Der Kölner Lentpark - Schwimmhalle und Eisstadion in einem

Der Kölner Lentpark : Hat Köln es besser gemacht?

Der Lentpark ist eine kombinierte Eis- und Schwimmhalle. Im Düsseldorfer Süden soll beides separat gebaut werden.

In dieser ganz besonderen Sportstätte bewegt man sich entweder dick eingemummelt oder spärlich bekleidet. In Köln-Nippes an der Lentstraße wurde 2011 der Lentpark eröffnet: eine Kombination aus Eisstadion und Schwimmhalle. Einen ganz besonderen Blick haben die Eisläufer auf der 260 Meter langen, einmal um die gesamte Halle führenden und acht Meter breiten Hochbahn. Etwa die Hälfte der Strecke laufen sie mit Schlittschuhen in fünf Meter Höhe an Menschen in Badebekleidung vorbei. Die schwimmen unter ihnen entweder auf einer der fünf Bahnen des 25-Meter-Beckens oder halten sich im Warmwasser- oder Kleinkindbecken auf. Auf der anderen Hälfte geht der Blick auf die Eisfläche, auf der unter anderem die Sledge-Mannschaft des Kölner Eis-Klubs (KEK), dessen Heimstatt der Lentpark ist, ihre Ligaspiele absolviert. Zudem bietet die Halle eine Gastronomie, eine kleine Sauna und einen Schlittschuhverleih. 25 Millionen Euro wurden in das außergewöhnliche Kombi-Projekt investiert. Betrieben wird es durch die KölnerBäder GmbH, die eingebunden ist in die Kölner Stadtwerke.

Ein Vorbild für Düsseldorf? Im Düsseldorfer Süden werden in den nächsten Jahren zwei voneinander völlig unabhängige Sportstätten neu gebaut: Auf dem Freibadgelände an der Münchener Straße ein kombiniertes Hallen- und Freibad für rund 28 Millionen Euro sowie an der Kappeler Straße eine Eishalle für rund zehn Millionen Euro. Dieser Beschluss soll im Stadtrat am Donnerstag in nicht-öffentlicher Sitzung getroffen werden. Gebaut werden soll die Eishalle von der Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR). Spätestens damit wird es wohl zu spät sein, so ein außergewöhnliches Projekt wie in Köln auch im Düsseldorfer Süden umzusetzen. Auf die Anfrage von Mitgliedern der Bezirksvertretung 9 im November 2018, ob die Bädergesellschaft eine solche Eis-Wasser-Kombination auf dem Freibad-Gelände geprüft habe, teilte Bäderchef Roland Kettler mit, dass er dazu keinen Auftrag gehabt habe. In wenigen Tagen soll der Bauantrag für das neue Kombibad gestellt werden. Das Benrather Hallenbad an der Regerstraße schließt am 10. Februar für immer. Auf dem Gelände sollen Wohnungen entstehen.

Bürgermeister Wolfgang Scheffler, der für die Grünen im Düsseldorfer Sportausschuss sitzt, kennt den Lentpark in Köln und sagt: „Wir haben ihn besichtigt.“ Aus seiner Sicht kann das Projekt nicht auf die Landeshauptstadt übertragen werden. Hier habe man eine stadteigene Bädergesellschaft und nicht mehr die Stadtwerke mit im Boot.

Im Lentpark gibt es ein natürliches Freibad mit Riesen-Rutsche. An heißen Tagen kann das Wasser nachts über die Kältemaschine runtergekühlt werden. Foto: Josh Lee / KölnBäder GmbH

Bis zur Gründung der städtischen Bädergesellschaft am 27. Januar 1995 haben die Stadtwerke in Düsseldorf auch die Bäder bewirtschaftet. Diese Art der Quersubventionierung war für die kommunalen Energieunternehmen ein Steuersparmodell. Die Gewinne der Stadtwerke können über eine bestimmte rechtliche Konstruktion mit den Verlusten der Bäderbetriebe verrechnet werden. Doch dann entschied man sich, in der Landeshauptstadt einen anderen Weg zu gehen: Man gründete im Stadtkonzern die Bädergesellschaft, die jährlich von ihrem Mutterkonzern Geld zum Betrieb der zehn städtischen Bäder bekommt. Auch der Neubau mehrerer Bäder wird durch den städtischen Haushalt finanziert.

