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Henriette Reker bei Preisverleihung: Vielfalt gehört zur DNA von Köln

EU-Preis für Henriette Reker : „Vielfalt gehört zur DNA von Köln“

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz fiel 2019 einem Messerattentat zum Opfer. Kölns OB Henriette Reker rang 2015 nach einem Messerattentat mit dem Tod. Nun ehrte der Ausschuss der Regionen Europas Rekers Engagement mit dem erstmals verliehenen Pawel-Adamowicz-Preis und machte die Gefährdung von Kommunalpolitikern zum EU-Thema.

Bürgermeister seien die „Matrix für die Demokratie“, unterstrich Magdalena Adamowicz, polnische Europaabgeordnete und Witwe des ermordeten Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz am Donnerstag in Brüssel, als ein nach ihrem verstorbenen Mann benannter Preis erstmals verliehen wurde: an Henriette Reker, der Oberbürgermeisterin von Köln. Und zwar „für ihre enorme Arbeit zur Stärkung von Toleranz, Inklusivität, Integration und Nicht-Diskriminierung von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund in ihrer Stadt“, wie Jury-Vorsitzender und NRW-Europa-Staatssekretär Mark Speich zur Begründung sagte. Noch kürzer drückte es die Preisträgerin selbst aus: „Die Vielfalt gehört zur DNA von Köln.“

Die Todesnachricht Adamowiczs habe sie Anfang 2019 schwer erschüttert. Sie sei sehr betroffen davon gewesen, dass ihr Amtskollege nach dem Messerangriff keine Chance gehabt habe, um ihr Leben zu kämpfen, berichtete Reker. Sie selbst war vier Jahre zuvor wegen ihrer Flüchtlingspolitik einem Messeranschlag zum Opfer gefallen, hatte sich nach längerer Zeit auf der Intensivstation aber ins Leben und in die Politik zurück kämpfen können.

Magdalena Adamowicz schilderte bei der virtuellen Preisverleihung, dass es für sie gerade eine schwere Zeit sei, da sich der Mordtag zum dritten Mal jähre und der Prozess gegen den Attentäter begonnen habe. Die Politik habe geglaubt, dass es in der Gesellschaft keinen Hass und keine Diskriminierung gebe, dass Demokratie gar nicht erst erklärt werden müsse. Das sei naiv gewesen und werde nun ausgenutzt von den Gegnern der Demokratie.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, die für Werte und Transparenz zuständige Kommissarin Vera Jourova, gratulierte Reker als erster Preisträgerin und nannte ihr Engagement eine „Inspiration für unsere Arbeit“. Verschiedene Städtevertreter im Ausschuss der Regionen des Europaparlamentes beklagten den zunehmenden Druck auf örtliche Politiker. Der sozialistische Bürgermeister von Coulaines, Christophe Rouillon, hat sich in der Vereinigung französischer Bürgermeister dem Kampf gegen Radikalisierung verschrieben. Im Ausschuss der Regionen verlangte er „klare Regeln auf europäischer Ebene zur Bekämpfung von Hass und Desinformation“. Noch immer gebe es keine europäische Rechtsgrundlage zur Verfolgung von Hassreden.

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Es sei für Reker „keine einfache Sache gewesen“, als erste weibliche Oberbürgermeisterin die Toleranz in ihrer Stadt zu stärken, sagte Staatssekretär Speich. Köln sei eine „wirkliche europäische Stadt“ mit Bürgern aus 140 Nationen. Auch nach dem fast tödlichen Angriff habe sich Reker für Solidarität und Integration engagiert - „als wichtiges Element der Identität von Köln“. Das zeuge von ihrem „festen Charakter“ und ihrer „großen Entscheidungskraft“.

Reker selbst begann ihre Dankesworte mit der Würdigung des Mutes von Pawel Adamowicz. Er sei für Werte eingestanden, habe sich mit Minoritäten solidarisiert, sei Ausgrenzung und Hass entgegengetreten und habe den Dialog mit denen gesucht, die sich verschlossen hätten, statt sich der Vielfalt zu öffnen. Es sei bedauerlich, in einer Welt zu leben, in der das Einstehen für den Zusammenhalt zu „tödlichen Konsequenzen führen“ könne. Das koste viel Kraft. „Die Hoffnung und der Mut sollen uns genommen werden“, erklärte Reker. „Unsere Antwort auf solche mittelalterliche Gewaltsymbolik, auf das öffentliche Hinrichten eines prominenten und engagierten Verfechters der Vielfalt kann doch nur heißen: Wir werden nicht hassen, wir werden nicht hetzen, wir lassen uns nicht einschüchtern.“ Dies sei nur Anlass zu noch ambitionierterem Einsatz. Zur Bewahrung des Friedens in Europa trügen die Kommunen eine Schlüsselrolle. Deshalb nehme sie den Preis entgegen „stellvertretend für alle Kölnerinnen und Kölner, die sich in unserer Stadt für Vielfalt, Weltoffenheit und Zusammenarbeit engagieren“.