Stadtteil-Geschichten: Das Heimatarchiv in Benrath

Serie Stadtteil-Geschichten : Ordner und Laufwerke voller Geschichte

Seit fast 40 Jahren gibt es das Heimatarchiv im Benrather Rathaus. Dort verwalten Ehrenamtler die Geschichte des Stadtteils – seit einiger Zeit auch digital.

Drei Computer stehen im hinteren Zimmer des Heimatarchivs, umgeben von Regalen bis zur Decke, Aktenordnern, Kästen voller Karteikarten. Rudolf Doll sitzt vor einem der Bildschirme und klickt sich konzentriert durch ein digitales Archiv, dass inzwischen fast so umfangreich ist, wie der Inhalt der Dokumente um ihn herum.

„Als ich hier angefangen habe, hatten alle drei Computer einen unterschiedlichen Wissensstand, ein echtes System dahinter gab es nicht“, erzählt Doll, der als einer von elf Ehrenamtlichen das Heimatarchiv im Benrather Rathaus betreut. Er ist schon lange dabei, vor fünf Jahren fiel ihm die Aufgabe zu, sich um die Digitalisierung der Bestände zu kümmern. Hindernisse taten sich dabei an ganz banalen Stellen auf: „Bis vor kurzem waren wir nicht in der Lage, Dokumente einzuscannen, die größer als Din A4 waren“, sagt Doll. Mehrere Anschaffungen waren nötig: neue Scanner, Drucker, ein Gerät, um Dia-Bilder auf den Rechner zu übertragen. Um viel Arbeit wurde in das Projekt gesteckt. Die Montagabende, an denen das Archiv für die Öffentlichkeit zugänglich ist, reichen für die Arbeit bei weitem nicht aus, sagt Rudolf Doll, der inzwischen Herr über fast 120 Gigabyte an historischen Dokumenten ist – und noch längst nicht fertig. „Bis 2025 bin ich hier noch beschäftigt“, lacht der pensionierte Maschinenbauer.

Doch die harte Arbeit ist es wert, darin sind sich alle Mitarbeiter des Heimatarchivs einig. An der Eingangstür hängt der Spruch: „Wenn wir unsere Vergangenheit nicht bewahren, leiden wir bald an kollektiver Demenz“. Diesen Satz nimmt Wolfgang D. Sauer sehr ernst. Der ehemalige Lehrer am Schloß-Gymnasium ist Leiter des Archivs und seit mehr als 20 Jahren dabei. „Wir sind das kollektive Gedächtnis von Benrath und Anlaufstelle für jeden, der sich über unseren Stadtteil informieren will“, beschreibt er die Aufgaben seines Teams. Insgesamt umfasst das Heimatarchiv über 40.000 Fotos, außerdem unzählige Urkunden, Postkarten, Pläne, Plakate und Dokumente aus der Geschichte des Düsseldorfer Südens, von der ersten Besiedlung über die Ritter von Benrode, die dem Viertel den Namen gaben, über die Nazi-Zeit bis in die Gegenwart.

„Die Leute kommen auf uns zu, bringen uns alte Fotos oder Schriften, die sie auf dem Dachboden gefunden haben“, erzählt Sauer. Gemeinsam mit seinem Team entscheidet er dann, ob die neuen Dokumente es wert sind, archiviert zu werden. „Unsere Leitfrage ist dabei immer: Was wäre, wenn dieses Stück für immer verloren wäre?“, beschreibt der Archivleiter sein Vorgehen.

Neben dem eifrigen Sammeln von Benraths Geschichte ist das Heimatarchiv auch Anlaufstelle für alle Interessierten. Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr stehen die Dokumente allen Bürgern kostenlos zur Verfügung, für Kopien wird eine geringe Gebühr erhoben. Außerdem arbeiten die Historiker mit Schulen zusammen und unterstützen Studenten bei wissenschaftlichen Arbeiten. Es gibt Vorträge, Führungen und die inzwischen 19-bändige Buchreihe „Benrath histoirsch“, die verschiedene Aspekte aus der Vergangenheit des Stadtteils beleuchtet.

„Die Leute hier sind schon ein eigenes Völkchen“, findet Rudolf Doll, der seit 1974 im Stadtteil lebt und sich noch immer nicht als vollwertiger Benrather sieht. Umso wichtiger sei es, die Vergangenheit dieses einzigartigen Stadtteils zu bewahren, um der „kollektiven Demenz“ vorzubeugen.