1. Wirtschaft
  2. Kolumnen
  3. Der Ökonom

Die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union schießt manchmal über das Ziel hinaus

Kolumne Der Ökonom : Wenn sich Wettbewerbshüter irren

Es gibt Fusionen, die einer Industrielogik folgen und den Wettbewerb nicht behindern. Die EU darf sie nicht verbieten.

Die mächtigste Dienststelle in der Europäischen Kommission ist die Generaldirektion Wettbewerb. Sie wird geleitet von der ebenso energischen wie kundigen dänischen Kommissarin Margrethe Vestager. Und die Konzerne fürchten die Wettbewerbskommissarin, weil sie das Recht unerbittlich gegen die Großen der Wirtschaft wie Google, Apple, Gazprom oder Mastercard durchsetzt.

Doch wie fast immer bei einem solchen rigorosen Vorgehen wird manchmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Furcht vor langwierigen Verfahren und harschen Urteilen lässt Fusions- und Scheidewillige bisweilen Wege gehen, die schädlicher sind. Betroffen davon war zuletzt ein Konzern, der bislang so gut wie alles falsch gemacht hat, aber in seinen klügeren Plänen ausgerechnet von der Kommission gestoppt wurde. Es geht um Thyssenkrupp. Der Stahl- und Investitionsgüterkonzern wollte die Hochofensparte mit dem indischen Unternehmen Tata Steel verschmelzen und sein Aufzugsgeschäft an die finnische Kone-Gruppe verkaufen.

Zu Tata sagte die EU-Kommission nein, jetzt hängt die Stahlsparte wie ein schwerer Kropf am notleidenden Konzern und geht vielleicht ganz unter. Und bei den Aufzügen versuchte es die Unternehmungsleitung erst gar nicht, weil sie ein umständliches Verfahren fürchtete, wo doch hier Zeit gleich Geld ist. Stattdessen geht die Aufzugstochter an eine Investorengruppe, im Volksmund auch gern Heuschrecke genannt.

Die Kommission sollte nicht ihren wettbewerbspolitischen Stachel verlieren. Aber sie sollte andere Wettbewerbskriterien anlegen. Sie muss fragen, ob der relevante Markt womöglich den gesamten Globus umfasst (und nicht nur Europa). Und sie muss auf die Markteintrittsschranken achten. Denn auch ein Monopolist verhält sich wettbewerbskonform, wenn er mit dem Eintritt eines Konkurrenten rechnen muss. Mit einem Wort: Die Wettbewerbspolitik muss moderner werden, aber durchaus mit einer Persönlichkeit an der Spitze vom Format einer Vestager.

Ihre Meinung? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de