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Historische Titelseiten RP: Erich Honecker wird 1971 SED-Chef in der DDR

Historische Titelseiten : Honecker wird SED-Chef

Nach zwei Jahrzehnten gab es am 3. Mai 1971 einen Machtwechsel an der Spitze der SED. Erich Honecker übernahm das Amt von Walter Ulbricht und wurde der mächtigste Mann der DDR.

Schon lange galt Erich Honecker als Anwärter auf die Parteispitze. Er wurde sogar als „Kronprinz“ betitelt. So war es auch nicht verwunderlich, dass der 58-Jährige nach dem Rücktritt des 78 Jahre alten Walter Ulbricht vor genau 50 Jahren zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED gewählt wurde.

Am 3. Mai 1971 kam das ZK der SED zu seiner 16. Tagung in Ostberlin zusammen. Ulbricht hatte eine Erklärung abgegeben, in der er das ZK gebeten hatte, ihn aus Altersgründen von der Funktion des Ersten Sekretärs des ZK zu entbinden, um diese Funktion in jüngere Hände zu geben. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, nachdem er diese Funktion zwei Jahrzehnte innehatte. Aber gegen die Zeit sei bisher kein Kraut gewachsen, sagte er. Das ZK stimme der Erklärung einstimmig zu. „Ulbricht wurde in ‚Ehrung seiner Verdienste’ vom Zentralkomitee der SED zum Vorsitzenden der Partei gewählt“, hieß es am 4. Mai in der Rheinischen Post. Zudem sollte der 78-Jährige weiter als Vorsitzender des Staatsrates der DDR tätig sein.

Im Namen des Politbüros verlas der Ministerratsvorsitzende, Willi Stoph, einen Brief des ZK an Walter Ulbricht, in dem ihm das ZK für sein jahrzehntelanges, verdienstvolles Wirken an der Spitze der Partei dankte. In wirklich junge Hände kam das Amt damit aber nicht. Das ZK wählte den 58 Jahre alten Erich Honecker einstimmig zum Ersten Sekretär des ZK der SED. Die Regierung in Bonn reagierte auf den Rücktritt „nicht überrascht“ und erwartete „keine wesentlichen politischen Veränderungen“.

Am 29. Oktober 1976 wählte die Volkskammer Honecker auch zum Vorsitzenden des Staatsrats. Damit hatte er die höchsten Staatsämter in Personalunion inne. Honecker war der letzte DDR-Staats- und SED-Parteichef. Er starb am 29. Mai 1994 in seinem Exil in Chile.