Borussia Mönchengladbach: Yann Sommer hielt zwölfmal die Null fest

Schon zwölf Spiele ohne Gegentor : Torwart Sommer hält Borussia im Rennen um die Königsklasse

Borussias Torwart Yann Sommer sicherte mit einer starken Parade den 1:0-Sieg in Hannover. Es war das zwölfte „Zu-Null“ des Schweizers in dieser Saison. „Das muss die Basis sein“, sagte er mit Blick auf den Schlussspurt.

Es war die eine Situation, die Borussia richtig hätte wehtun können. Der eine Schuss, der alles, was am Wochenende passiert ist, in ein anderes, mithin düsteres Licht hätte hüllen können. Es hätte Hannovers 1:1 bedeutet, wenn Hendrik Weydandt getroffen hätte, für Borussia wäre es womöglich trotz zuvor vieler großer Chancen ein verschenkter Sieg geworden. Die Konkurrenz von unten wäre herangerückt und die Champions-League-Chance, die sich nun durch Frankfurts 1:3 gegen Augsburg wieder auftut, verpasst worden.

Doch die Borussen haben Yann Sommer. Er tat, was einen großen Torwart auszeichnet: In der einen Szene, in der es darauf ankam, war er da und wehrte Weydandts Schuss aus elf Metern zur Seite ab. Damit hielt der Schlussmann den Sieg fest. Sommer hat das schon oft getan in dieser Saison, und hätte nicht Torschütze Raffael den Zuschlag als Spieler des Tages bekommen, wäre Sommer der logische Kandidat gewesen. Neunmal war er das schon in dieser Spielzeit, viermal davon in der Rückrunde, dreimal war er Spieler des Monats.

Sommer hat sich das Wohlwollen der Fans verdient, schließlich hielt er in Hannover zum zwölften Mal in dieser Saison sein Tor sauber. Damit hat er großen Anteil daran, dass die Borussen fünf Spieltage vor Saisonende in der Pole-Position im Rennen um die Europa League und in Schlagdistanz zur Meisterliga sind. „Es ist alles möglich“, sagte Abwehrmann Matthias Ginter.

Für Sommer war es in der Rückrunde der fünfte sogenannte Shut Out im elften Spiel. Und immer, wenn in der zweiten Halbserie die Null hinten stand, gab es einen Gladbacher Sieg: 1:0 in Leverkusen, 2:0 gegen Augsburg, 2:0 auf Schalke, 1:0 in Mainz und nun 1:0 in Hannover. Kurios: Auswärts gelingt es den Borussen im zweiten Saisonteil besser als daheim, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive hinzukriegen. Im Borussia-Park gab es nur gegen Augsburg kein Gegentor.

Möglich, dass das auch Kopfsache ist. Im eigenen Stadion wollen die Borussen vielleicht zu viel, sind alle auf das Toremachen geeicht – und daher offener als in der Fremde, wo insgesamt umsichtiger agiert wird. Weswegen es vielleicht auch in Düsseldorf das blamable 1:3 gab. Alle wollten da die Sache schnell regeln, das artete in Aktionismus aus, was wiederum der Fortuna Räume zum Kontern bot, die sie für drei Tore in den ersten 16 Minuten nutzte.

Was auswärts oft klappte, wollen die Borussen im Schlussspurt auch daheim etablieren: „Zu Null zu spielen muss die Basis sein“, stellte Sommer klar. Raffaels Tor in Hannover belegte die These, dass nach vorn immer was geht bei Gladbach, wenn auch in dem Fall glücklich. Doch ohne die defensive Null wäre der Treffer weit weniger wert gewesen. Dazu trug auch Nico Elvedi bei, der vor der Pause stark rettete beim Schuss von Linton Maina.

Was das Thema Defensivarbeit angeht, ist in der Bundesliga Borussias nächster Gegner der Primus: RB Leipzig. Natürlich ist das schnelle und aggressive Pressing vorn ein wesentlicher Erfolgs-Baustein bei den Sachsen. Doch auch in der Defensive bekommen sie meist den Zugriff auf die Gegner durch gewieftes Defensivpressing. Ergebnis: Peter Gulacsi, Leipzigs Torwart, hat noch dreimal mehr als Sommer die Null in der Bilanz stehen. Damit führt der Ungar, der fünf der letzten sechs Spiele ohne Gegentor überstand, die Bilanzliste der Torhüter im deutschen Oberhaus an vor Sommer. So ist das Topspiel am Samstag auch ein Vergleich zwei der besten Torhüter dieser Saison. Wie Sommer, der extrem ins Aufbauspiel einbezogen ist wegen seiner hervorragenden fußballerischen Fähigkeiten, passt Gulacsi perfekt zum Leipziger Spiel. Indes mehr als eine Art Libero, der aushilft, wenn die weit vorgeschobene Abwehrkette doch überspielt wird.

Bis zum 20. Spieltag waren Borussia und Leipzig gleichauf in der Gegentorstatistik mit je 18 kassierten Treffern. Seither gab es 16 Gegentore für Gladbach und nur vier für Leipzig. Das ist ein Grund, warum RB an Borussia vorbeigezogen ist. Im Schlussspurt soll das Leipziger Motto auch wieder in Gladbach gelten: die Null halten für Europa.

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