Sing meinen Song: Yvonne Catterfeld wird viel zugemutet

Sing meinen Song — Das Tauschkonzert : Catterfeld im Würgegriff von Hartmut Engler

Erste Ausgabe der zweiten Staffel vom Tauschkonzert. Das Format erweist sich als echte Bereicherung. Vor allem, weil es allen viel zumutet. Insbesondere Yvonne Catterfeld. Die musste nicht nur ihre eigenen Lieder ertragen, sondern auch noch Hartmut Engler und die Prinzen.

Erste Ausgabe der zweiten Staffel vom Tauschkonzert. Das Format erweist sich als echte Bereicherung. Vor allem, weil es allen viel zumutet. Insbesondere Yvonne Catterfeld. Die musste nicht nur ihre eigenen Lieder ertragen, sondern auch noch Hartmut Engler und die Prinzen.

Nach dem beachtlichen Erfolg der ersten Staffel startete am Dienstagabend der Sender Vox zusammen mit Xavier Naidoo eine zweite Reihe des Formats "Sing meinen Song — Das Tauschkonzert". Das Konzept: Stars kuscheln sich in einer Villa in Südafrika zusammen und covern Lieder der anderen Stars. Das aber in einer eigenen Fassung. Text und Melodie dürfen nicht entfremdet werden, sonst ist alles erlaubt. "Eine unfassbar sensationelle Sendung", schwärmte am Dienstag dann auch Yvonne Catterfeld.

Das Konzept funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Bekannte Lieder in bisweilen völlig neuem musikalischen Gewand klingen dadurch oftmals erfrischend neu und machen Lust aufs Zuhören. Hinzu kommt die eher private Atmosphäre. Da sitzen Musiker zusammen und abwechselnd steigt einer auf die Bühne, um den anderen seine Ideen vorzustellen. Nichts zu spüren von Starkult, Heldenverklärung, dem Aborgeln alter Hits.

Yvonne Catterfeld ist einer der Gäste von Xavier Naidoo. Neben ihr haben sich Andreas Bourani, "Pur"-Sänger Hartmut Engler, Christina Stürmer, Punkrocker Daniel Wirtz sowie Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel von "Die Prinzen" auf das Experiment eingelassen. In jeder wöchentlich ausgestrahlten Ausgabe kommen die Titel eines Musikers in den Fleischwolf der anderen.

Den Anfang macht am Dienstag Catterfeld, die Anfang der Nuller-Jahre zu den Superstars in Deutschland zählte. Dieter Bohlen schrieb ihr damals Hits wie "Für dich" oder "Du hast mein Herz gebrochen" auf den Leib. Weil ihr der Star-Rummel zu groß wurde zog Catterfeld sich zurück, arbeitete mehr als Schauspielerin, wurde Mutter.

Beim Tauschkonzert feierte sie nun ein kleines Comeback. Zu ihren alten Titeln aber hat sie mit den Jahren jede Menge Distanz, ja sogar "Hass" aufgebaut, erzählt sie. Ihren größten Hit "Für dich" kann sie nicht mehr hören. "Das hat mit mir nichts mehr zu tun", so Catterfeld.

Man fragt sich dann eigentlich, warum sie sich so etwas wie das Tauschkonzert überhaupt antut. Hier muss sie ihre alten Nummern alle wieder hören. Besonders schön zu spüren ist dieser Widerspruch etwa bei den Prinzen. "'Erinner mich dich zu vergessen', hab ich irgendwann gehasst", sagt sie. Und jetzt covern die beiden Prinzen das Stück. "Fanden wir gleich toll." Die Nummer ragt in ihren Augen aus Catterfelds Werk hinaus. Auf Naidoos Bühne machen sie aus Catterfelds triefender Ballade eine nette, aber auch ziemliche langweile Pop-Nummer mit Publikumsanimation und Schagzeugsolo. Freundliches Mitnicken auf der Couch.

Ähnlich der Fall Hartmut Engler. Es klingt ein bisschen herablassend, wenn der heiß geliebte und ebenso heiß gehasste Sänger von Pur begründet, warum er sich den Titel "Blau in Blau" zum Covern ausgesucht hat. Der nämlich habe im Gegensatz zu den anderen Sachen Chanson-Charakter. "Das ist kunstvoll, ich höre solche Songs von ihr lieber", sagt Engler. Und dennoch habe er sich erlaubt, ein paar Änderungen vorzunehmen. Wer sich schon bei Pur geschämt hat, tut es dann auch am Dienstagabend bei Vox. Engler singt "Ich fliege hinterher" und imitiert mit ausgebreiteten Armen Fluggeräusche. Schhhhh. Alle lachen.

Auch Catterfeld. Weil sie weiß, dass sie sich auf ein Format eingelassen hat, in dem sie sich anderen und deren Musikverständnis ausliefert. Zumutungen haben im Tauschkonzert eben System. Wem seine Musik heilig ist, der sollte Naidoos Südafrika-Terrasse besser meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Die zum Teil krassen Gegensätze machen aber eben auch den Spaß aus, den so ein Tauschkonzert bereiten kann. Bestes Beispiel dafür war am Dienstag der Auftritt von Punkrocker Daniel Wirtz, der mit Catterfelds Musik normalerweise überhaupt nichts anfangen kann. "Weiter kann man nicht von mir weg sein", sagt der Musiker. Aber einmal zum Spielen gezwungen brettert er "Du hast mein Herz gebrochen" mit so viel Unverschämtheit in die E-Gitarre, dass es auch Catterfeld vom Hocker reißt.

So erhält Wirtz am Ende des Abends eine Blume von Catterfeld. Sie dient als Auszeichnung für den Song des Abends. Neben dem Punkrocker mit Bart, Nasenringen und Tätowierungen am Hals verdient sich auch Andreas Bourani einen solchen Preis.

Auch er hatte anfangs offen gefremdelt: "Um Gottes Willen was machst du hier. Da vorne sitzen die Prinzen und Hartmut Engler." Dann aber erliegt auch er dem Anreiz, an diesem großen Experiment teilzunehmen. Bei Catterfeld mit denkbar größtem Erfolg. Gleich zu Beginn singt Bourani seine Version ihres Monster-Hits "Für dich" und schafft es, der Sängerin mit einem Titel, den sie eigentlich gar nicht mehr mag, ein paar Tränen in die Augen zu zaubern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sing meinen Song: Andreas Bourani rührt Yvonne Catterfeld zu Tränen

(pst)
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