Dass man in Köln auf diese einzigartige Idee kommen ist, liegt an der Historie der Anlage: 1936 erwarb der Unternehmern Anton Linde, Eigentümer der gleichnamigen Blockeisfirma, das Grundstück und baute dort im selben Jahr die erste künstliche Außen-Eisbahn in Köln. Ein Jahr später wurde nebenan auf dem Gelände ein Freibad eröffnet.

Auf der großen Eisfläche finden regelmäßig Turniere statt. Auf der Tribüne finden 180 Zuschauer Platz. Foto: Josh Lee / KölnBäder GmbH

Die Firma Linde schlug gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: „Die neue Sportstätte war geschäftlich interessant, denn die enge Verknüpfung von Bade- und Eisbetrieb machte es erstmals möglich, das Gebäude ganzjährig zu nutzen. Darüber hinaus diente sie Anton Linde als Demonstrationsanlage für die eigene Kälte- und Wärmetechnik, heißt es in der Zeitschrift „Archiv des Badewesens“ aus dem Oktober 2011. Als die Firma Linde Ende der 50er Jahre in finanzielle Schieflage geriet, übernahm die Stadt Köln 1959 die Anlage. Das betriebswirtschaftliche Aus der 1964 gebauten Eishalle beschloss die Kölner Politik 2007.

Diese Geschichte nahm die Politik zum Anlass, etwas zu bauen, was in Europa bis dato noch niemand so gebaut hat: eine Kombination aus Eis- und Schwimmhalle. Im September 2007 wurden die Wettbewerbsunterlagen an zehn Planungsteams verschickt, bis zur Jury-Sitzung vergingen gerade mal elfeinhalb Wochen. Die Planungen sahen eine Eishalle mit einer Eishochbahn, eine Schwimmhalle mit 25-Meter- und Lehrschwimmbecken, einen Freibadbereich mit Schwimm- und Badeteichanlage sowie eine Saunaanlage mit Garten vor. Eigentlich, so werden viele Benrather sagen, genau das, was man im Düsseldorfer Süden gerne hätte. Platz dafür gibt es ausreichend auf der jetzigen Freibadfläche.

Zurück zum Lentpark: Einstimmig entschied sich die Jury für den Entwurf von Schulitz Architektur + Technologie GmbH aus Braunschweig. Der Grundstein wurde im Oktober 2009 gelegt, Eröffnung war 2011. Gekostet hat der Bau 25 Millionen Euro; dafür würde er heute nicht mehr zu haben sein. Dazu sind die Preise in der Bauwirtschaft zu stark gestiegen. Zum Vergleich: Der Bau des neuen Kombibades in Benrath kostet inzwischen schon 28 Millionen Euro und damit sechs Millionen mehr als zu Beginn der Planung.

Doch warum macht es Sinn, ein Eisstadion mit einem Schwimmbad zu verbinden? Die Abwärme, die durch den Betrieb der Eisanlage entsteht, kann in anderen Bereichen genutzt werden, so auch zur Warmwasserbereitung des Schwimmbades. Der Nutzungsgrad im Lentpark liegt bei rund 60 Prozent, was zwischen zehn und 15 Prozent des Gesamtwärmebedarfs des Bades ausmacht. Addiert man alle weiteren Nutzungsmöglichkeiten hinzu (unter anderem Warmwasser zur Eisbereitung), kommt man nach Angaben einer Sprecherin von KölnBäder auf einen energetischen Synergieeffekt von rund 20 Prozent im Vergleich zu den Aufwendungen für zwei separate Sportstätten.

Die einmal rund um die Halle laufende Eishochbahn mit ihrer Lufttemperatur von rund 12 Grad Celsius dient bei niedrigen Außentemperaturen als Puffer zu der Wärme in der Badelandschaft. Auf dem Dach der Anlage gibt es zudem eine 410 Quadratmeter große Photovoltaikanlage. Das fordern die Grünen in Düsseldorf nun auch für die neue Eishalle an der Kappeler Straße. Aber es gibt nicht nur Synergien auf diesem Feld, sondern auch beim Personal, berichtet Lentpark-Betriebsleiter Dirk Bremermann: „Engpässe in einem Bereich können die Kollegen des anderen Bereiches überbrücken helfen, und sie tun es bei uns auch gerne“. Der Lentpark ist die erste Eissportstätte Europas, die in das Greenbuilding-Programm der EU aufgenommen wurde.

Übrigens wird die Eisanlage des Lentparks mit acht Tonnen Ammoniak betrieben. In der Benrather Eishalle in der Paulsmühle ist es die Hälfte. Hüben wie drüben liegt die Wohnbebauung in Sichtweite.

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