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Syrien: Türkei und Russland einigen sich auf Waffenruhe in Idlib

Gespräch zwischen Erdogan und Putin : Türkei und Russland einigen sich auf Waffenruhe im syrischen Idlib

Hunderttausende Menschen sind wegen der Kämpfe in der Region Idlib im Nordwesten Syriens auf der Flucht. Die Türkei und Russland unterstützen dort unterschiedliche Seiten. Erdogan und Putin einigen sich nun auf eine weitere Waffenruhe für das Gebiet.

Im Syrien-Konflikt haben sich Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan auf eine Waffenruhe für die umkämpfte Provinz Idlib geeinigt, in der fast eine Million Menschen auf der Flucht sind. Die Waffenruhe solle ab Mitternacht gelten, gaben die beiden Politiker am Donnerstag nach einem Krisentreffen in Moskau bekannt. Außerdem soll es einen Sicherheitskorridor entlang einer strategisch wichtigen Autobahn geben.

Russland und die Türkei unterstützen in dem Konflikt die gegnerischen Parteien: Moskau steht an der Seite der syrischen Regierungstruppen, deren Gegner wiederum werden von der Türkei unterstützt. Eine Einigung von Putin und Erdogan galt im Vorfeld als Voraussetzung dafür, die Lage in der Region zu entschärfen.

Ziel der nun erreichten Einigung sei es, "zu vermeiden, dass die ohnehin vorhandene humanitäre Krise noch schlimmer wird", sagte Erdogan bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. Dieser zeigte sich optimistisch, dass die in sechsstündigen Verhandlungen erzielten Absprachen "als eine gute Grundlage für ein Ende der Kämpfe dienen" und "das Leiden der Zivilbevölkerung beenden".

Wie aus dem von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Text des Abkommens hervorgeht, soll der geplante Sicherheitskorridor entlang der Autobahn insgesamt zwölf Kilometer breit sein. Um diesen zu schützen, soll es dort ab 15. März gemeinsame Patrouillen russischer und türkischer Soldaten geben.

In Idlib gehen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad mit russischer Unterstützung seit Dezember massiv gegen die letzten Hochburgen islamistischer Milizen vor. Knapp eine Million Menschen sind seitdem nach UN-Angaben auf der Flucht.

Die Türkei startete ihrerseits vor einigen Tagen eine große Militäroffensive gegen die Regierungstruppen in der Region, nachdem bei einem syrischen Luftangriff auf türkische Beobachterposten 34 Soldaten getötet worden waren. Die Eskalation in Nordsyrien belastete auch zunehmend die bilateralen Beziehungen zwischen Moskau und Ankara.

Zum Auftakt des Treffens in Moskau sprach Putin Erdogan sein Mitgefühl für den Tod der türkischen Soldaten aus. Er betonte aber, dass "auch die syrische Armee schwere Verluste erlitten" habe. Erdogan warnte auch nach der Einigung auf die Waffenruhe, sein Land behalte sich vor, bei einem erneuten syrischen Angriff "mit aller Macht zurückzuschlagen".

Auch am Donnerstag war in Idlib heftig gekämpft worden. Dabei wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara erneut zwei türkische Soldaten bei Angriffen der Regierungstruppen getötet. Nach Angaben von Aktivisten kamen zudem in der Nacht zum Donnerstag mindestens 15 Zivilisten bei russischen Luftangriffen ums Leben.

(c-st/afp)