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Politiker diskutieren Zukunft des Benrather Carborundum-Gebäudes

Stadtplanung in Benrath : Ein Gebäude mit ungewisser Zukunft

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Carborundum beherbergt aktuell eine Schule und wurde im vergangenen Jahr umgebaut. Mit dem Bau der neuen Eishalle droht der Abriss, Stadtteilpolitiker suchen Alternativen.

Das unscheinbare Hochhaus an der Kappeler Straße 105 a hat eine vielseitige Vergangenheit und eine ungewisse Zukunft. Ursprünglich war in dem Gebäude die Verwaltung des Schleifmittelherstellers Carborundum ansässig, nach der Insolvenz von The Carbo Group im Jahr 2009 wurde der Standort aufgegeben. Nach längerem Leerstand plante die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR), der das Areal bis heute gehört, dort das Gesundheitszentrum Campo Vital. Diese Idee kam nach einem Vorstandswechsel nicht zur Umsetzung.

Nach einem Umbau ist seit Januar vorübergehend die Hauptschule Benrath im ehemaligen Bürogebäude von Carborundum beheimatet, während die Schule an ihrem alten Standort an der Melanchthonstraße neu gebaut wird. 2021 soll der Neubau fertig sein, dann geht es für Schüler und Lehrer zurück an den ursprünglichen Platz. Was dann mit dem Carborundum-Gebäude geschehen soll, ist Gegenstand von Diskussionen im Stadtteil.

Bisher ist geplant, das Gebäude abzureißen und so Parkraum für die neue Eishalle zu schaffen. Diese soll in unmittelbarer Nachbarschaft des entstehen, und zwar etwas zurückgesetzt von der Kappeler Straße, so dass die Hauptzufahrt am jetzigen Schulgelände vorbeiführen soll. Da für die Eishalle ein Eröffnungstermin Ende 2020 vorgesehen ist, würde für eine Zeit an der Kappeler Straße der Schulbetrieb parallel zum Eissport laufen.

Einige der für den Stadtbezirk zuständigen Politiker halten den Abriss des zum Schulstart renovierten Gebäudes für unnötig. Daher haben sie in der Oktober-Sitzung der Bezirksvertretung 9 eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, in der darum gebeten wird, nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten für das ab 2021 vermutlich leerstehende Gebäude zu suchen. Ernst Welski, der für die Grünen in der Bezirksvertretung sitzt, hatte die Anfrage eingebracht. Er sagt: „Die Stadt hat erst vor kurzem viel Geld in das Gebäude gesteckt. Ich bin mir sicher, dass es sinnvollere Lösungen gibt, als den ganzen Komplex abzureißen.“

Die IDR hat bisher noch vor, das Gebäude abzureißen. „Wir planen, das Bürogebäude im zweiten Bauabschnitt der neuen Eishalle zu entfernen“, sagt Ekkehard Vinçon, Technischer Vorstand. Seine Firma sei bisher in anderweitige Diskussionen nicht involviert gewesen. Er lehnt eine Erhaltung des alten Carborundum-Gebäudes nicht grundsätzlich ab, wenn sich dafür eine politische Mehrheit findet. „Hinter der geplanten Eishalle haben wir noch Freiflächen, auf denen theoretisch ebenfalls Parkraum entstehen könnte“, so Vinçon. Vorher müsse geklärt werden, wie das Bürogebäude genutzt werden könnte.

Ausgeschlossen ist wohl, dass das Gebäude als Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann. Dies wurde bereits vor dem Einzug der Schule festgestellt, die Nähe zur Industrie und vor allem zur stark befahrenen Münchener Straße machen den Standort für Wohnungen ungeeignet.

Eine Möglichkeit für die zumindest zeitweilige Nutzung des Gebäudes schlägt Ernst Welski vor: Das Carborundum-Gebäude könne einen Teil der im Benrather Rathaus beheimateten Stadtbeschäftigten aufnehmen, wenn dies zur Renovierung geschlossen wird. „Wir wissen zwar noch nicht, wann genau an der Benrodestraße gearbeitet wird, aber es wird aller Voraussicht nach erst nach dem Auszug der Schule an der Kappeler Straße sein“, so Welski. Er schlägt vor, einen Teil der Bezirksverwaltungsstelle sowie der Räume, in denen die Parteien arbeiten, dorthin auszulagern. Auch das in der Vergangenheit bereits geplante, aber nie umgesetzte Gesundheitszentrum bringt Welski noch einmal ins Gespräch.

Welskis Vorschlag bekam in der BV-Sitzung auch Zuspruch aus den Reihen der anderen Parteien. Allerdings wurde auch betont, dass der Erhalt des Carborundum-Gebäudes den Start der Eishalle nicht behindern dürfe.

„Die Eishalle muss gute Parkmöglichkeiten bieten, damit sie von Anfang an gut angenommen wird“, sagt Dirk Angerhausen (CDU). Er hält die zwischenzeitliche Unterbringung von Teilen des Rathauses an der Kappeler Straße zwar für „nachhaltig“, merkt aber an, dass es für die anstehende Renovierung noch keinen konkreten Zeitplan gibt. „Es wäre gut, wenn alles passen würde, aber der Start der Eishalle muss für uns Priorität haben“, so Angerhausen. Dennoch stimmten er und seine Fraktion zu, die Stadt eine alternative Nutzung des alten Bürogebäudes prüfen zu lassen.

Nun ist die Stadtverwaltung am Zug: Sie muss prüfen, ob ein Abriss des fraglichen Bürogebäudes für die neue Eishalle tatsächlich notwendig ist und welche Möglichkeiten es für eine eventuelle weitere Nutzung gäbe.