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Christian Wulff tritt als Bundespräsident zurück - historische RP-Titelseiten

Historische Titelseiten : Bundespräsident Wulff tritt im Februar 2012 zurück – nach nur 598 Tagen im Amt

Kein anderer Bundespräsident war so kurz im Amt wie Christian Wulff. Am 17. Februar 2012 trat er nach einer Kredit- und Medienaffäre nach weniger als zwei Jahren zurück. Anlässlich des 75. Jubiläums der Rheinischen Post in diesem Jahr blicken wir zurück auf dieses Ereignis.

Diese Szene bleibt unvergessen: Christian Wulff, damaliger Bundespräsident, tritt am 17. Februar 2012 vor die Presse. Seine Ehefrau Bettina begleitet ihn, bleibt aber mit großem Abstand neben ihrem Mann stehen. Aufgrund geplanter Ermittlungen der Justiz gegen ihn, verkündet Wulff, werde er sein Amt als Bundespräsident niederlegen.

Wegen Vorteilsnahme stand das frühere Staatsoberhaupt seit Ende 2011 in der Kritik. In der zweimonatigen Affäre ging es immer wieder um unklare Kreditgeschäfte und andere Gefälligkeiten sowie um seinen Umgang mit den Medien. Zunächst beharrte Wulff darauf, im Amt zu bleiben. Als die Staatsanwaltschaft Hannover in einem Ermittlungsverfahren die Aufhebung seiner Immunität forderte, entschied er sich doch für den Rücktritt. „Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind“, sagte der damals 52-Jährige bei seiner Rücktrittsrede. „Aus diesem Grund wird es mir nicht mehr möglich sein, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist.“

Damit trat damals innerhalb von zwei Jahren bereits das zweite deutsche Staatsoberhaupt zurück. Sein Vorgänger Horst Köhler hatte das Amt wegen Kritik an Einsätzen der Bundeswehr am 31. Mai 2010 niedergelegt. Die Bundesversammlung wählte Wulff daraufhin am 30. Juni des Jahres im dritten Wahlgang zum zehnten Bundespräsidenten Deutschlands, 2012 kam dann der Rücktritt. Mit nur 598 Tagen war kein anderer so kurz im Amt wie Wulff.

Am 19. Februar 2012, nur zwei Tage nach Wulffs Rücktritt, einigten sich alle im Bundestag vertretenen Parteien – mit Ausnahme der Linkspartei – auf Joachim Gauck als Nachfolgekandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Am 18. März 2012 wurde Gauck gewählt.

Wulff räumte in der Affäre um ihn auch Fehler ein, betonte aber immer aufrichtig gewesen zu sein. Dass er keine Rechtsverstöße begangen hatte, wurde durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaften und in einem Gerichtsverfahren bestätigt. Von der Anklage wegen Bestechlichkeit wurde Wulff am 27. Februar 2014 freigesprochen. Rückblickend schreibt Wulff in einem Buch, dass sein Rücktritt ein Fehler war. Der ehemalige Bundespräsident bekleidet heute verschiedene Ämter. Unter anderem ist er Vorsitzender der Deutschlandstiftung Integration.