Wesel Realschule Mitte: Schulleiterin Margit Ickert verabschiedet

Wesel : „Dass die Realschule ausläuft, schmerzt“

Am Donnerstag wird Margit Ickert, seit 2001 Leiterin der Weseler Realschule Mitte, verabschiedet.

Sie sind doch noch jung und fit. Warum jetzt schon der Abschied mit 62? Hat das etwas mit dem Auslaufen Ihrer Schule zu tun?

Margit Ickert Überhaupt nicht. Die Idee, vier Jahre früher in den Ruhestand zu treten, hatte ich schon 2013. Es ist so, dass sich mein Mann schon seit eineinhalb Jahren im Ruhestand befindet und wir künftig mehr Zeit miteinander verleben möchten. Deshalb auch die Entscheidung, ein Sabbatjahr einzulegen und dann im nächsten Jahr in den vorzeitigen Ruhestand zu treten. Dass die Schule im Sommer 2021 aufgelöst wird, hat mit dieser Entscheidung nichts zu tun.

Als das Linksbündnis vor drei Jahren im Weseler Rat das Aus für Ihre und die Martini-Hauptschule beschlossen hat, konnten Sie die Entscheidung nicht verstehen. Wie sieht das heute aus?

Ickert Es schmerzt noch immer. Auch wenn ich ein Mensch bin, der nach vorne, nicht nach hinten schaut. Ich finde es nur schade, dass die Schulform Realschule immer mehr an Bedeutung verliert. Dabei erhalten unsere Schüler eine gute Basisqualifikation, um dann eine Lehre zu beginnen und später in leitender Funktion tätig zu sein.

Was sagen Sie zur aktuellen Debatte über die mehr als 20 von der Gesamtschule abgewiesenen Grundschüler mit Hauptschulempfehlung, die nun von der Duden-Realschule aufgenommen werden sollen?

Ickert Ich kann dazu nur sagen, dass die Mehrheit der Eltern ganz offensichtlich eine zweite Gesamtschule will.

Wobei es wohl nicht genügend Schüler für eine weitere Oberstufe geben wird.

Ickert Das Problem könnte durch Kooperation mit der Lauerhaas-Gesamtschule beziehungsweise mit dem Andreas-Vesalius-Gymnasium gelöst werden. Ich könnte mir vorstellen, dass der Standort einer zweiten Gesamtschule unser Schulgebäude werden könnte. Ich sehe das so, dass es irgendwann in Wesel nur noch Gesamtschulen und Gymnasien geben wird. Die Realschulen sind auf dem Rückzug. Vor zehn Jahren hatten wir in den Kreisen Wesel und Kleve noch 24 Realschulen. Lediglich neun sollen nicht auslaufen.

Wenn Sie nun ein Sabbatjahr einlegen, wer leitet dann die Realschule Mitte?

Ickert Heike Tuda, die vergangene Woche die Xantener Realschule als kommissarische Leiterin schließen musste und die mit einer halben Stelle schon seit 2017 bei uns tätig ist. Sie wohnt in Wesel und war früher schon mal bei uns zweite Konrektorin und kennt hier alles.

Und was passiert mit Ihren Kollegen im Sommer 2021? Wie groß ist das Kollegium derzeit noch?

Ickert An der Schule unterrichten 18 Lehrerinnen und drei Lehrer. Einige werden dann in den Ruhestand treten, andere versetzt oder abgeordnet.

Wie viele Schüler gibt es derzeit noch bei Ihnen?

Ickert Wir werden im neuen Schuljahr noch eine reine Flüchtlingsklasse, drei achte Klassen und je zwei neunte und zehnte Klassen haben.

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Haben Sie den Eindruck, dass die Kinder heute anders sind als vor 20 oder vor 40 Jahren? Was kann die heutige Generation, was die Kinder früher nicht konnten?

Ickert Die Kinder heute müssen sich auf viel mehr einlassen. Das Wissen, was ihnen vermittelt wird, ist sehr viel umfangreicher. Und es bleibt zu wenig Zeit, um ihnen das Basiswissen zu vermitteln. Oder um es deutlicher zu sagen: Es kann oft nicht intensiv genug an einer Sache gearbeitet werden. Doch dafür können die Schüler nichts. Was sich auch verändert hat: Die Kinder machen heute kaum noch simple Streiche. Nur die Stinkbomben sind geblieben.

Es gibt einen sehr rührigen Verein der Ehemaligen. Werden Sie sich ihm anschließen?

Ickert Ich bin dort stets zu Gast und werde natürlich Vereinsmitglied. Denn auch wenn es die Schule nicht mehr gibt, gibt es ja noch viele Tausend ehemalige Realschüler.

Werden Sie die gewonnene Freiheit nutzen, um etwas Besonderes zu tun? Ein besondere Reise beispielsweise?

Ickert Nein, ich lasse das alles auf mich zukommen.

Und was ist mit Hobbys?

Ickert Ich werde natürlich mehr Zeit haben, um mich um unseren Nutzgarten zu kümmern. Und natürlich werden wir mehr Radfahren und uns ins Auto setzen. Dann das macht mir Spaß.

Spaß am Autofahren? Dann fahren Sie gewiss ein Cabrio oder einen Oldtimer.

Ickert (lacht) Stimmt. Ich hatte immer schon Interesse an Autos und Technik.

Wären Sie da nicht vielleicht gerne Kfz-Mechanikerin geworden?

Ickert Ich wollte schon als Grundschülerin Lehrerin werden und würde es immer wieder tun. Aber ehrlich gesagt, habe ich mit dem Gedanken gespielt, wenn ich mein erstes Staatsexamen nicht schaffe, als Busfahrerin zu arbeiten. Das wäre mein Ding gewesen, so mit Gästen im Reisebus durch die Welt fahren.

Klaus Nikolei führte das Gespräch.

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