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Borussia Mönchengladbach: Gladbach verliert zwei Punkte in Zürich

Borussia Mönchengladbach : Gladbach verliert zwei Punkte in Zürich

Trotz drückender Überlegenheit hat Borussia Mönchengladbach am zweiten Spieltag der Europa League den ersten Sieg verpasst. Beim FC Zürich reichte es für die "Fohlen" wie gegen den FC Villarreal wieder nur zu einem 1:1 (1:1).

Max Kruse bekam die wichtigste Nachricht des Tages am Donnerstag schon vor dem Dienstantritt: Bundestrainer Joachim Löw nominierte Borussias Stürmer wieder für das deutsche Nationalteam. Am Abend dann wollte Kruse, der sich mit zuletzt starken Spielen in Gladbach für die Rückkehr ins DFB-Ensemble beworben hatte, mit seinem Arbeitgeber beim FC Zürich den ersten Sieg in der Europa-League-Gruppenphase einsammeln. Das gelang nicht. Bei der Rückkehr von Trainer Lucien Favre zu seinem Ex-Verein, mit dem er zweimal Schweizer Meister wurde, gab es trotz klarer Überlegenheit nur ein 1:1.

"Jetzt stehen wir in den nächsten Spielen mehr unter Druck, die Gruppe ist sehr eng. Wir hatten mehr Ballbesitz und Torschüsse. Es fehlte aber die hundertprozentige Geilheit, ein Tor zu machen", sagte Sportdirektor Max Eberl bei Sky. "Wenn man das Spiel sieht, ist das deutlich zu wenig. Wir müssen das Spiel klar gewinnen, hatten klare Chancen. Das müssen wir uns heute ankreiden", analysierte Kruse.

Kruse arbeitet in Zürich auf ungewohnter Position. Weil Raffael wegen muskulärer Probleme fehlte, gab er den hängenden Stürmer, ganz vorn spielte dieses Mal Branimir Hrgota. Weil auch Weltmeister Christoph Kramer fehlte, rückte Havard Nordtveit ins defensive Mittelfeld. Den Job auf der linken Außenbahn bekam Thorgan Hazard, der nach seinem Startelf-Debüt im Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV zum zweiten Mal zur Anfangsformation gehörte. Rechts spielte André Hahn, der zuletzt beim 2:1 in Paderborn zunächst draußen saß.

Dreimal "H" (Hrgota, Hazard, Hahn) plus ein "K" (Kruse) für den Sieg in Zürich bot Favre also auf — und fast hätte Kruse nach nur acht Minuten die frühe Führung erzielt. Granit Xhaka, der als Ex-Basler von den Züricher Fans mit Pfiffen empfangen wurde, schickte Hazard, der legte quer auf Kruse — doch der Wieder-Nationalspieler schob den Ball freistehend am Tor vorbei. Es wäre das frühe Tor gewesen, dass sich Hahn vorab gewünscht hatte. "Wir wollen kompakt stehen und immer wieder Nadelstiche setzen, ein frühes Tor wäre natürlich hilfreich", hatte der Offensivmann am Mittwoch gesagt. Kruse versuchte es später nochmal aus der Distanz, verfehlte aber erneut das Tor (25.).

Auf der Gegenseite verhinderte in der 17. Minute der zweite Ex-Basler im Gladbacher Team, Yann Sommer, das 1:0 für den FCZ, als er gleich zweimal stark gegen den früheren Berliner Amine Chermiti reagierte.

Nordtveit kontert Züricher Führung prompt

Kellermann: "Gladbach war über die gesamte Spielzeit überlegen"

Sechs Minuten später zielte Franck Etoundi dann präziser. Julian Korb und Hahn wurden von Marco Schönbächler abgehängt, dessen Hereingabe Etoundi über die Linie schob. Doch Borussia antwortete postwendend — und wie: Havard Nordtveit schoss den Ball aus 25 Metern in den Winkel des Züricher Tores, ein Treffer der Marke "Tor des Monats". Für den Norweger war es das erste Saisontor. Nordtveits Tor war erneut ein Beleg dafür, dass die Gladbacher einen Kader haben, der auch den Ausfall wichtiger Spieler verkraften kann.

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Nordtveit hatte in den Wochen zuvor draußen gesessen, weil Favre der Doppelsechs mit Xhaka und Kramer vertraute. Nun meldete er sich mit dieser fulminanten Tat zurück und hat damit im Kampf um die Plätze im defensiven Mittelfeld eine deutliche Bewerbung abgegeben. Denn Favre hat von seinen "Sechsern" mehr Torgefahr eingefordert. Dass die Fans beider Teams nach den Toren und schon zuvor Feuerwerkskörper zündeten war ein unschöner Randaspekt des Spiels. Auf dem Rasen war Borussia das überlegene Team im Duell des Zweiten der Schweizer Liga mit dem Zweiten aus der deutschen Bundesliga. Doch nach dem 1:1 fehlte der zwingende Zug zum Tor.

Kurz nach der Pause gab es eine schöne Geste der Züricher Fans. "Als wäre es gestern gewesen! Merci, Lucien", hatten sie ein auf Plakat geschrieben, das sie "ihrem" Meistertrainer widmeten. Favre dürfte dafür kein Auge gehabt haben, er war wie gewohnt auf das Geschehen auf dem Rasen fokussiert. Fast ständig war er an der alten Wirkungsstätte in der Coaching-Zone unterwegs. Seine Mannschaft war bemüht, Druck auf des Gegners Tor zu erzeugen.

In der 50. Minute tankte sich Hahn, der auf rechts viele gute Szenen hatte, im Strafraum durch, wurde aber in letzter Konsequenz abgeblockt. Hahns Pedant auf links, Hazard, zeigte, dass er ein feiner Kicker ist — und richtig schnell. Er war viel unterwegs und beschäftigte die Abwehr des Gegners ein ums andere Mal. Auch Xhaka, der in den Derbys mit Basel nie gegen den FC Zürich verloren hatte, war sichtlich bemüht, offensive Akzente zu setzen. Borussias Druck wurde immer größer, Zürich, das zuweilen durchaus nett kombinierte, kam kaum noch zu Entlastungsangriffen.

Die letzte Konsequenz fehlt

Doch die letzten Aktionen der Borussen waren nicht konsequent genug, Gladbach spielte im letzten Drittel oft zu kompliziert. Wie in der 61. Minute, als Xhaka frei vor Zürichs Torwart David da Costa auftauchte, diesen jedoch anschoss. Kurz verpasste Hahn eine Hereingabe von Hazard (63.). die mehr als 8000 Gladbach-Fans taten alles, um ihr Team zum Sieg zu brüllen. "Schießt ein Tor für uns", forderten sie. In der 67. Minute brachte Lucien Favre eine frische Offensivkraft, Ibrahima Traoré sollte helfen, den Dreier doch noch zu realisieren. Sechs Minuten später kam Patrick Herrmann für Hahn. Kurz vor Schluss hatte Martin Stranzl den Siegtreffer auf dem Kopf, scheiterte aber aus kurzer Distanz am Züricher Keeper.

Derweil kassierten die Gladbacher Fans einen Rüffel des Stadionsprechers, weil sie erneut Pyrotechnik zündeten. Es gab viel Rauch um Nichts, denn es blieb beim 1:1. Aufgrund des Spielverlaufs war das zu wenig für die Borussen, die allerdings auch im elften Pflichtspiel der Saison ohne Niederlage blieben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zürich - Gladbach: Einzelkritik