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Dormagen: Bürger wollen Therme erhalten

Dormagen : Bürger wollen Therme erhalten

Rund 150 Schwimmer aus Dormagen und der weiteren Umgebung haben sich gestern beim NGZ-Mobil vor der Römertherme zum Erhalt des beheizten Freibades ausgesprochen. Viele forderten Unterstützung der Stadt ein.

Seit 20, 40 und mehr Jahren kommen viele Dormagener und Schwimmer aus den Nachbarstädten in die Römertherme. Generationen haben hier das Schwimmen gelernt. Dass die Diskussion um die Finanzierung des beheizten Freibades die Gemüter erhitzt, wurde deutlich. Über 150 Bürger kamen — alle plädierten für den Erhalt des Bades, dessen Schließung als "Katastrophe", als "Schande" und als "Verlust von Lebensqualität" bezeichnet wurde. Tenor: Die Stadt solle sich am Bad beteiligen; günstiger käme Dormagen nie mehr an ein Freibad dieser Qualität. Viele sehen auch Bayer in der Pflicht, sich für die Bürger, darunter viele aktuelle und frühere Arbeitnehmer, zu engagieren.

Fest steht: Viele Schwimmer nehmen weite Anfahrten in Kauf — aus Düsseldorf, Monheim, Leverkusen, Brühl oder St. Augustin bei Bonn. Gerhard Wetzel aus Merkenich hat Dormagen übers Freibad kennengelernt. "Jetzt kaufe ich auch hier ein." Wulf Schwerdtfeger, 84, kommt einmal die Woche mit dem Rad — aus Bergisch-Gladbach. Hallenbäder seien keine Alternative, sagen vor allem die Älteren. "Hier kann ich an der frischen Luft schwimmen und das auch im Winter", sagt Gertrud Schumacher. Mit ihrem Mann Wilhelm kommt sie fünf Mal die Woche aus Longerich — um 6 Uhr morgens. "Das Bad ist in der Region einzigartig", meint Wilhelm Werhahn. Viele Ruheständler betonen, dass ihre Gesundheit vom Bad abhängt: "Wenn das Bad schließt, sitze ich täglich beim Arzt", glaubt Stefan Scherer. "Ohne das warme Wasser säße ich längst im Rollstuhl", sagt Anita Graßmeyer. "Die meisten gehen bei Wehwehchen zum Arzt. Hier bekomme ich alles, was ich brauche für meine Gesundheit", sagt Bernd Hillbrunner.

Katharina Schulz ist kerngesund. "Ich komme mit Mama, Papa und meiner Schwester Dorothea her", erklärt die Vierjährige. Natalya Faler kommt mit den Kindern aus Worringen hierher: "Ich wüsste nicht, was ich ohne Therme machen würde. Es ist das beste Bad im Kölner Raum." Von der Stadt erwarten die Dormagener ein Bekenntnis zum Sport. "Der Bürgermeister hat dafür nichts übrig", meint Lisel Beer aus Zons. "Es wird viel Geld verschwendet: für den Marktplatz und das Haus Dallacker", meint Rosemarie Rader. "Unbegreiflich, dass die Stadt sich nicht längst an der Finanzierung beteiligt", erklärt Gertrude Müller-Mörs, die Bayer dankbar ist. Es gibt aber auch Kritik an Bayer: "Dass der Konzern nicht mehr fürs Bad zahlen will, ist falsch. Ich wohne in Rheinfeld an der Bayer-Deponie und muss mit der Belastung leben", meint Otto Schulze (80). "Viele Leute haben bei Bayer hart gearbeitet. Der Konzern sollte helfen, dass die Bürger das Bad weiter nutzen können", ist Irmgard Schiele (76) überzeugt. So mancher glaubt, dass Bayer nichts am Erhalt liege und mahnt mehr Werbung an.

Dann waren die Kosten dran. Hans Lorenz, langjähriger Betriebsleiter, schlägt vor, Personal- und Energiekosten zu prüfen, die Öffnungszeiten zu reduzieren und die Wassertemperatur zu senken: "28 Grad Celsius tun's auch."

(NGZ/jt)