Ostukraine: 27 Tote bei neuen Gefechten

Ostukraine : Mindestens 27 Menschen sterben bei Gefechten

Vor dem geplanten Inkrafttreten einer Waffenruhe haben in der Ostukraine am Freitag weiter heftige Kämpfe getobt. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben der Armee und der Separatisten mindestens 27 Zivilisten und Soldaten getötet.

Am heftigsten waren die Gefechte rund um den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Debalzewe. Die Regierung in Kiew warf den Separatisten vor, kurz vor dem Inkrafttreten der Waffenruhe noch Geländegewinne machen zu wollen.

Die prorussischen Rebellen wollten noch vor der Waffenruhe über Debalzewe sowie über der Hafenstadt Mariupol "ihre Flagge hissen", sagte der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister Petro Meched. "Die Ukraine erwartet eine Eskalation und ergreift alle notwendigen Schritte, um darauf reagieren zu können", betonte er. Die Bundesregierung äußerte sich beunruhigt über die anhaltenden Kämpfe.

Die Kiewer Regierung und die prorussischen Rebellen hatten sich am Donnerstag nach einem Verhandlungsmarathon auf ein "Maßnahmenpaket" zur Umsetzung der Minsker Verträge von Anfang September verständigt. Die Waffenruhe tritt am Sonntag 0 Uhr (Samstag 23 Uhr MEZ) in Kraft. Zudem wurden der Abzug schwerer Waffen und die Einrichtung einer Pufferzone vereinbart.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von dem Abkommen als "erstem Schritt". Die Einhaltung der Waffenruhe müsse jedoch "vor Ort" überprüft werden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warnte bei einem Truppenbesuch am Freitag vor allzu viel Optimismus. "Ich will nicht, dass sich irgendjemand Illusionen macht oder mich für naiv hält - es ist immer noch ein furchtbar langer Weg zum Frieden", sagte er. Niemand könne sicher sein, dass die in Minsk unterzeichneten Vereinbarungen tatsächlich eingehalten würden.

Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich besorgt über die anhaltende Gewalt in der Ostukraine. "Für die Bundesregierung ist es nie normal, wenn gekämpft und getötet wird", sagte er in Berlin. "Gewalt ist nie vertrauensbildend. Artilleriebeschuss von friedlichen Ortschaften ist nie vertrauensbildend."

Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), warnte vor einem Scheitern des Friedensabkommens. Es bestehe die Gefahr, "dass in den Stunden bis zum Beginn des Waffenstillstands noch versucht wird, dem anderen Verluste beizubringen" und dass der Waffenruhe letztlich aus Verbitterung über diese Verluste nicht umgesetzt werde, sagte Erler im Radiosender Bayern 2.

Dennoch bewertete er die Vereinbarung von Minsk positiv. Im Gegensatz zum gescheiterten Abkommen vom September seien nun "deutlich konkretere Verabredungen getroffen worden", sagte Erler. Zudem stehe hinter dem 13-Punkte-Programm die "Autorität der drei Präsidenten und der Bundeskanzlerin".

Seit Beginn der Kämpfe im Osten der Ukraine wurden fast 5500 Menschen getötet und 13.000 weitere verletzt.

(AFP)
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