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Olaf Scholz Bundestagswahl 2021: SPD-Kanzlerkandidat im Profil

Kanzlerkandidat im Porträt : Das ist SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz

Olaf Scholz tritt bei der Bundestagswahl im September für die SPD als Kanzlerkandidat an. Wofür steht der Finanzminister politisch und privat? Ein Kurzporträt.

Profil Er ist der Erfahrene. Olaf Scholz hat schon so ziemlich alle Partei- und Regierungsämter innegehabt, bis auf Kanzler. Jedenfalls präsentiert er sich gern so, mit diesem Attribut des ausgebufften Haudegens wurde er von der SPD trotz interner Imageprobleme als Kanzlerkandidat aufgestellt. Einst war Scholz Innensenator Hamburgs, Generalsekretär seiner Partei, Bundesarbeitsminister, Erster Bürgermeister Hamburgs, stellvertretender Parteichef, heute Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Der nüchterne, der faktenverliebte, der geschickte Taktierer ist ein politisches Schwergewicht und muss doch mit einem schweren Stand im Wahlkampf rechnen.

Partei Dass es der 62-jährige Olaf Scholz nicht leicht hat im Wettbewerb mit Armin Laschet und Annalena Baerbock, liegt maßgeblich an den schlechten Zustimmungswerten seiner Partei. Und mit der hat er selbst so seine Probleme. Scholz spaltet die Genossen, das wurde im Rennen um den Parteivorsitz besonders deutlich. Besonders die Jusos und Parteilinke werfen ihm vor, als Architekt der „Agenda 2010“ die Hartz-Gesetz und damit den Niedergang der SPD zu verantworten. Als Generalsekretär war er als „Scholzomat“ verschrien, weil er die Positionen roboterhaft, emotionslos, teils umständlich zu verkaufen versuchte. Dass der frühere Juso-Vizechef aber auch sehr linke Positionen vertritt, beispielsweise schon früh für einen Mindestlohn von zwölf Euro stritt, ist weniger bekannt. Als Scholz gegen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterlag und sie Parteivorsitzende wurden, machte er keinen Rückzieher und blieb im Amt als Vizekanzler. Dass er später zum Kanzlerkandidaten ernannt werden sollte – einvernehmlich –, war da noch nicht absehbar. Heute behauptet die SPD-Spitze, dass sie geschlossen und harmonisch zusammenarbeite mit Scholz.

Prägung Geboren wurde Scholz in Osnabrück, wuchs jedoch als ältestes von drei Kindern im einwohnerstärksten Hamburger Stadtteil Rahlstedt auf. Seine Eltern waren in der Textilbranche tätig, Scholz selbst zog es an die Uni, wo er Jura studierte. Bevor er Berufspolitiker wurde, arbeitete Scholz als Anwalt für Arbeitsrecht. Doch bereits als Gymnasiast trat er bei den Sozialdemokraten ein, schrieb als Mitglied der Jusos Artikel zur Überwindung des Kapitalismus. Scholz ist von linker Politik geprägt, gilt aber als Pragmatiker mit starkem Machtwillen. Als Spitzenpolitiker mit viel Erfahrung hat er auch mehrere Skandale und Tiefen überwinden müssen. Dazu gehören die Pleite der HSH-Nordbank, die eskalierende Gewalt beim G20-Gipfel in Hamburg, als Scholz verschreckt wirkte, jetzt der Wirecard-Skandal, bei dem er jede Verantwortung abstreitet. Scholz ist ein beschriebenes Blatt mit beachtlichen Nehmerqualitäten.

Privates Mittlerweile lebt Scholz in Potsdam, tritt dort bei der Bundestagswahl als Kandidat an. Er ist kinderlos, verheiratet mit Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst. Zuletzt zog das Paar aus seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aus, weil binnen kurzer Zeit zweimal Einbrecher in die Räume eingedrungen waren. Scholz, der Personenschutz hat, hält sich mit Joggen und Radfahren fit. Sein Lachen, seine teils verschmitzte Art bewegten wohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einer der schwierigen Ministerpräsidentenkonferenz dazu, ihm im Ärger ein „schlumpfiges Grinsen“ zu attestieren. Scholz nahm es mit Humor und konterte beim Kurznachrichtendienst Twitter, Schlümpfe seien klein, listig – und sie „gewinnen immer“.

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Programm Im Wahlkampf will Scholz mit sozial und wirtschaftlich verträglichem Klimaschutz punkten, er setzt mit dem Schlagwort „Respekt“ auf mehr Gerechtigkeit bei Löhnen, im Wahlprogramm steht ein Ende der Hartz-IV-Sanktionen. Scholz will zudem massiv investieren und die Bundesrepublik so aus der Corona-Krise führen, dabei setzt er auch auf höhere Steuern für Vermögende. Außerdem will er die Einbindung Deutschlands in Europa vorantreiben.