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Die Ökonomin: Das gefährliche Japan-Experiment

Die Ökonomin : Das gefährliche Japan-Experiment

Noch mehr Schulden, noch mehr billiges Geld – Schuldenweltmeister Japan setzt auf "Abenomics". Und tatsächlich: Nippons Wirtschaft brummt. Ein Modell für Südeuropa?

Die südeuropäischen Länder quälen sich mit harten Sparprogrammen – und Japan führt vor, dass es scheinbar auch ganz anders geht. Premierminister Shinzo Abe hat seinem Land genau jene Politik als Medizin verordnet, die der deutsche Finanzminister für das reinste Gift hält: noch mehr schuldenfinanzierter Staatskonsum und noch mehr billiges Geld. Der Yen wertet kräftig ab, Toyota und Co. verkaufen in der Welt wie nie. Und zeigen nicht auch die jüngsten Zahlen, dass diese, nach dem Premier "Abenomics" getaufte Politik funktioniert? Während die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal kaum gewachsen ist, legte die japanische kräftig zu. Auf das Jahr hochgerechnet erwartet Nippon 3,5 Prozent.

Ein Modell für Südeuropa? Nein. Japan ist mit Europa nicht zu vergleichen. Die Regierung Abe hat die japanische Zentralbank auf dem kleinen Dienstweg angewiesen, die Geldpolitik zu lockern. Ein derartiger Eingriff wäre mit der Unabhängigen der Europäischen Zentralbank unvereinbar, die ihr Mandat schon jetzt strapaziert.

Auch würden Investoren in Südeuropa auf neue Schulden ganz anders reagieren. Japan ist mit 210 Prozent seines Sozialprodukts stärker verschuldet als der schlimmste Sünder Europas (Griechenland: 180 Prozent). Doch Tokio steht vor allem bei den eigenen Bürgern in der Kreide. Die verzeihen einen Anstieg der Schulden. Die ausländischen Gläubiger nicht, sie würden sofort höhere Risikozuschläge verlangen.

Zudem ist Griechenland nur ein kleiner Teil einer Währungsunion und hat definitionsgemäß keine eigene Währung, die es zur Beflügelung seiner Exporte abwerten kann.

Vor allem ist offen, ob die Abenomics in Japan mehr entfachen als ein Strohfeuer. Seit Jahren kämpft die drittgrößte Volkswirtschaft mit Wachstumsschwächen, obwohl sie seit Jahren Nullzins-Politik betreibt. "Liquiditätsfalle" nannte das der britische Ökonom Keynes, der sonst ein großer Freund von Geldpolitik zur Konjunktursteuerung war. In einer solchen Lage helfen nur echte Strukturreformen, auch in Japan.

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(RP)