Zweitägige Aktion in Düsseldorf-Benrath Kita-Kinder hoffen auf Rücksichtnahme

Düsseldorf · In einer gemeinsamen zweitägigen Aktion von zwei Kindertagesstätten, dem Albrecht-Dürer-Berufskolleg und den Bezirkspolizisten wurden Nutzer des Schulparkhauses in Düsseldorf-Benrath gebeten, vor den Kitas langsamer zu fahren.

Jeder aus dem Parkhaus fahrende Autofahrer erhielt von den Kita-Kinder einen Flyer, auf dem stand, dass er bitte vor den Kitas langsam fahren soll.

Jeder aus dem Parkhaus fahrende Autofahrer erhielt von den Kita-Kinder einen Flyer, auf dem stand, dass er bitte vor den Kitas langsam fahren soll.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Jinan (6) ist wie alle anderen Kindergartenkinder mit Feuereifer dabei. Aufgereiht stehen sie wie an der Perlenschnur gezogen hinter einem gespannten Flatterband an der Ausfahrt des Parkhauses des Albrecht-Dürer-Berufkollegs in der Paulsmühle. Um 15 Uhr ist dort Schulschluss, und dann geht es auch für die Schüler, die mit dem Auto gekommen sind, nach Hause.

Da sich längst nicht alle von ihnen an die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 Stundenkilometer in der kleinen Stichstraße halten, haben die beiden anliegenden Kindertagesstätten gemeinsam mit dem Dürer-Kolleg und den Bezirkspolizisten in dieser Woche an zwei Tagen eine Verkehrsaktion gemacht.

Mehr als 100 Kinder gehen zusammengerechnet in die beiden Einrichtungen: 64 in die Kita Paulsmühle der Awo (Familienglobus) sowie 42 Kinder in die Kita St. Cäcilia (Flingern mobil). Und beide Leiterinnen, Jennifer El Medaghri und Anke Nakotte, haben in den vergangenen Monaten immer wieder selber brenzlige Situationen gesehen oder von welchen gehört, wenn Autos zu schnell an den Kitas vorbeisausten.

„Vergangenes Jahr haben wir uns mit den zuständigen Bezirksbeamten der Polizei und dem Leiter des Berufkollegs, Ingo Schäfer, zusammengesetzt und überlegt, wie wir die mit dem Auto ins Parkhaus fahrenden Schüler zu mehr Rücksichtnahme anhalten können“, erzählt El Medaghri.

Dabei sei dann die Idee zu dieser Aktion entstanden und dass die älteren Kita-Kinder eingebunden werden sollen. Im Berufskolleg wurden Polizeikellen aus Papier mit dem Aufdruck versehen „Ich übernehme Verantwortung – Du auch“ und in der Auflage von ein paar Hundert Stück ausgedruckt. Und auf jeden Flyer hat eines der Kinder noch selber was gemalt.

Am Mittwochnachmittag fand der erste Teil der Aktion statt und alle sind zufrieden, wie sie gelaufen ist. „Die Autofahrer waren eigentlich alle ganz nett“, sagt Kita-Kind Magdalena. Das gilt auch für den zweiten Teil am Donnerstagnachmittag. Jeder Fahrer und jede Fahrerin hält bei den Kindern an und nimmt eine Papierkelle an: „Bitte langsam fahren“ wünschen sich die Jungen und Mädchen von dem Mann oder der Frau hinter dem Steuer.

Aber nicht bei allen kommt der Sinn und Zweck der Aktion auch tatsächlich an. Sie finde so was ja eigentlich ganz gut, aber nicht gerade vor einer Schule, sagt eine Schülerin. Vor allem, da die Schüler ja schließlich alle gestresst seien. Für Schulleiter Ingo Schäfer ist das genau die Argumentation, warum die Kinder die Flyer verteilen sollten. Die übrig gebliebenen Papierkellen will er in den kommenden Tagen an den im Parkhaus parkenden Fahrzeugen unter die Windschutzscheibe stecken. Denn die meisten seiner Schüler kommen nur einmal die Woche zum Berufskolleg.

Eine andere Schülerin findet die Aktion der Kinder toll: „Wissen Sie, ich bin schon fast 30 und weiß, dass man sich an Tempobeschränkungen halten muss. Aber hier gibt es auch Jungs, die gerade 18 sind und dicke Autos fahren. Die achten da nicht immer drauf.“

Die Aktion soll keine Eintagsfliege bleiben. „Beim nächsten Mal machen wir das vielleicht morgens, wenn die Schüler zur Schule kommen“, überlegen die beiden Kita-Leiterinnen. Schulleiter Ingo Schäfer hat sogar schon an die Stadt geschrieben, mit der Bitte, ob in dieser Stichstraße zum Parkhaus und auch auf dem Fahrweg vor seiner Schule auf den Fahrbahnen nicht Schwellen eingebaut werden können. Doch das will die Stadt nicht.

Düsseldorf: Aktion von Kita-Kindern für mehr Rücksichtnahme​
Foto: grafik

Und auch der Wunsch nach einem Zebrastreifen vor der Eingangssituation der Kita hinüber zum Bürgersteig hat bei der Verwaltung noch kein Gehör gefunden. Immerhin, so Schäfer, habe die Stadt zugesagt, dass, wenn die Stadttochter IDR die Baulücke zischen Parkhaus und Kita mit einem Handwerkerhof bebaut hat, auf der Fahrbahn versetzt zwei Hindernisse aufgestellt werden könnten, um das Tempo der Autofahrer zu reduzieren. Immerhin ist das Baugrundstück nun schon verfüllt worden. Einen Fertigstellungstermin gibt es aber noch nicht.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort