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Dormagen: Junger Star-Pianist mit Faible für große Kontraste

Dormagen : Junger Star-Pianist mit Faible für große Kontraste

Meist zur Halbzeit des Festivals Alte Musik bietet das Konzert im Kreismuseum ein besonders Ambiente. Die Pause mit Getränken und ein vom Förderverein zusammengestelltes Buffet verführen zu Gesprächen über den ersten Teil des Konzertes. Der hatte es in sich: Der Klavierabend unter dem Motto "Wahlverwandtschaften" präsentierte mit Hardy Rittner einen jungen Pianisten (Konzertexamen 2010), der bereits zweimal für CD-Einspielungen den Echo-Klassik-Preis verliehen bekam und weltweit gefragt ist. Vieles hört man beim Rüsselsheimer ganz neu. So zerlegt er die berühmte "Fuge cis-Moll" aus Band I des "Wohltemperierte Klaviers" von Johann Sebastian Bach (BWV 849) so deutlich, dass es fast schmerzt. Die drei Themen der fünfstimmigen Tripelfuge, ein Glanzstück polyphoner Satzkunst, lässt er zusammenprallen, weiht den Hörer in die Architektur ein und hält auch in der Symbiose der Themen das kraftvolle Spiel durch. Zu dieser Klarheit passte der nahezu völlige Pedalverzicht. In den letzten Jahren sorgten vor allem Rittners Brahms-Einspielungen für Gesprächsstoff. In Zons wurden die "7 Fantasien op. 116" zum Ereignis. In den drei "Capriccio" ließ der Pianist mit perfektem virtuosen Spiel leidenschaftliches Aufbegehren miterleben, um sich bei den "Intermezzi" dazwischen mit großer Gelassenheit der Träumerei hinzugeben.

Ganz spannend wurde die "Suite op. 25" von Arnold Schönberg. Obwohl die sechs Sätze ein barockes Gewand tragen, ist die Suite Schönbergs erstes Werk, in dem die Zwölftonreihe zu Beginn des Präludiums für alle Sätze verbindlich wird. Die meist sehr rasch gespielten Stücke und der präzise, dabei leichte Anschlag des Pianisten ließen auch mit dieser Musik wenig vertraute Hörer an diesem Stück Gefallen finden. Die viel gespielte "Sonate B-Dur" (D 960) von Franz Schubert animierte zu schwelgerischer Träumerei. Die vier von originellen Melodien durchzogenen Sätze sind frei von dramatischen Effekten. Der emotionale zweite Satz war unendlich schön gespielt, das rondoartige Finale mit heiterer Brillanz. Hardy Rittner wurde lange gefeiert und bedankte sich mit zwei Zugaben.

(NGZ)