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Emotion aus Wolf-Debatte nehmen

Debatte um Wölfe in NRW : Wenn Probleme verschleppt statt gelöst werden

Vor drei Jahren haben sich Wölfe auch in NRW wieder angesiedelt. Die Probleme, die das mit sich bringt, sorgen immer noch für heftige Konflikte. Es wird Zeit, die Diskussion sachlicher zu führen.

Der Wolf lässt niemanden kalt. Kaum ein Raubtier wurde und wird mehr verteufelt – kaum eines wird aber auch mehr beklatscht, weil es sich seinen Platz in der Natur zurückerobert hat. Das führt auch hierzulande zu einer oft emotional geführten Debatte darüber, wie sich das Zusammenleben des Räubers mit dem Mensch möglichst reibungsfrei gestalten lässt. Auf der einen Seite: Weidetierhalter, die sich durch den Wolf existenziell bedroht sehen. Auf der anderen: Naturschützer, denen es um die biologische Vielfalt geht. Beide Parteien haben gute Argumente. Schäfer können in den Wolfsgebieten ihrem Beruf nur noch nachgehen, wenn sie sicherheitstechnisch aufrüsten. Das ist teuer; wer nicht mitzieht, verliert. Biologen treibt der Wunsch, die Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen und dem Wolf seine angestammte Rolle zuzugestehen. 

Einvernehmen kann in diesem Streit nur entstehen, wenn die Politik sich bemüht, beide Seiten ernst zu nehmen und die Diskussion auf eine sachliche Ebene führt. Dazu gehört es, den Schäfern, aber auch etwa Haltern von Ponys und Rindern Perspektiven zu bieten, also schnell zu handeln und sie nicht nur punktuell, sondern dauerhaft zu unterstützen. In Brandenburg beispielsweise werden auch Betriebskosten für Zäune und Herdenschutzhunde übernommen. Dazu gehört es auch, möglichst emotionslos darüber zu reden, ob auffällige Wölfe geschossen werden dürfen oder müssen. Momentan entsteht der Eindruck, dass die Politik wie in der Corona-Krise zu zögerlich agiert, und das Problem nur verschleppt, statt es es zu lösen. Nur ist der Wolf kein auszurottendes Virus, sondern zu Recht Teil unseres natürlichen Lebensraums. Ihm dieses Recht einzuräumen, hat eben seinen Preis.