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Kolumne "Hier in NRW": Ein Soziogramm für die NRW-CDU

Kolumne „Hier in NRW“ : Ein Soziogramm für die NRW-CDU

Die komplizierten Beziehungen der Kandidaten machen eine Team-Lösung schwer.

Wenn Lehrer sich einen Überblick über schwierige Klassen verschaffen wollen, malen sie ein Soziogramm. Wer kann mit wem – und wer nicht? Wer ist Anführer, wer Teamplayer? Eine solche Grafik mit Pfeilen könnte mittlerweile auch für die NRW-CDU hilfreich sein. Denn so langsam wird die Lage unübersichtlich: Mit Norbert Röttgen tritt Nummer vier der potenziellen Aspiranten für CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur auf den Plan – nach Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn.

Röttgens Kandidatur ist in der NRW-CDU unwillkommen, wie zu hören ist. Von Röttgen müsste in solch einem Soziogramm also schon mal ein Pfeil auf CDU-Landeschef Laschet zeigen - mit der Aufschrift „wischt  ihm eins aus“.

Ähnliches hatte zuvor offenbar schon Friedrich Merz im Sinn. Auch er zeigte sein Interesse urplötzlich. Merz kam aber nicht selbst aus der Deckung, sondern ließ die News aus seinem Umfeld verlauten. Ein schöner Zug war das nicht, immerhin hatte doch Laschet Merz zuletzt in NRW mitmachen lassen: als Brexit-Beauftragten der Landesregierung und Aufsichtsratschef des Flughafens Köln/Bonn. Dieser Pfeil müsste wohl mit „ambivalentes Verhältnis“ überschrieben sein. Spahn und Merz wiederum machen sich gegenseitig auf dem konservativen Flügel Konkurrenz. 

Das Soziogramm wäre nicht vollständig, enthielte es nicht Angela Merkel. Denn in einem sind Merz und Röttgen einander verbunden: Der Erfahrung, von der Kanzlerin abserviert worden zu sein. Merz verzichtete 2004 entnervt auf alle Führungsämter in der CDU. Röttgen wurde von Merkel nach hoch verlorener NRW-Wahl um seinen Bundesministerposten gebracht. Auf beider Pfeile stünde: „verletzte Eitelkeit“. Die vier jedenfalls haben das Potenzial, die Klasse zu sprengen.

(kib)