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Klimaschutz leben: Elf Tipps für den Alltag

Solarzellen, Reste essen und Co. : Elf Tipps für einen klimafreundlichen Alltag

Jeder spricht über Klimaschutz, doch was können wir selbst im Alltag dazu beitragen? Wer darauf achtet, was auf den Teller kommt, elektronische Geräte reparieren lässt und beim Strom auf Solarzellen setzt, kann die Welt ein kleines Stück besser machen.

Die Klimakrise ist eine der größten Bedrohungen unserer heutigen Welt. Politik und Unternehmen stehen in der Verantwortung, sie aufzuhalten. Doch auch Privatpersonen haben die Möglichkeit, ihren Teil dazu beizutragen. Wer etwa elektronische Geräte reparieren lässt, anstatt sie wegzuwerfen, und beim Strom auf Solarzellen setzt, kann schon viel bewegen. Wir sagen, wie – und geben elf Tipps für ein klimafreundliches Alltagsleben.

1. Stecker-Solar am Balkon Bei einer Mietwohnung mit Balkon auf der Südseite bietet sich eine Stecker-Solaranlage an. Die Module kann man für ein paar hundert Euro kaufen, an die Fassade hängen und so seinen Computer oder Kühlschrank mit Strom versorgen. Sobald die Sonne scheint, fließt der Strom. Der Aufwand ist gering und sparen könne man damit immerhin rund fünf Prozent der Stromrechnung, sagt ein Referent für Photovoltaik von der Verbraucherzentrale NRW. Allerdings müssen Mieter vorher mit dem Hausbesitzer sprechen, weil die Fassade nicht zum Mietbereich gehört und ihrem Netzbetreiber Bescheid geben.

2. Pflanzliche Produkte essen Es ist einfach umzusetzen und hat gleich mehrere Vorteile: Wer weniger tierische Produkte isst, der tut etwas fürs Klima und für seine Gesundheit. Pflanzliche Lebensmittel zu produzieren, verbraucht deutlich weniger Ressourcen und verursacht nur ein Zehntel der klimaschädlichen Abgase, die tierische Produkte wie Fleisch, Milchprodukte und Butter hervorrufen. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse weisen eine geringere Energiedichte auf und enthalten viele Vitamine, Mineralien, ungesättigte Fettsäuren und Ballaststoffe. Menschen, deren Ernährung auf diesen unverarbeiteten Lebensmitteln basiert, zeigen ein geringeres Risiko für verschiedene Krankheiten wie bestimmte Krebsarbeiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

3. Bio-Lebensmittel bevorzugen Mineralische Stickstoffdünger und chemisch-synthetische Pestizide brauchen viel Energie und sind mit einem hohen Ausstoß von klimaschädlichen Gasen verbunden. Ökobauern verzichten auf beides. Deshalb sind Bio-Obst und -Gemüse die klimafreundlicheren Varianten im Vergleich zu konventionell angebauten Produkten. Und auch die Tatsache, dass Öko-Betriebe häufiger weniger Tiere halten, verringert negative Klimaeffekte. Hinzu kommt, dass die Landwirte das Futter selbst herstellen oder regional einkaufen.

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4. Saisonale und regionale Freilandprodukte wählen Frische Produkte vom heimischen Acker verursachen in den meisten Fällen weniger klimaschädliche Gase als Lebensmittel, die aus beheizten Gewächshäusern stammen und einen langen Weg hinter sich haben. Allerdings kommt es auch auf Aufzucht und Lagerung an. Gemüse, das im Gewächshaus angebaut wurde, verursacht zum Beispiel bis zu 30-mal mehr CO2-schädliche Klimagase als Freilandgemüse. Besonders schädlich fürs Klima sind Lebensmittel, die per Luftfracht transportiert wurden. Doch auch wer immer auf saisonale und regionale Produkte setzt, sollte wissen: Der Begriff „regional“ ist nicht geschützt. Es kann auch bedeuten, dass Produkte im Rheinland produziert wurden, aber in ganz Deutschland ausgeliefert werden, warnt eine Referentin der Verbraucherzentrale. Verbrauchende sollten die Etiketten sehr genau studieren und Bezeichnungen wie „aus der Region“ kritisch betrachten.

5. Reste essen Zehn Prozent der Treibhausgasemissionen werden durch Lebensmittelverschwendung verursacht. Deshalb sollte sich jeder bewusst machen: Auch eine schrumpelige Tomate hat einen „Lebenslauf“. Sie wurde gepflanzt, vor Schädlingen geschützt, gegossen, geerntet, verpackt sowie zum Händler und anschließend nach Hause transportiert. All diese Schritte verursachen Treibhausgase und verbrauchen Ressourcen. Wird die Tomate also weggeworfen, wurde sie vergeblich produziert. Zwar ist es zweifelsohne am wichtigsten, dass im Handel und in der Landwirtschaft ein Umdenken stattfindet, damit weniger Lebensmittel verschwendet werden. Doch auch private Haushalte können ihren Teil dazu beitragen, indem sie die Tomate noch verwerten. Die Verbraucherzentrale NRW bietet auf ihrer Internetseite sogar Rezepte für die Reste-Küche an.

