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Zweite Berlin-Krise 1959 - Rückblick anlässlich 75 Jahre RP

75 Jahre RP : Als Chruschtschow die Drei-Staaten-Lösung für Deutschland vorschlug

In diesem Jahr wird die Rheinische Post 75 Jahre alt. Während dieser Zeit haben wir über viele historische Ereignisse berichtet – etwa auch die „Zweite Berlin-Krise“ 1959. Wir blicken zurück auf diese besondere Zeit in den 50er-Jahren, als der Kalte Krieg mitten in Deutschland tobte.

Nachkriegs-Deutschland ist geteilt – die DDR im Osten, die BRD im Westen, wenn auch noch vor allem auf dem Papier. Darin steckt jede Menge Konfliktpotential, insbesondere in den späten 50er-Jahren schaukelt sich die Situation aber gefährlich hoch.  Das Problem liegt in Berlin, von der DDR zur Hauptstadt auserkoren.

Wie ist mit dieser geteilten Stadt umzugehen, die noch dazu wie eine Insel mitten im Gebiet der DDR liegt? Diese Frage beschäftigt die Siegermächte schon länger. Um zu verstehen, warum es zur „Zweiten Berlin-Krise“ kommt, muss man jedoch zunächst zehn Jahre zurückreisen.

1948 gibt es die „Erste Berlin-Krise“. Sowjetische Militärs sperren alle Zufahrtswege nach Westberlin ab, die Blockade der Stadt beginnt. Vom 24. Juni desselben Jahres bis zum 12. Mai 1949 dauert die Abschottung an, die von den Westmächten mit Hilfe der Luftbrücke und den sogenannten „Rosinenbombern“ umgangen wird. In der Folge wird aus der Stadt, die in vier Sektoren der Siegermächte aufgeteilt ist, die geteilte Stadt aus Ost- und Westberlin. Gemeinhin ist dies eine Art Auftakt des Kalten Krieges – und die erste Niederlage für die Sowjetunion, die mit der Blockade eigentlich eine Lösung der Berlin-Frage zu ihren Gunsten beabsichtigt hatte.

In den folgenden Jahren bleibt die Frage offen und Berlin geteilt, wenngleich die Menschen noch die Grenze überqueren können. Ein Vorschlag zur Problemlösung kommt dann vom russischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow. Bereits 1958 in einer Rede im Moskauer Sportpalast propagiert er die sogenannte Drei-Staaten-Lösung: Neben der BRD und DDR soll (West-)Berlin als freie und entmilitarisierte Stadt existieren. Die DDR soll als souveräner Staat anerkannt werden. Zudem schlägt er eine Konföderation der beiden deutschen Staaten vor. Hintergrund ist, dass Westberlin sich uneingeschränkt als Teil der BRD sieht. Damit steht dieser Teil Berlins unter dem Schutz der NATO-Mächte – eine potentielle Gefahr für die Sowjetunion, wonach die Stadt als Ausgangspunkt für militärische Aktionen genutzt werden könnte, wie Chruschtschow es in seiner Rede formuliert.

Wovon nun die Rheinische Post am 2. Januar 1959 berichtete, sind die Antwortschreiben an die Sowjetunion. Hiernach sei man zwar zu Verhandlungen bereit, nicht jedoch zur Aufgabe der Ansprüche auf Westberlin. Auch die BRD nimmt vom Vorschlag des russischen Ministerpräsidenten Abstand. In den folgenden Monaten bleibt der Ton zwischen den Staaten angespannt. Chruschtschow droht unter anderem damit, einen separaten Friedensvertrag mit der DDR zu schließen. Die Handlungen gehen insgesamt als „Chruschtschows Ultimatum“ in die Geschichte ein.  

Doch man setzt sich zusammen: Die Genfer Viermächte-Außenministerkonferenz findet vom 11. Mai bis zum 20. Juni 1959 und vom 13. Juli bis zum 5. August desselben Jahres statt. Diese Treffen und auch ein nachfolgendes Aufeinandertreffen im September von Chruschtschow und US-Präsident Dwight D. Eisenhower bringen jedoch weiterhin keine Lösung in der Berlin-Frage. Dadurch bleibt der Zustand einer geteilten Stadt für die kommenden 30 Jahre erhalten. Verschärft wird er allerdings durch den Mauerbau ab dem 13. August 1961 – ein Versuch der DDR-Regierung, der Abwanderung vieler Ostdeutscher in den Westen entgegenzuwirken.

Die Ereignisse dieser Jahre lassen die Welt nur knapp an einem Atomkrieg vorbeischlittern – sowohl die sowjetische als auch die amerikanische Seite erwägen den Einsatz dieser Waffen im Extremfall. Soweit kommt es jedoch nicht und Berlin als Hauptspielort des Kräftemessens wird bald ersetzt: Kuba ist nur wenig später, im Jahr 1962, im Fokus des atomaren Kräftemessens, mit dem die USA und Sowjetunion noch jahrzehntelang die Welt in Atem halten sollten.