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Coronavirus in Wülfrath: Öffentliches Leben wird lahmgelegt

Leben in Zeiten von Covid 19 : Öffentliches Leben wird lahmgelegt

Sonnenschein und milde Luft: theoretisch ist alles gut. Praktisch geht fast nichts mehr. Leergefegte Straßen prägen das Stadtbild.

Die Zauberformel der Stunde lautet „soziale Distanz“ – je besser sie eingehalten wird, desto langsamer steigt die Zahl der Covid-19-Infizierten weiter. Soweit die Mathematik, soweit die Epidemiologie. Per sozialer Distanz plus freiwilliger Selbstquarantäne soll es gelingen, die Virus-Ausbreitung in der Bevölkerung so lange wie möglich auf einem für Ärzte und Kliniken handhabbaren Level zu halten. Gleichzeitig wird damit das öffentliche Leben weitestgehend lahmgelegt.

Schulen und Kitas sind geschlossen, im frühlingshaften Wetter spielen noch einige Kleinkinder auf dem Mehrgenerationenplatz. „So lange wir noch dürfen“, wie eine Mutter genervt erklärt. „Bei dem schönen Wetter will meine Tochter draußen spielen, da kann ich die mit einem Puzzle in ihrem Zimmer nicht locken.“ Das ist passé, denn weil sich auch auf Spielgerät Viren halten, sollen Spiel- und Bolzplätze nicht aufgesucht werden.

Die Postkartenidylle am Krapps-Teich kann derzeit nur mit Abstand genossen werden. Foto: Valeska von Dolega

Ein ungewohntes Dasein auch für manchen Teenager. Das Kinder- und Jugendhaus hat geschlossen, die Angebote können – natürlich – nicht von drinnen nach draußen verlegt werden. Also sitzen die jungen Leute jetzt auf dem Mäuerchen vorm Schwimmbad. „Es ist komisch, das Virus ist allgegenwärtig, aber irgendwie nicht da“, versucht Damien (14) die Situation auf den Punkt zu bringen.

Watteweiche Wölkchen und Sonnenschein, trotzdem ist die Fußgängerzone weitestgehend leer. Foto: Valeska von Dolega

Seit Dienstag gilt die am Montag, 16. März, von der Stadtspitze erlassene Allgemeinverfügung. Nun sind alle öffentlichen Veranstaltungen, deren Durchführung nicht notwendig sind, verboten. Notwendig sind Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsfür- und
-vorsorge dienen. Wochenmärkte sind ausgenommen. Im Klartext: Geschlossen werden müssen Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Kinos und Museen, Fitness-Studios sowie Spielhallen und Wettbüros, der Zugang zu Büchereien, Lokalen sowie Hotels für die Bewirtung von Übernachtungsgästen wird eingeschränkt: Auch das spiegelt sich im Stadtbild wieder. Mit Abstand zueinander genießen die Gäste ihren Capucchino im Eiscafé, auf pingelige Etikette in Sachen Nies-Etikette, Abstand und Co. achten auch die anderen Gastronomen in der Stadt – wenn denn noch Gäste kommen. So werden beispielsweise Tische nicht per se eingedeckt. Das Besteck kommt nach der Bestellung.

Und auch die Geschäftswelt ändert sich. Wülfraths Innenstadt leert sich bedenklich, was nicht nur durch die Standortaufgabe des Radgeschäfts am Ware-Platz, und offensichtlich geplante Schließungen von Parfümerie und Geschenkeladen an der Wilhelmstraße liegt. Um den Betrieb für Kunden trotz Schulschließungen aufrecht erhalten zu können, passen manche ihre Öffnungszeiten an, so wie Anne Schemann vom Unverpackt-Laden.

„Wir wissen, dass diese Vorgaben, die auf dem ministeriellen Erlass vom 15. März beruhen, die Wülfrather weiter einschränken“, ist sich Bürgermeisterin Claudia Panke der Tragweite der Verfügung bewusst, „aber um Menschen mit Vorerkrankungen und die Älteren sowie unser Gesundheitssystem zu schützen, sind die Maßnahmen leider erforderlich.“ Der Wortlaut der Verfügung ist auf der städtischen Homepage via www.wuelfrath.de sowie als Aushang vorm Rathaus zu finden.