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„Schattenkinder“ – So wird der „Tatort“ am Sonntagabend

Neue Folge aus der Schweiz : „Schattenkinder“ – So wird der „Tatort“ am Sonntagabend

Die Grenzen der Kunst lotet der Krimi vom Zürichsee aus, der inhaltlich an die ersten Folgen mit den beiden Kommissarinnen anknüpft. Erneut finden sie den Schlüssel zur Lösung des Falls in der Vergangenheit der Opfer.

Schönheitschirurg Beat Gessner (Imanuel Humm) ist beunruhigt. Sein Sohn Max (Vincent Furrer) vermeidet seit Jahren jeglichen Kontakt zu ihm. Eine Nachricht aus dem Darknet macht ihm Hoffnung, den jungen Mann endlich wiederzusehen. In der abgelegenen Fabrikhalle, zu der er von dem unbekannten Hinweisgeber geschickt wird, findet er die Leiche von Max. Der Körper ist vollständig mit Plastikfolie umwickelt, der Körper wirkt künstlich. Auffallend sind vor allem die Tattoos, die selbst die Augenpartie samt Hornhaut zieren.

Das Aussehen des toten Körpers führt die beiden Zürcher Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) ins Atelier der gefeierten Konzeptkünstlerin Kyomi (Sarah Hostettler). Sie hat etliche Jünger um sich versammelt, die ihr blind ergeben sind und ihre Körper als Kunstobjekte zur Verfügung stellen. Der "Tatort: Schattenkinder" blickt hinter die Kulissen des globalen Kunstbetriebs, erneut in verdrängte Abgründe der Gesellschaft und die Vergangenheit. Regie führte Christine Repond nach einem Drehbuch von Stefanie Veith und Nina Vukovic. Das Erste strahlt den Film am Sonntag, 13. März, um 20.15 Uhr aus.

Der Schweizer Krimi nimmt mit dem kritischen Blick auf die Kunstszene ein Sujet auf, das in den vergangenen Jahren filmisch mehrfach in hochgelobten Meisterwerken thematisiert wurde. Sie alle beschreiben einen Markt, auf dem Grenzen überschritten werden müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ruben Östlund gewann 2017 für "The Square" um einen Kunstkurator, dessen Leben aus den Fugen gerät, die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes und fünf Europäische Filmpreise. Er ging für Schweden ins Oscar-Rennen, wo wiederum "Der Mann, der seine Haut verkaufte" von Khaouter Ben Hania gerade erfolgreich Tunesien vertrat. Der Film porträtiert einen Syrer, der sich den Rücken tätowieren lässt und mit ihm in einer Ausstellung posiert, um zu überleben.

Beide Filme betten ihre Kritik brillant in den gesellschaftlichen Kontext ein, was auch diesem "Tatort" gelingt. Bei der Recherche in der Vergangenheit von Max stoßen die beiden Kommissarinnen auf die seelischen Belastungen aus seiner Kindheit, die Kyomi geschickt für ihre Zwecke nutzt. Sie hört Max zu, gibt ihm das Gefühl, dass er endlich verstanden und gebraucht wird. Die Manipulation funktioniert perfekt.

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Auch Tessa Ott kann sich der Faszination, die Kyomi ausstrahlt, nicht völlig entziehen. Sie verliert aber nie die Kontrolle und die professionelle Distanz. Im Hinterkopf hat sie stets, dass ihre berufliche Zukunft von einer Beurteilung durch Isabelle Grandjean abhängt. Die Kollegin aus dem französischen Teil der Schweiz ist noch immer skeptisch, ob sie sich auf Ott in jeder Minute verlassen kann.

Der Zürcher Krimi hält, was bei der Einführung der beiden Kommissarinnen versprochen wurde. Die Mordermittlung führt über das Private zu einem brisanten Problem und zu einer Schattenseite der sauberen Fassade der Schweizer Gesellschaft. Die Metapher mit dem Panoramablick auf die City von Europas Bankenparadies wird allerdings allzu oft strapaziert.

Die Geschichte um den Umgang mit seelischen Verletzungen in der Kindheit und die daraus resultierende Traumatisierung, um Wohlstandsverwahrlosung, Rache und Sühne, ist von der ersten bis zur letzten Minute spannend und überrascht mit einigen Wendungen. Zudem haben die Macher den Mut, unmissverständlich zu eigen, dass die Show auch nach der Aufklärung eines Missstands weitergehen wird.

(kna)