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Missbrauch im Sport: Politik und Athleten wollen Anlaufstelle

Unabhängige Anlaufstelle soll kommen : Sport und Politik einig im Kampf gegen Missbrauch und Gewalt

Der Verein Athleten Deutschland hat vor dem Sportausschuss des Bundestages breite Unterstützung für seine Idee einer übergeordneten Anlaufstelle für Missbrauchsopfer im Sport erhalten. Der Weg bis dahin ist jedoch weit.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend, und sie werden nicht mehr nur in den USA, Großbritannien oder der Schweiz geäußert. Sexueller Missbrauch. Sexualisierte Gewalt. Psychische Unterdrückung. Auch der deutsche Sport ringt um Verantwortung und Schutzkonzepte, denn im Turnen, Schwimmen oder Boxen haben vermeintliche Opfer und Täter mittlerweile Gesichter und Namen bekommen.

Der "dringende Handlungsbedarf", den Maximilian Klein vom unabhängigen Verein Athleten Deutschland sieht, ist der gemeinsame Nenner der Sportler und Sportlerinnen, der Verbände und auch der Politik. In einer öffentlichen Sitzung am Mittwoch ließ der Sportausschuss im Bundestag Sachverständige zu Wort kommen - und die waren sich überwiegend einig.

Der Athleten-Verein bekam breite Unterstützung für die Idee einer übergeordneten Anlaufstelle für Missbrauchsopfer im Sport. Die Experten aus der Wissenschaft, der Praxis und den beiden großen Fachverbänden Turnen (DTB) und Schwimmen (DSV) plädierten für das von den Athleten vorgeschlagene "Unabhängige Zentrum für Safe Sport". Laut Maximilian Klein soll dies jedoch nur ein Baustein auf dem Weg zu einer "nationalen Strategie" gegen Missbrauch und Gewalt sein.

Über die Parteigrenzen hinweg hatten sich vor der Sitzung des Sportausschusses bereits zahlreiche Abgeordnete für die Umsetzung der autonomen Kontrollinstanz ausgesprochen. Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag, lobte den Vorschlag als "ausgesprochen unterstützenswert". "Mit dieser Initiative setzt Athleten Deutschland ein weiteres Ausrufungszeichen in die deutsche Sportlandschaft", sagte die SPD-Politikerin der FAZ.

Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist das Zentrum dagegen "nicht der Königsweg". Vize-Präsidentin Petra Tzschoppe mahnte an, dass "Sportverbände und -vereine selbst Verantwortung für den Schutz vor Gewalt im Sport übernehmen" müssen. Das im Dezember verabschiedete Stufenmodell des DOSB und der Deutschen Sportjugend (dsj) sei ein "geeignetes Instrument" für die Auseinandersetzung.

Die Idee einer unabhängigen, dem Sport übergeordneten Instanz, kommt aus dem Ausland. In Ländern wie den USA, Kanada, Australien oder auch in den Niederlanden gibt es inzwischen solche Anlaufstellen für Betroffene. Die Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung (BKSF) schlägt für Deutschland "einen regelmäßigen Austausch" zwischen einem unabhängigen und überregionalen Zentrum und "den Präventions- und Gewaltschutzbeauftragten in den Institutionen des organisierten Sports" vor.

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Das Konzept der Athleten Deutschland sieht im Wesentlichen vier Kompetenz- und Handlungsfelder vor. Die Risikoanalyse, um "blinde Flecken" aufzuspüren; ein Monitoringsystem, um die tatsächliche Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zu prüfen; eine unabhängige Anlauf- und Fallbearbeitungsstelle für die Intervention bei akuten Fällen; und eine Begleitung bei der Aufarbeitung vergangener Fälle.

Der Weg dahin ist weit. Wer trägt die Verantwortung? Wer trägt die Kosten? Wer geht voran? Viele Fragen sind offen, ein "strukturierter Dialogprozess" habe noch nicht begonnen, sagte Klein, der eine Machbarkeitsstudie forderte. Immerhin ist das Ziel definiert: Der organisierte Sport braucht Hilfe, um seiner Verantwortung gerecht zu werden.

(SID)