehen.

Drei Jahre ist es her, dass das Kaltbandwalzwerk von Outukumpu (früher Nirosta) an der Hildener Straße symbolisch ein letztes Mal ans Laufen gebracht wurde. Im September 2016 endete in Benrath eine 140 Jahre dauernde Epoche der Stahlverarbeitung. Das Werk, das zu seinen besten Zeiten über 500 Menschen Arbeit gegeben hatte, steht seitdem still. So mancher fürchtete damals, das insgesamt 22 Hektar große Areal mit seinen Werkshallen würde das gleiche Schicksal erleiden wie die Brachen an der Telleringstraße. Dort dauerte es Jahre, bis die alten Gebäude der BEA und des ersten Nirosta-Stahlwerkes neuem Wohnraum Platz machen sollten.

Doch die Zeiten haben sich drastisch verändert: Eine Stadt wie Düsseldorf, die stetig wächst und Ende 2018 642.304 Einwohner zählte, braucht neuen – und auch bezahlbaren – Wohnraum. Oberbürgermeister Thomas Geisel gab im August das Ziel aus, dass mindestens 3000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden sollen.

Ihren Teil dazu beitragen soll und will die in Berlin beheimatete CG-Gruppe. An gleich vier Projekten in Düsseldorf wird aktuell gearbeitet: Dem Upper Nord Quarter, dem Upper Nord Tower, und auch bei Realisierung des Quartiers Grand Central mit über 1000 Wohnungen ist die CG-Gruppe an Bord. Das mit Abstand größte Wohnbauprojekt entsteht im Düsseldorfer Süden. Für 90 Millionen Euro hat der Projektentwickler mit eigener Baukompetenz, wie es auf der unternehmenseigenen Website heißt, die stillgelegte Gewerbefläche von Outukumpu gekauft und realisiert dort das Wohn- und Gewerbegebiet „Benrather Gärten“.

Schon diese Zahl lässt Otto-Normalverdiener schlucken; noch mehr aber die nächste, die CG-Vorstand Jürgen Kutz im Gespräch mit unserer Redaktion preisgab: „Wir werden in die Benrather Gärten eine Milliarde Euro investieren.“ Nach der Fertigstellung des neuen Wohnviertels bleibt CG die erste Zeit als Verwalter im Geschäft, strebt dann aber eine Veräußerung des Investments an eine Pensionskasse oder ähnliches an.

Richtig liegt nun jeder mit der Annahme, dass sich der Bau von gerade mal 650 Wohnungen auf dem Areal, wie noch 2017 bei einem Städtebauwettbewerb in den Entwürfen der Architektenbüros angegeben, nicht rechnen würde. Addiert man die hohe Nachfrage nach Wohnraum hinzu, ist klar, dass CG mit ganz anderen Zahlen hantiert. „Wir planen zwischen 1200 und 1400 Wohnungen“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Kutz. Hinzu kommen eine Kita, eine Grundschule und Möglichkeiten der Nahversorgung. Und auch ein Hotel kann sich Kutz dort gut vorstellen. Fußläufig ist der Benrather Bahnhof zu erreichen. Zudem führt die A59 direkt vorbei. Ins Gespräch brachte die Bezirksvertretung 9 deshalb auch schon einen neuen Anschluss an die Autobahn. Doch das wird so wohl nicht passieren, da es auf der A59 auf diesem Stück jetzt schon viele Auf- und Abfahrten gibt. Etwas realistischer wäre eine bessere Anbindung in beide Richtungen an die B8. Auch an der Verkehrsproblematik arbeitet die CG-Gruppe.

Was genau umgesetzt wird, hängt vom noch aufzustellenden Bebauungsplan ab. Wie im Handlungskonzept Wohnen der Landeshauptstadt festgelegt, sollten 20 Prozent der Wohnungen öffentlich gefördert sowie weitere 20 Prozent preisgedämpft sein.

Schon heute ist es an der Unterführung der B8 am Schwarzen Weg eng. Foto: Andrea Röhrig

Bis Mitte 2020 soll die Bauleitplanung fertig sein, derzeit wird an den Sanierungs- und Verkehrsgutachten gearbeitet. Mit dem Satzungsbeschluss des neuen Bebauungsplanes rechnet Kutz spätestens 2024. Zwei Jahre später soll Baubeginn und bis 2028 will man fertig sein. Bis es los geht, sollen für die Hallen Zwischennutzer gefunden werden, zum Beispiel als Lager. „Wir haben bereits Anfragen“, sagt Kutz.

