Kohlenmonoxidvergfitungen in Düsseldorf steigen

Viele Shisha-Fälle : Mehr Vergiftungsfälle in der Druckkammer

Zahl der Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftungen an der Uniklinik steigt.

An der Uniklinik müssen immer mehr Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftungen behandelt werden. Nach einem Rekordwert von 182 Notfällen 2018 gab es in diesem Jahr bereits 13 Fälle, fünf davon gingen nach Uniklinik-Angaben auf den Shisha-Konsum, also das Wasserpfeifen-Rauchen zurück. Im vergangenen Jahr hatte es 47 Fälle dieser Art gegeben. Die Experten an der Uniklinik warnen daher Shisha-Raucher. Denn auch bei der Verbrennung der Wasserpfeifenkohle entsteht Kohlenmonoxid (CO) – insbesondere beim schnellen Rauchen ohne Absetzen der Pfeife in geschlossenen Räumen ohne ausreichende Luftzufuhr. „Das ist ein typischer Vorfall, von dem wir hier in der Druckkammer an der Uniklinik Düsseldorf immer wieder hören. Die Gefahr von Kohlenmonoxid wird schlichtweg unterschätzt“, berichtet Sven Dreyer.

Die Vergiftungssymptome bei CO-Vergiftungen beginnen mit Schwindel, gehen über in Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, bis hin zur Bewusstlosigkeit und zu Krampfanfällen. Dies sei besonders tückisch, weil viele Betroffene die Symptome zunächst oft auf allgemeines Unwohlsein oder als Reaktion auf den Tabakkonsum deuten würden, erklärt der Notfallmediziner. „Viele glauben, sie hätten einen Rauschzustand. Bis der Rettungsdienst informiert wird, ist es manchmal schon zu spät. Um Vergiftungen zu verhindern, benötigt es eine gute Lüftung und ausreichend Sauerstoffzufuhr – das gilt für Privathaushalte, wie für die beliebten Shisha-Bars. CO-Melder können dabei helfen, die Gefahr zu erkennen.“

Auch Gasthermen, die unvollständig verbrennen – etwa, weil der Brenner verrußt ist – sind Risikoquellen. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Hand- und Unfallchirurgie am UKD, warnt davor, einen Holzkohlegrill oder ein offenes Feuer in geschlossenen Räumen „aufzustellen“: „Bei der Verbrennung der Holzkohle entsteht das Gas und kann in geschlossenen Räumen nicht abziehen“, erklärt der Leiter der Düsseldorfer Unfallmedizin, der auch die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) betreut. „Ganz schlecht ist es dann zum Beispiel noch, die Dunstabzugshaube einzuschalten – statt nur den Rauch abzusaugen, zieht sie noch zusätzlich die Luft und damit auch den Sauerstoff aus der Wohnung.“

Im Verdachtsfall sollte man sofort alle Fenster öffnen, umgehend den Raum verlassen und die Feuerwehr verständigen. Vorbeugend sollten Kohlenmonoxidmelder gekauft werden. Die kleinen Geräte werden an der Wand angebracht und sind in jedem Baumarkt zu bekommen. Rauchmelder, wie sie in Nordrhein-Westfalen Pflicht sind, ersetzen keine Kohlenmonoxidmelder, da sie das Gas nicht erfassen.

Die Uniklinik verfügt über eine 12-Personen Druckkammer. Dort wird bei der hyperbaren Sauerstofftherapie – unter Zuhilfenahme von Überdruck – 100-prozentiger Sauerstoff über Atemmasken kontrolliert über genau definierte Zeiträume und –Intervalle den Patienten verabreicht. Der Sauerstoff wird über die Lunge an das Blut weitergegeben und verdrängt so schließlich das Kohlenmonoxid aus den roten Blutkörperchen und dem Gewebe.

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