Willich/Tönisvorst : Hohe Nachfrage nach Grippe-Impfstoff

Wer sich in Willich und Tönisvorst gegen Grippe impfen lassen will, muss Glück haben. Nicht in jeder Praxis oder Apotheke sind noch Impfdosen vorhanden. Auch die Frage des Nachschubs ist nicht einfach zu beantworten. 

Wer sich derzeit noch gegen die Grippe impfen lassen möchte, kann Schwierigkeiten bekommen. Denn hier und da kommen offenbar die Hersteller oder Lieferanten den Nachbestellungen nicht nach. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, wie die Nachfrage dieser Zeitung bei Ärzten und Apotheken ergab.

Offenbar ist die Anzahl der Menschen gestiegen, die sich in diesem Herbst schon impfen ließen beziehungsweise sich noch pieksen lassen möchten. Nicht zuletzt deshalb, weil es auch im vergangenen Jahr viele Grippetote gegeben hatte.

   In den meisten Fällen wurde im späten Frühjahr von den Ärzten über die Apotheken die benötigte Menge der Impfstoffe bestellt. Es musste vermehrt nachgeordert werden. Und da gibt es derzeit Probleme. Ob es an falscher Kalkulation oder an Fehlern im Verteilsystem liegt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Jedenfalls kommt es vermehrt, auch im  Raum Kreis Viersen, zu Anfragen von Patienten, deren Hausärzte keine Impfstoff-Dosen mehr vorrätig haben.

    Die Ärzte und Apotheken kalkulieren knapp, wollen aus Kostengründen nicht viele nicht verbrauchter Dosen in ihren Kühlschränken oder -lagern behalten. „Denn ein Impfstoff kostete uns zuletzt 23 Euro“, sagt Harald Hüsgen, der seit 1994 als Allgemeinmediziner am Buchenweg in Schiefbahn praktiziert. Er gehört außerdem dem Vorstand vom „Ärztenetz Linker Niederrhein“ an, das im Mai/Juni dieses Jahres für über ein Dutzend Praxen insgesamt 2200 Dosen bestellt hatte. Vorsitzender dieses Netzwerkes ist übrigens sein Kollege, der Schiefbahner Facharzt für Innere Medizin Dr. Heiner Scholich. Jedenfalls sei man noch, so Harald Hüsgen, im „grünen Bereich“, würden viele der angeschlossenen Ärzte noch über genügend Spritzen verfügen: „Oder man hilft sich gegenseitig aus.“

    Von daher spricht der Schiefbahner derzeit von keinen größeren Schwierigkeiten. Im Gegensatz zu seiner Ehefrau, Maria Kollek. Sie ist Apothekerin, arbeitet in der Jakobus-Apotheke in Greven­broich-Neukirchen im Kreis Neuss. „Und dort soll es derzeit große Probleme beim Nachordern geben“, sagt Harald Hüsgen. So seien derzeit Einzelimpfstoffe, die die Patienten mittels Rezept haben möchten, nicht zu bekommen. Die Apothekerkammer Neuss habe darauf aber zwischenzeitlich reagiert. Jetzt dürfen Apotheken aus wohl noch lieferbaren  Zehner-Packungen Einzelimpfstoffe abgeben. Ob eine derartige Regelung auch im Kreis Viersen bestehe, weiß Harald Hüsgen aber nicht: „Aber offenbar gibt es noch Reserven im System.“

    Seit 2014 ist Dr. Hanno Huth haus­ärztlicher Internist, hat seine Praxis am Anrather Kirchplatz. Er habe derzeit noch keine Probleme, an die Wirkstoffe zu kommen. So habe er bereits im Frühjahr diesen Jahres 260 Dosen über die Apotheken erhalten. Vor wenigen Tagen habe er 50 nachgeordert, die auch umgehend geliefert worden seien.

    Die bisherigen neuen Impfungen seien offenbar, ergänzt Hanno Huth, im Vergleich noch zum Frühjahr dieses Jahres effektiver. So sei ihm derzeit kein einziger Patient mit einer saisonalen Influenza und begleitendem hohen Fieber bekannt. Dies könne, so der Internist, vor allem daran liegen, dass die alten Wirkstoffe zuletzt nur drei Virenstämme bekämpft hätten, derzeit wirke der Inhalt der Spritzen bei vier solcher unterschiedlichen Stämme.

 „Die Nachfrage wird langsam mehr, noch haben wir alle Impfstoffe, kommen damit wohl noch etwa einen Monat aus“, kann Jonas Lüdke von der Linden-Apotheke in Schiefbahn einige Probleme bei der Lieferung der Impfstoffe bestätigen. Von derzeitigen Liefer-Engpässen spricht ferner eine Mitarbeiterin der Markt-Apotheke in Willich.

    „Vorletzte Woche war es noch okay, letzte Woche gab es aber bei mir einen Engpass“, erklärt Heike Hölzl, die seit etwa zehn Jahren die Paracelsus-Apotheke an der Hochstraße 43 in St. Tönis führt. Sogar Allgemeinmediziner aus Krefeld riefen bei ihr an und fragten nach, ob sie schnell noch an Impfstoffe kommen können. Einen großen Vorrat hat sie nicht angelegt: „2017 hatte ich nämlich viel zu viel bestellt, und einiges verfiel.“ Dennoch bleibt Heike Hölzl optimistisch, dass sie jetzt noch einen Lieferanten findet. Sie hat aber generell für die Kunden, die sich zuletzt impfen ließen, eine gute Nachricht: „Nach meinem Eindruck wirkt die Zusammenstellung der Wirkstoffe besser als zuletzt.“

   „Mal bekomme ich die angeforderte Menge, mal nicht“, sagt Jutta Breiing, Leiterin der Bären-Apotheke an der Krefelder Straße 1 in St. Tönis. Bei ihr gehen so langsam die Impfstoffe aus. Verstärkt hätten zuletzt Kunden bei ihr nachgefragt, ob es noch Reserven gäbe. Die Chefin, die seit rund 15 Jahren diese Apotheke führt, ist sich noch nicht im Klaren, ob von den Ärzten im Frühjahr falsch kalkuliert worden sei: „Ich glaube eher, dass es derzeit ein Verteilerproblem gibt.“ Vor wenigen Tagen habe sich bei ihr nämlich ein Hersteller gemeldet und Impfstoffe angeboten.