1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann

Umfrage innerhalb der Kreis-CDU sieht besonders einen Kandidaten vorne

Politik : CDU-Vorsitz: Eine Tendenz ist erkennbar

Eine Umfrage innerhalb der Kreis-CDU sieht besonders einen Kandidaten vorne.

In etwa einem Monat wollte die CDU auf ihrem Sonderparteitag in Berlin einen neuen Vorsitzenden wählen. Wegen der Corona-Krise wurde der Sonderparteitag mit 1001 Delegierten aber am Donnerstag abgesagt. Ein neuer Termin werde noch gesucht.

Wer die Konservativen künftig anführen wird, bleibt aber darüber hinaus dennoch äußerst spannend. Denn wer neuer Vorsitzender wird, hat gute Chancen am Ende auch Kanzlerkandidat zu werden – trotz der jüngsten Erfahrungen mit Annegret Kramp-Karrenbauer, so die Meinung vieler Beobachter und Politikwissenschaftler.

Um das höchste Amt in der CDU ist ein spannender und vor allem prominenter Dreikampf mit Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen entbrannt. Das beschäftigt natürlich auch die CDU im Kreisgebiet. Wir haben bei einigen Stadtverbänden, beim Kreisverband sowie bei einer Bundestagsabgeordneten nachgefragt, welchen Kandidaten sie denn favorisieren.

Allen gemein ist: Es stehen „drei hervorragend qualifizierte Kandidaten“ zur Auswahl. Und: Die Ergebnisse der jüngsten Erhebungen der Forschungsgruppe Wahlen vom 6. März spiegeln sich nicht unbedingt bei den Unionsanhänger im Kreis Mettmann wider. Zwar schneidet auch bei ihnen der „Außenseiter“ Norbert Röttgen deutlich schlechter ab als der frühere Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Friedrich Merz, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Insgesamt gibt es indes schon eine klare Tendenz für einen Kandidaten.

Patrick Anders ist der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Ratingen. Er freut sich, dass es für diese „wichtige Aufgabe mindestens drei hervorragend qualifizierte Kandidaten“ gibt. Da innerhalb der CDU Ratingen „unterschiedliche Präferenzen“ bestünden, gebe der CDU-Stadtverband Ratingen kein Votum ab – zumal dieser Stadtverband keine Delegierten für den Parteitag stelle.

Anders persönliche Meinung ist aber eindeutig. „Ich präferiere das Team Laschet/Spahn, da sie das breiteste politisch-thematische Angebot unterbreiten und mithin die CDU als Volkspartei am besten repräsentieren. Darüber hinaus verfügen beide über praktische Regierungserfahrung.“

Die Kandidatur von Laschet für den CDU-Bundesvorsitz ist aus Sicht von Peter Beyer, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Mettmann II, ein gutes Signal. „Er hat in NRW gezeigt, wie man mit einem klaren inhaltlichen Programm Wahlen in der Mitte der Gesellschaft gewinnen kann“, so Beyer, der sich kürzlich zu einem Austausch mit dem Ministerpräsidenten persönlich traf. Eine etwaige Kandidatur Laschets für das Amt des Bundeskanzlers könnte zudem für NRW eine „echte Chance“sein.

Seine Bundestagskollegin für den Wahlkreis Mettmann I, Michaela Noll, lobt vor allem die Qualifikation der drei Kandidaten. „Ich habe mich entschieden, wen ich unterstütze“, sagt sie. Sie sagt aber nicht wen. „Ich werde mich vor dem Parteitag dazu nicht äußern.“ Alle Spekulationen schadeten dem Prozess, der Partei und führten nicht zum Ziel. „Die Delegierten sollen für sich entscheiden, welcher Bewerber ihrer Meinung nach die CDU als Volkspartei stabilisiert und weiter in Regierungsverantwortung bringt“, heißt es aus Berlin.

