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Die Ökonomin: Sportler-Doping ist rational

Die Ökonomin : Sportler-Doping ist rational

Wenn Sportler betrügen, ist das unfair – aber vernünftig. Wer nicht dopt, verhält sich im herrschenden Kontrollsystem irrational. Das zeigt die ökonomische Spieltheorie.

Wenn Sportler betrügen, ist das unfair — aber vernünftig. Wer nicht dopt, verhält sich im herrschenden Kontrollsystem irrational. Das zeigt die ökonomische Spieltheorie.

Die Sprinter Tyson Gay und Asafa Powell haben es getan, die Radrennfahrer Lance Armstrong und Jan Ullrich auch: Sie haben gedopt. Warum nur tun Athleten das? Wer erwischt wird, muss schließlich mit harten Strafen rechnen: Überführte Sünder werden gesperrt, ihre sportliche Karriere ist dahin, die als Werbeträger auch. Warum also?

Eine überraschende Antwort gibt der Hamburger Ökonom Berno Büchel, dessen Analyse die Wirtschaftszeitung "The Economist" aufbereitet hat. Büchel hat das Verhalten der Sportler mit Hilfe der Spieltheorie untersucht. Auf diesem Feld der Ökonomie, auf dem auch der deutsche Nobelpreisträger Reinhard Selten arbeitet, wird mit mathematischen Modellen geforscht. Aus Sicht der Spieltheorie verhalten sich Sportler rational, wenn sie dopen. Denn mit jedem Start nehmen sie an zwei Spielen teil: am Sport-Wettkampf und am Kampf gegen die Kontrolleure. Und bei letzterem erweist es sich als unvernünftig, sauber zu spielen.

Die Ökonomen sprechen vom "Gefangenen-Dilemma": Eigentlich wäre es das Beste für alle Sportler, wenn sie nicht betrögen. Doch da der Einzelne nicht weiß, ob die Gegner sauber bleiben und er von vornherein verloren hat, wenn er ungedopt gegen gedopte Kollegen antritt, ist es rationaler, wenn auch er selbst zur Spritze greift. Das Risiko, dass er ertappt wird, ist weitaus geringer, als das Risiko, ohne Doping gegen die gedopten Kollegen zu verlieren. Doch es gibt einen Weg, das Dilemma aufzubrechen. Dafür müssten Sportverbände ihr Kontrollsystem radikal ändern. Statt Stichproben müsste es in allen Ländern permanente, öffentliche Tests geben. Zudem müsste mehr Mittel in neue Testmethoden investiert werden. Bislang leben die Doper auch davon, dass sie technisch den Kontrolleuren immer eine Nasenlänge voraus sind. Erst wenn Athleten sicher sein können, dass Betrüger auffliegen, sehen sie sich nicht selbst zum Doping gezwungen.

Und was ist mit der Sportler-Ehre? Das, so lehrt die Sportgeschichte, ist eine Sache für Romantiker.

Ihre Meinung? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)