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Venedig: Tom Tykwer enttäuscht

Venedig: Tom Tykwer enttäuscht

venedig Jury-Präsident Quentin Tarantino hatte zu Beginn klargemacht: Er mag die Filme des Tom Tykwer. Dass er heute einem seiner deutschen Lieblings-Regisseure den Goldenen Löwen überreichen kann, gilt als unwahrscheinlich. Denn Tykwer hat mit "3" danebengelangt.

Diese Tragikomödie aus dem heutigen Berlin ist eine exzellente Übung in "dem Kunstleben zugeschaut". Tykwer beobachtet sehr genau zwei Männer und eine Frau Mitte 40, die sich neu orientieren, die überkreuz miteinander ins Bett gehen und am Ende versuchen, die sogenannte "Menage à trois" zu leben. Gefilmt ist das in wunderbaren Bildern, die der ewigen Baustelle Berlin sehr schmeicheln. Und wenn gleich zu Beginn David Bowie anhebt zu singen "Ground Control to Major Tom . . . ", kommen große Gefühle auf.

Aber ähnlich wie bei der Sahnetorte, von der man auch nur ein Stück verträgt, wird einem dieser Film schnell über. Wenn die Leute ins Theater gehen, dann natürlich zu Robert Wilson. Der traurige Ehemann verirrt sich ins Kino und muss den Klassiker "Hiroshima, mon amour" schauen. Das Ganze zieht wie ein Baukasten mit den edlen und guten Dingen des Lebens an einem vorbei. Aber es bleibt das schale Gefühl, dass auf der Leinwand keine Menschen agieren, sondern Kunstprodukte der Tykwer-Phantasie. Und warum bei der Liebesszene zwischen Sebastian Schipper und Devid Striesow auch noch Sperma durch die Gegend spritzen muss inklusive Kalauer, das weiß nur der Filmemacher selbst. Pünktlich zum Weihnachtsfest kommt diese mit zwei Stunden auch viel zu lange Bauchnabel-Spiegelung in die deutschen Kinos.

Wie das Urteil heute ausgehen mag, die Jury wird einen schweren Job gehabt haben. Denn selten waren derart viele gute Filme in einem Wettbewerb bei einem großen Festival vertreten. Auf der Schlussgerade hat das Festival noch einmal Schwung aufgenommen, dass man mehrmals am Tag staunen konnte. Ob nun mit Abdellatif Kekiches wuchtigem Drama "Black Venus" über eine Zirkus-Attraktion aus dem 19. Jahrhundert – eine gewaltige schwarze Frau, die ähnlich begafft wurde wie der von David Lynch so eindrucksvoll beschriebene "Elefantenmensch". Oder über "Barney's Version" aus Kanada, der einem abwechselnd Tränen der Freude und des Mitgefühls über einen liebenswert-schrägen Außenseiter in die Augen trieb. Oder der japanische Samurai-Film "13 Assassins", der mit einem der längsten Showdowns der Filmgeschichte aufwartet: Mehr als 60 Minuten fliegen da die Schwerter. Die Reihe ließe sich um einige Filme ergänzen. Sie alle kommen bald ins Kino.