Ähnliches Bild bei der CDU Heiligenhaus: „Wir werden keine Position zu einem einzelnen Kandidaten beziehen.“ Frank Jakobs, der Vorsitzende der Heiligenhauser Union, gibt aber eine Einschätzung zur aktuellen Stimmungslage unter den Mitgliedern ab. „Mich erreichen sehr viele positive Rückmeldungen zu den Spitzenkandidaten aus NRW. Dass nach vielen Jahren wieder jemand aus unserem Bundesland an der Spitze der Partei stehen könnte, freut die Mitglieder. Ein Großteil der  Gesprächspartner geht derzeit klar davon aus, dass entweder Armin Laschet oder Friedrich Merz die Wahl zum Parteivorsitzenden gewinnt.“

Entscheidend für die Favorisierung für einen der beiden Kandidaten sind aus Jakobs‘ Sicht „emotionale Gründe und die Sorge, dass Laschet das Amt des Ministerpräsidenten zur Verfügung stellen könnte. Die Zufriedenheit mit seiner Arbeit als Chef der Landesregierung ist groß und die Erwartungshaltung für eine weitere Amtsperiode alternativlos.“

Aus Sicht des Monheimer Stadtverbands, so ihr Vorsitzender Lars van der Bijl, finden im Moment lebendige Debatten zu dieser Thematik statt. „Deshalb lässt sich natürlich schwer nur eine konsolidierende Antwort auf die kleine K-Frage finden.“

Aus seiner persönlichen Sicht, sei Laschet als bewährter „Zusammenhalter“ der CDU in NRW für diese Aufgabe prädestiniert. „Mit Sorge betrachte ich persönlich die sehr polarisierende Vorgehensweise von Merz, auch wenn inhaltlich eine große Kompetenz dahinter steht.“ Das „unabgestimmte Vorgehen“ von Röttgen kommt bei van der Bijl auch nicht gut an: „Da hätte ein Gespräch mit dem Landesvorsitzenden stattfinden müssen.“

Wie der CDU-Stadtverband Hilden zu den drei Kandidaten steht, lasse sich nicht sagen, es habe keine Erhebung gegeben, sagt deren Vorsitzender Peter Groß. Für ihn steht aber fest: „Laschet wäre ein wirklich guter Vorsitzender, da er es versteht zuzuhören und in einer wertschätzenden sowie partizipativen Weise dennoch klare Leitung auszuüben.“

Der Kreisverband der CDU hat (noch) keine Positionierung vorgenommen. Jan Heinisch, Vorsitzender der CDU im Kreis, gibt aber seine ganz persönliche Meinung preis. „Ich trete klar für die Team-Kandidatur von Laschet/Spahn ein. Wir brauchen in diesen Zeiten in der CDU vor allem teamfähige Menschen, die die große Bandbreite der Volkspartei CDU verkörpern und einbinden.“ Laschet beweise als Ministerpräsident in der täglichen Praxis, dass er vom harten Durchgreifen bei der Inneren Sicherheit über entfesselnde Wirtschaftspolitik bis hin zu einer modernen Umweltpolitik alle Felder zu vereinen verstehe, erklärt Heinisch.

Auch die CDU Wülfrath freut sich über die Auswahl zwischen „drei hochkarätigen CDU-Politikern mit individuellen Stärken, die alle aus NRW stammen“. Jeder habe seine Stärken und deshalb findet jeder auch Befürworter, teilt der Vorsitzende der CDU Wülfrath, Andreas Seidler, mit. „Wir können mit jedem Ergebnis gut leben und werden die inhaltliche Arbeit der CDU mit ungebrochenem Engagement vorantreiben.“ Allerdings wünschte sich die Wülfrather CDU, dass nach der Wahl des neuen Vorsitzenden „endlich Ruhe“ einkehre und man das „gemeinsame Ziel auch endlich gemeinsam“ verfolge. Die Grabenkämpfe müssten aufhören, erklärt Seidler. Für ihn ist es ferner durchaus denkbar und möglich, dass alle Kandidaten in die Arbeit eingebunden werden, jeder mit seinen Stärken.

Der CDU-Stadtverband Velbert wird keinen der Kandidaten für den Parteivorsitz auf Bundesebene favorisieren, da es eine Entscheidung der gewählten Delegierten des Bundesparteitages ist, teilt deren Vorsitzender Burghardt Fülling mit. „Die Delegierten sind in ihrer Entscheidung frei und unterliegen keinen Beschlüssen von Stadtverbänden.“ Eine persönliche Einschätzung gibt es von Fülling nicht.