Wesel: Astrid Horstkamp geht in den Ruhestand

Wesel: „Besser Unterricht, statt Statistik ausfüllen“

Mit Beginn der Sommerferien endet für Astrid Horstkamp (64), die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule am Quadenweg, die Zeit ihrer Berufstätigkeit. Ebenfalls in den Ruhestand tritt ihre Kollegin Ingrid Leisner-Kleem (63).

Der Donnerstag wird sicher nicht zu den glücklichsten Tagen im Leben von Astrid Horstkamp gehören. „Ehrlich gesagt, graut es mir vor dem Abschied“, sagt die 64-jährige Pädagogin, die in den vergangenen 17 Jahren die Gemeinschaftsgrundschule am Quadenweg in Schepersfeld geleitet hat. Mit ihr in den Ruhestand tritt auch Ingrid Leisner-Kleem (63), die seit 20 Jahre am Quadenweg aktiv ist. „Frau Horstkamp geht, meine Schüler der 4b gehen auf die weiterführenden Schulen und mein Mann wartet auf mich“, sagt die Flürenerin. Astrid Horstkamp lacht: „Meiner auch“.

Es ist nicht so, dass die beiden Angst vor dem Ruhestand hätten. Es ist vielmehr der Abschied vom Kollegium und den Kindern. „Die Mädchen und Jungen sind das Beste. Man bekommt so viel von ihnen zurück, so viel Zuwendung und Zuneigung. Das wird mir wohl sehr fehlen“,  sagt Astrid Horstkamp, die beim Besuch unserer Redaktion versichert: „Ich blicke auf ein erfülltes Berufsleben zurück und würde diesen schönen Beruf immer wieder ergreifen.“ Auch wenn sie zugibt, dass vor allem in den vergangenen Jahren der Verwaltungsaufwand gestiegen ist. „Wenn ich ehrlich sein soll, muss man als Schulleitung vermehrt nicht immer sinnvolle Statistiken ausfüllen. Es wäre sicherlich besser, diese Zeit zu nutzen, um zu unterrichten.“

Um die Zukunft der Grundschule am Quadenweg ist ihr nicht Bange, auch wenn es noch keine Nachfolgerin beziehungsweise keinen Nachfolger gibt. Kommissarisch wird die Schule deshalb ab dem kommenden Schuljahr von  ihrer Kollegin Gabriele Müller geleitet. „Dass gegenüber der Schule ein Neubaugebiet entsteht, wird dafür sorgen, dass die Schule genügend Anmeldungen für zwei Klassen je Jahrgang bekommt“, ist Astrid Horstkamp  überzeugt.

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Dass sie beruflich einmal etwas mit Kindern machen würde, war für sie nie eine Frage. Nach dem Besuch der Evangelischen Volksschule an der Böhlstraße, machte sie am Weseler Mädchen-Gymnasium (heute Andreas-Vesalius-Gymnasium) ihr Abitur und studierte anschließend in Duisburg  Deutsch, Geschichte und Biologie auf Lehramt. Weil Ende der 70er Jahre die Zahl der freien Stellen an Grundschulen  gering war, kam sie zur Hauptschule am Lauerhaas, wo es ihr überraschenderweise sehr gut gefallen hat. „Zehn Jahre war ich dort und wäre auch noch gerne länger geblieben, wenn mein Mann dort nicht stellvertretender Schulleiter geworden wäre.“  So kam es, dass sie 1987 zur Evangelischen Böhlschule wechselte – in die Schule ihrer Kindheit. Dort bliebt sie bis 2001. Zwölf Jahre sammelte sie in der Innenstadt-Grundschule reichlich Erfahrung als Konrektorin, um dann die Gemeinschaftsgrundschule am Quadenweg von Rektor Paul Schneider zu übernehmen. „Egal, wo ich während meines Berufslebens war, immer hatte ich Glück mit den Kollegien und den Kindern.“

 Apropos Kinder: Was Astrid Horstkamp immer besonders gefreut hat ist, wenn ehemalige Schüler aus der Lauerhaas-Zeit nun ihre eigenen Kinder am Quadenweg angemeldet haben: „Das war immer ein schönes Gefühl.“  Kein schönes Gefühl wird es  dagegen sein, wenn sich Astrid Horstkamp, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann in Voerde lebt, nun von ihren Schülern verabschieden muss. „Ich weiß zwar nicht genau, was da zu meinem Abschied geplant ist, aber ich durfte in den vergangenen Tagen in den Pausen nicht raus, weil da offensichtlich etwas geprobt wurde.“

Angesprochen auf mögliche Wünsche, die sie sich mit ihrem Eintritt in den Ruhestand erfüllen möchte, sagt die sportliche Pädagogin: „Mehr Tennis spielen, schwimmen, wandern, mehr Zeit für Freunde haben. Ich lasse das einfach alles mal auf mich zukommen.“ Natürlich werden sie und ihr Mann künftig auch reisen. Nur eben außerhalb der Ferienzeit. Vorteil ist natürlich, dass Urlaub in der Nebensaison in aller Regel deutlich billiger wird und es eigentlich überall nicht so voll ist. „Andererseits“, bedauert Astrid Horstkamp, „sind außerhalb der Ferien kaum noch Familien mit Kinder unterwegs. Und das finde ich wirklich schade.“

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