1. Wirtschaft
  2. Kolumnen
  3. Die Ökonomin

Die Ökonomin: Das Fliegen ist zu billig

Die Ökonomin : Das Fliegen ist zu billig

Die Luftfahrt genießt Privilegien, die schlecht für die Umwelt sind und den Wettbewerb verzerren. Die negativen externen Effekten des Fliegens müssen eingepreist werden.

Bald heben wieder Millionen in den Sommerurlaub ab. Schön für jeden, der nach Mallorca ein Billig-Flugticket für 69 Euro ergattert hat. Doch gesamtwirtschaftlich sinnvoll sind solche Ticketpreise nicht. Zwar ist es Ausdruck funktionierenden Wettbewerbs, wenn Preise sinken. Zugleich bilden viele Ticketpreise nicht die wahren Kosten des Fliegens ab.

Solche Phänomene gibt es oft. Was individuell zunächst rational ist, bedeutet gesamtwirtschaftlich eine Verschlechterung. Wenn etwa im vollen Theater ein Besucher aufsteht, ist es gut für ihn, weil er besser sehen kann. Stehen aber alle auf, können sie am Ende genauso schlecht sehen wie vorher — und haben es auch noch unbequemer.

Eine Ursache der niedrigen Ticketpreise liegt daran, dass Fluggesellschaften die Umwelt nutzen, ohne dafür (angemessen) zahlen zu müssen. Negative externe Effekte nennen Ökonomen das. Sie entstehen immer dann, wenn ein Gut — wie der Himmel oder das Klima — keine Eigentümer haben. Zwar führte die Bundesregierung 2011 die Luftverkehrsabgabe ein. Doch sie bemisst sich pro Fluggast (und der Frage ob Kurz- oder Langstrecke), nicht nach Energieverbrauch oder Lärmbelastung. Das Kasse machen steht im Mittelpunkt und nicht etwa eine ökologische Lenkungswirkung.

Hinzu kommt eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Verkehrsträgern. Fluggesellschaften müssen weiterhin keine Kersosinsteuer zahlen, während etwa die Deutsche Bahn kräftig Mineralölsteuer auf ihren Diesel und Öko-Abgaben auf ihren Strom entrichten muss . Zudem sind Auslandsflüge von der Mehrwertsteuer befreit. In den Anfangsjahren der Fliegerei waren diese Privilegien womöglich gerechtfertigt, um der jungen Branche auf die Beine zu helfen. Inzwischen gibt es für diese geheime Milliarden-Subvention keinen Grund mehr.

Ihre Meinung? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

(RP/caf/gre)