6. Klimafreundliche Küchengeräte Wenn wir unsere Lebensmittel im Kühlschrank lagern, sie in der Pfanne zubereiten oder nach dem Essen die Teller spülen – immer verbrauchen wir viel Energie dabei. Ganze 45 Prozent des gesamten Stromverbrauches gehen für diese Haushaltstätigkeiten drauf. Kühl- und Gefrierschrank sind dabei die Top-Verbraucher. Wer auf energieeffiziente Modelle setzt, schont also nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel. Mit dem EU-Label auf Haushaltsgeräten ist es einfach, die niedrigste Energieverbrauchsklasse auszumachen. Bei Kühl- und Gefriergeräten sind die mit der Auszeichnung A+ und A++ besonders sparsam. Im Vergleich zu einem Altgerät können sie bis zu 75 Prozent weniger Strom verbrauchen. Wem das Geld für neue Geräte fehlt, kann darauf achten, dass er mit passenden Topfdeckeln kocht und dass die Herdplatte nicht zu groß ist. Ansonsten ist der Stromverbrauch beim Kochen drei Mal höher.

7. Elektrogeräte reparieren lassen oder ausleihen Wer ein neues elektronisches Gerät kauft, sollte darauf achten, dass es nicht an den entscheidenden Stellen verschweißt ist. Das bedeutet nämlich, dass man es nur schwerlich reparieren kann, ohne es zu zerstören. Kann man es aufschrauben, stehen die Chancen hingegen gut. Die Verbraucherzentrale NRW rät generell dazu, Elektrogeräte aus zweiter Hand zu kaufen und möglichst lange zu nutzen. Sobald sie den Geist aufgeben, könne man ein Repaircafé aufsuchen. Und Geräte wie Bohrmaschinen, die nur selten genutzt werden, lassen sich gut bei Nachbarn oder Freunden ausleihen.

8. Leitungswasser trinken Der einfachste Tipp, um Verpackungsmaterial zu sparen: Leitungswasser trinken. Statt Wasserkästen hin und her zu schleppen, kann man in Deutschland auch das gute alte Kranwasser konsumieren. Das kostet nichts und ist in der Regel von sehr guter Qualität. Falls es mal nicht ohne Flasche geht, sollte es bestenfalls Mehrweg-Produkte sein.

9. Kleidertauschpartys und Second-Hand Wer Kleidung abgeben möchte, sollte sie besser direkt weitergeben als sie in die Altkleidersammlung zu bringen. „Wir können nicht zu hundert Prozent nachvollziehen, wohin sie von dort aus geht“, sagt eine Referentin für nachhaltigen Konsum der Verbraucherzentrale. Sie empfiehlt, möglichst wenig Kleidung zu kaufen und bestenfalls Second-Hand, sie lange zu tragen und bei Fehlkäufen Kleidertauschpartys zu organisieren. Das bringe Freude und sei aus Klima-Sicht sehr sinnvoll. Schließlich habe jeder Kleidung im Schrank hängen, die er mal unbedingt haben wollte, dann aber nie wieder angezogen hat. Und haben Kleidungsstücke mal Löcher, kann man sie gut in die Schneiderei oder in ein Repair-Café geben.

10. Online-Bestellungen vermeiden Die Corona-Pandemie hatte einige Vorteile fürs Klima, zum Beispiel haben Arbeitnehmende im Homeoffice weniger ausgedruckt und so Papier gespart. Doch mit der schrittweisen Rückkehr in die Präsenz dürfte sich das wieder ändern. Um zumindest in der Freizeit Papier zu sparen, hilft es schon, möglichst vor Ort einzukaufen und nur selten Online-Bestellungen aufzugeben. Besonders bei Retouren werden Ressourcen wie Verpackungsmaterial unnötig verschwendet.

11. Elektronische Geräte ausstecken Das empfiehlt sich für alles, was gerade nicht gebraucht wird und unnötig Strom verbraucht – wenn es auch nur geringe Mengen sind. Ein Experte der Verbraucherzentrale empfiehlt, mit einem Strommessgerät genauere Zahlen zu ermitteln. Da können eingesteckte Handy- oder Laptop-Ladekabel etwas ausmachen, Wasserkocher oder Küchenradios. Aber Vorsicht: Fernsehgeräte oder Wlan-Router, die regelmäßig Updates laden oder innerhalb derer bestimmte Einstellungen festgelegt sind, sollten lieber am Strom bleiben.