Die CG-Gruppe plant zudem als Lärmschutzriegel zur Bahn hin Gebäude für Büros und Start-ups. Aber auch zwei bereits ansässige Unternehmen sollen zum Zug kommen: die Walther Flender Gruppe und City-Autoservice Bormann, die beide am Schwarzen Weg sitzen. „Wir mussten diese Chance nutzen, die sich hier für uns auftat“, sagt Robert Schmidt, der mit seinem Bruder Simon-Martin Schmidt die Geschäfte im über 85 Jahre alten Familienunternehmen Walther Flender führt. Weil der Standort, der schon zweimal erweitert wurde, aus allen Nähten platzt, ist die Entwicklung eines neuen Zahnriemens nach Hilden ausgelagert worden. Doch die Fertigung soll auch aus Wettbewerbsgründen nahe am Stammhaus erfolgen. Weil das Areal im jetzigen Bebauungsplan als Industriegebiet festgesetzt ist, geht der Bau einer neuen Produktionsstätte einfacher und schneller als der von Wohnhäusern. Anvisiert ist Mitte 2023.

Aktuell befinden sich allerdings zwei Abteilungen der Firma am Stammsitz in Kurzarbeit, insgesamt sind 150 Mitarbeiter betroffen, die Hälfte der Gesamtbeschäftigtenzahl der Gruppe. Zum 1. September begann der kaufmännische Bereich, am 1. Oktober folgte die Produktion. Das Unternehmen hat bei der Agentur für Arbeit zunächst einmal für ein Jahr Kurzarbeit angemeldet. In der weltweiten Krise 2009 hat die Geschäftsführung mit dem Instrument gute Erfahrungen gemacht. Robert Schmidt: „Wir konnten so unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter halten.“

Bereits seit Frühjahr trübt sich auch in der Maschinenbausparte die Stimmung ein. „Und dann haben wir noch die weltweiten Handelskriege, die Ungewissheit beim Brexit und das Schwächeln der Automobilindustrie. Seit dem Sommer hat sich die negative Entwicklung beschleunigt“, sagt Robert Schmidt. Er ist sich mit seinem Bruder einig, dass die nächsten Monate zeigen werden, ob es sich um eine konjunkturelle Delle oder eine ausgewachsene Weltwirtschaftskrise handelt. Befürchtungen von Mitarbeitern, dass, wenn die Auftragslage sich nicht bessert, zum 1. März Mitarbeiter gehen müssen, weisen die Brüder zurück: „Es gibt derzeit keine Pläne dafür in der Schublade“, betont Robert Schmidt. Aber auch er weiß, dass es wahrscheinlich einen besseren Zeitpunkt zum Festzurren der Erweiterung gegeben hätte. „2008 standen wir vor der schwierigen Entscheidung, ob wir ein Tochterunternehmen in China gründen. Rückblickend war das richtig, auch wenn ein Jahr später die Wirtschaft auch in Deutschland einbrach. Wir wollten später dieser Chance nicht hinterhertrauern müssen.“

Auch mit ein bisschen Bauchgrummeln hat Flenders Nachbar Norbert Bormann sich mit seiner Autowerkstatt für einen Umzug in einen Neubau entschieden, diese soll nahe der Gleise zwischen den Betriebshof der Rheinbahn und Flender ziehen. Seit 1986 sitzt Bormann mit seinem Betrieb am Schwarzen Weg. Da sein Sohn und seine Tochter planen, ins Unternehmen einzusteigen, habe er diesen Schritt gewagt, erzählt Bormann. Leid tut es ihm um das Wohnhaus von 1890, das abgerissen werden soll: „Das habe ich selber renoviert.“ Sowohl er als auch die Brüder Schmidt haben mit der CG-Gruppe Vorverträge geschlossen. Der Gang zum Notar steht noch aus. Platz zur Erweiterung hat auch die Rheinbahn, deren Betriebshof westlich auf der Fläche an der Hildener Straße liegt.