Der Sender Wesel, höchstes Bauwerk in NRW, wird 50

Wesel : Der Fernsehturm wird 50

Der Verein Kunst und Kultur in Ginderich plant eine Geburtstagsfeier für das höchste Bauwerk in Nordrhein-Westfalen. Der Sender Wesel, im Volksmund Fernsehturm Büderich, ist seit 50 Jahren in Betrieb.

Auch mit 50 hat er immer noch eine enorme Ausstrahlung. Der Sender Wesel ist die Landmarke schlechthin. Gut 320 Meter hoch ist der rot-weiße Stahlgittermast, der im Volksmund als Büdericher Fernsehturm Büderich bekannt ist. Marie-Therese und Manfred Bauer verorten ihn gar in Perrich. Da sind die beiden, die heute in Ginderich wohnen, aufgewachsen. im schlanken Schatten des höchsten Bauwerks in Nordrhein-Westfalen. Und immer, wenn es auf Heimfahrten in Sicht kommt, dann wissen sie: jetzt sind wir gleich zuhause. So geht es vielen in Wesel und Umgebung. Einige dürften gar dabei gewesen sein, als der heute von der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) betriebene Mast am 23. September 1968 von Bundespostminister Werner Dollinger bei einem großen Fest in Betrieb genommen wurde.

Manfred Bauer, damals fünf und mit seinem Großvater ständiger Beobachter der Bauphase, kam vor einiger Zeit auf die Idee, dass es jetzt 50 Jahre her sein müsste. Seine Frau Marie-Therese, Vorsitzende des Vereins Kunst und Kultur in Ginderich, stürzte sich in umfangreiche Recherchen und entwickelte Ideen für eine Geburtstagsveranstaltung.

Das Fest war schon für den 7. Juli vorgesehen, wird aber wegen Terminschwierigkeiten bei Akteuren der DMFG voraussichtlich erst am 1. September am Senderaum des Turms stattfinden. Die Zeit will Marie-Therese Bauer nutzen, um weitere Zeitzeugen zu finden. Einige Experten hat sie schon gewinnen können, nun geht auch ein Aufruf an Leute, die damals als Kinder oder Jugendliche dabei waren.

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Wer sind zum Beispiel die jungen Damen auf einem Foto, die sich von Minister Dollinger Autogramme geben ließen? Auch hatte es Malwettbewerbe in den Schulen gegeben. Hauptpreis war ein Fußball. Der war von Moll in Goch und kostete seinerzeit stolze 27 Mark und ein paar Pfennige. Wer hat ihn wohl gewonnen? Und: Wer hat damals fotografiert und kann noch etwas für eine Ausstellung in der Dorfschule beisteuern? Marie-Therese Bauer ist für jeden Hinweis dankbar und unter den Rufnummern 02803 1493 sowie 0171 6736888 zu erreichen.

Dass es sich bei der Einweihung um ein Ereignis ersten Ranges handelte, beweist ein Blick auf die 70 Positionen zählende Gästeliste der „Offiziellen“: ein Bundestagsabgeordneter, vier Landtagsabgeordnete, ein ganzer Schwung von Bürgermeistern, Verwaltungsspitzen, Geistlichen, Rektoren und Hauptlehrern, ferner die Bundeswehr, Firmen, Verbände. Allein in der Rubrik Rundfunk, Fernsehen, Presse sind 15 Gäste verzeichnet. Von der dpa über die Tagesschau bis zur „Hör zu“. Ein weiteres halbes Dutzend Medienvertreter zählte zum Tross aus den Niederlanden. Denn „Der Büdericher Stachel strahlt bis weit nach Holland hinein“ titelte vor 50 Jahren eine Zeitung. Die Bundespost würdigte das Ereignis mit einem Sonderstempel. Die Büdericher Brauerei Hardering ließ besonderer Bierdeckel bedrucken.

Aus dem Album eines Sammlers: Oben nimmt Bundespostminister Werner Dollinger den Sender per Knopfdruck in Betrieb, unten das erste Empfangsbild. Foto: Fritz Schubert
Bundespostminister Werner Dollinger gibt Autogramme. Wer sind die jungen Damen? Foto: Fritz Schubert

Nicht minder interessant ist auch die Vorgeschichte. So hätte sich um ein Haar die Gemeinde Hünxe rühmen können, das höchste Bauwerk des Bundeslandes beherbergen zu dürfen. Doch wegen des untertägigen Kohlebergbaus schied dieser Standort als zu unsicher aus. Dass Büderich im Einflussgebiet des Salzbergbaus liegt, scheint bei der Entscheidung damals keine Rolle gespielt zu haben.

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