Borussia Mönchengladbach: Es gibt viele Hürden auf dem Weg nach Europa

Kapitän verletzt, Trainer bald weg, tückisches Restprogramm : Borussia muss auf dem Weg nach Europa viele Hürden nehmen

Die Situation um Trainer Dieter Hecking, ein tückisches Restprogramm und nun die erneute Verletzung von Kapitän Lars Stindl: Borussias Weg nach Europa wird trotz des Sieges in Hannover kein leichter sein.

Es war einer der Momente, in denen der Fußball ganz menschlich wird. 31 Sekunden nach dem Anpfiff des Bundesligaspiels von Borussia Mönchengladbach bei Hannover 96 lag Gladbachs Kapitän Lars Stindl auf dem Rasen und hatte Tränen in den Augen. Er wusste: Es ist etwas passiert bei dem Zusammenprall mit Hannovers Matthias Ostrzolek. Auch die Kollegen beider Teams, die um Stindl herumstanden, waren konsterniert. Diagnose: sein Schienbein ist gebrochen.

Die Geschichte ist tragisch. Schon wegen ihrer Vorgeschichte. Vor einem Jahr hatte sich Stindl fast zur gleichen Zeit schwer verletzt, damals war es der 28. April. Auf Schalke zog er sich einen Syndesmosebandanriss zu, erst 162 Tage später feierte er sein Comeback. Seine eventuelle WM-Chance war dahin, ganz nebenbei. Und ohne Stindl ließ Borussia die minimale Europa-Chance, die noch bestand, liegen. Nun wird er wieder monatelang ausfallen, der 30-Jährige wird wohl wieder die komplette Vorbereitung auf die neue Saison verpassen und erst in der Hinrunde zurückkehren. Der Unterschied: Im Sommer kommt in Marco Rose ein neuer Trainer. Und Stindl ist erstmal außen vor.

Aktuell fehlt er seinem Team in der Schlussphase der Saison. „Das trifft uns hart“, gesteht Dieter Hecking. Stindl war der erste, den Hecking anrief, als er im Dezember 2016 Trainer wurde, er war stets ein verlängerter Arm im Team. Nun endet die Zusammenarbeit vorzeitig: Stindl wird in der Ära Hecking kein Spiel mehr machen. Sportlich hatte sich Hecking zuletzt beim 1:1 gegen Werder Bremen gegen Stindl entschieden, gleichwohl aber seinen Wert für das Team als Spieler und Mensch nochmal herausgestellt.

Ein Team, dem der Kapitän abhanden kommt, ein Team, dessen Trainer nach der Saison gehen muss, zudem ein Restprogramm mit Heimspielen gegen die Topteams RB Leipzig, 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund sowie Reisen zu den Abstiegskämpfern aus Stuttgart und Nürnberg, eines also mit einigen Tücken. Klar ist: Borussia muss auf dem Weg nach Europa einige Klippen umschiffen.

Das Europa-Rennen wird eines sein, in dem Emotionen ein Motor sein können. Es kommen weiche Faktoren hinzu: Für und mit Hecking soll das Ziel Europa erreicht werden. Und nun auch für den verletzten Kapitän. In Situationen wie diesen ist oft von einem Kabinenschwur die Rede. Anlass genug für derlei Dinge haben die Borussen.

In Hannover haben sie indes gezeigt, wie es gehen kann. Nach dem „Schockmoment“, als den Tobias Strobl, im neuen 3-4-1-2-System ein Teil der defensiven Dreierkette, Stindls Verletzung bezeichnete, gab es den 1:0-Sieg durch das Tor von Raffael, der den unglücklichen Kapitän ersetzte. Spieler wie der Torschütze Raffael oder Yann Sommer, der in Hannover die Kapitänsbinde übernahm und mit einer starken Paraden den Sieg sicherte, Matthias Ginter und andere aus der Riege der Erfahrenen müssen das Fehlen Stindls auffangen.

„Gemeinsam für Borussia“, gab Patrick Herrmann, der in Hannover einer der aktivsten Gladbacher war und womöglich bald seinen Vertrag verlängern wird, via Instagram und Facebook die Programmatik für die letzten fünf Spiele vor. Herrmann garnierte seine Posts mit Genesungswünschen in Richtung Stindl. Es scheint, als sei das Team nochmal zusammengerückt angesichts der Gesamtsituation. „Jetzt erst recht“, das könnte das Motto sein. In der vergangenen Saison klappte es nicht. Nun, da Stindls erneute Verletzung wie eine gruselige Wiederholung der Geschichte wirkt, können die Gladbacher zeigen, dass sie einen Schritt weiter sind. „Wir werden alles dafür tun, unser Ziel zu erreichen“, stellte Sommer klar.

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