Ehrensache Ehrenamt : Wülfraths engagierte Blutspender

Sandra Jagus und Thomas Andreas Cholewa geben regelmäßig von ihrem Blut, um Leben zu retten.

Die Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts rechnen bald mit Medikamenten, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Man sei optimistisch, dass es „in den nächsten Wochen“ Therapeutika geben werde. Covid-19 ist derzeit das Top-Thema, wenn über Gesundheit gesprochen wird. Total in den Schatten ist das Thema Blutspende dadurch inzwischen geraten. „Wir müssen immer investieren, um Anreize zu geben“, erklärt Stephan Küpper vom DRK-Blutspendedienst West. In Teilbereichen werden mit Kampagnen wie den Blutspende-Buddies Erfolge verbucht, die Erstspenderzahlen bundesweit wurden so „um mehrere Tausend“ gesteigert.

„Die Spenderbasis bricht weg“, beschreibt Stephan Küpper ein grundlegendes Problem. Diese Tendenz hält seit Jahren an, aus Baby-Boomern, die einst spendeten, werden nun Blutspendeempfänger. Es sei eine „riesige Lücke, wie ein großes Tal“, beschreibt er den derzeitigen Zustand.

„Mir machen Nadeln gar nichts“, erklärt Sandra Jagus fröhlich grinsend. Die 31-Jährige hat vor kurzem zum ersten Mal Blut gespendet. Das von ihr stammende rote Lebenselixier ist ein ganz besonderer Saft, nämlich Blutgruppe 0 negativ, „das haben nur sechs Prozent der Menschen“, weiß sie. Und deshalb bleibt sie dabei, von ihrem Blut abzugeben. „Alle gucken, dass es einem gut geht“, beschreibt sie das Drumherum aus Testblutabnahme am Ohr sowie die darauf folgende 15-minütige Echt-Spende. „Ich weiß beispielsweise immer, wie es um mich steht“, sagt sie über den Gesundheitscheck, der grundsätzlich rund ums Blut vorgenommen wird. „Ich bin kerngesund. Und könnte ich irgendjemand anders durch meine Spende das Leben retten, wäre ich darüber echt glücklich.“

Gegenseitiges einander unterstützen ist ihr wichtig, dass es für die Spende beim DRK, anders als beispielsweise an der Uni-Klinik, keine Aufwandsentschädigung gibt, ist „egal. Ich versuche, meinen Beitrag zu leisten.“ Auch, weil „mir schon oft geholfen wurde, beschloss ich, jetzt etwas zurück zu geben“. Den Spender-Gedanken versucht die 31-jährige Wülfratherin auch anderen zu vermitteln. „Manche haben Angst vor dem Piks, die versuche ich aufzuklären, dass es echt nicht weh tut.“ Wie schmerzlos das Prozedere ist, weiß auch Thomas Andreas Cholewa. Seine Ex-Freundin, eine Krankenschwester, animierte ihn 2014 zur Blutspende. „Was Du in Dir trägst, ist wertvoll“, überzeugte sie ihn damals – seitdem ist der inzwischen 24-Jährige gerne Geber. „Viele in unserer Generation sehen zu wenig auf das, was sie umgibt“, sagt er darüber, „mal für andere da zu sein und zu helfen“. Für den Wülfrather bezieht sich das nicht allein auf die Blutspende, im nächsten Schritt denkt er über das Thema Organspende nach. „Da sag ich jetzt mal ganz trocken: Wenn ich tot bin, nutzen mit intakte Organe nichts, einem anderen sehr wohl.“ Wer Erstblutspender sein will und Furcht hat, „der soll zusammen mit Freunden zum Termin gehen. Da kannst du dann die Angst wegquatschen.“

Mit mehr Persönlichkeiten wie Sandra Jagus und Thomas Andreas Cholewa hätte Stephan Küpper eine Sorge weniger. „Wenn es so weitergeht, wie bislang, könnten Spender nachhaltig fehlen. Nicht bloß in den Ferien, sondern über das ganze Jahr.“