Aktienmärkte in Coronazeiten : Wenn die Börse verrückt spielt

Corona ist auch an den Börsen ein beherrschendes Thema in diesem Jahr: Bei der Bestimmung der Kurse spielen Hoffnungen die wichtigste Rolle zu.

Als der Dax, der Index der wichtigsten deutschen Börsenwerte, vor Kurzem auf über 13.000 Punkte stieg, war das Erstaunen groß. Mitten in der Corona-Krise erreichten die Aktien einen Stand, der nahe an den Höchstwerten zu Beginn des Jahres lag. Auch jetzt gab der Dax gerade einmal um drei Prozent nach – nachdem die Statistiker den schwersten Einbruch der Konjunktur seit Beginn der Aufzeichnungen vermelden.

Tatsächlich spiegeln Kurse auf den Finanzmärkten nicht die aktuelle Lage, sondern die Erwartung der Akteure wider. Wenn die glauben, dass die deutsche Wirtschaft die corona-bedingte Unterbrechung der Lieferketten schnell überwinden kann, steigen eben die Kurse.

Erwartungen sind eine zentrale Größe in der Wirtschaft. Doch sie sind oft schwer zu fassen. Wenn die Notenbank die Zinsen senkt, um die Wirtschaft anzukurbeln, steigen die Kurse gewöhnlich. Sie können unter sonst gleichen Bedingungen auch fallen, wenn die Akteure glauben, dass die Zinssenkung nicht ausreicht. Oder sie steigen, weil die Marktteilnehmer zwar glauben, der jetzige Zinsabschlag sei zu gering. Aber die Notenbank werde bald weitere Schritte folgen lassen. Ökonomen gehen gern davon aus, dass die Akteure auf den Finanzmärkten alle verfügbaren Informationen auswerten und diese dann vor ihren Entscheidungen modellgerecht bewerten. In den Kursen wäre dann das gesamte Wissen des Marktes enthalten. Das nennt man die Markteffizienzhypothese. Danach glauben die meisten Marktteilnehmer, dass die Krise bald überwunden wird.

Doch Vorsicht. Die Kurse sagen nicht die tatsächliche Zukunft, sondern die erwartete voraus. Und Preise können durchaus auch Ergebnis systematischer Fehleinschätzungen sein. Wir haben also einen wertvollen Indikator, können aber nie ganz sicher sein.

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