Wesel: Bauverein trennt sich fristlos von Chefin

Wesel: Bauverein trennt sich fristlos von Chefin

Anett Leuchtmann ist beim städtischen Bauverein mit sofortiger Wirkung entlassen. Ihr wird vorgeworfen, private und geschäftliche Dinge vermengt zu haben. Die 53-Jährige wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Die Bauverein Wesel AG hat sich mit sofortiger Wirkung von ihrer Chefin Anett Leuchtmann (53) getrennt. Dies erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Offiziell läuft das Arbeitsverhältnis von Leuchtmann mit dem Bauverein als städtischer Wohnungsbaugesellschaft noch bis Ende Juli 2018. Nachdem es schon zuletzt zu Konflikten wegen angeblich zu hoher Gehaltsforderungen gekommen war, war Leuchtmann mitgeteilt worden, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde. Nun hat der Aufsichtsrat allerdings überraschend schon vorab die Reißleine gezogen: Hintergrund soll sein, dass Leuchtmann Privates und Berufliches in ihrem Geschäftsfeld nicht ausreichend getrennt hat.

Leuchtmann ist mit dem Architekten Hermann Hofmeister aus Österreich liiert, der wiederum in Wesel für zahlreiche Bauprojekte verantwortlich war und ist, unter anderem für den Ex-Kreiswehrersatzamt-Standort an der Kreuzstraße und für den Umbau des Marien-Hospitals. An der Kreuzstraße ist es zuletzt zu Verzögerungen gekommen - diese werden in Teilen auch Hofmeister angelastet. Der Bauverein lässt dort als einer von mehreren am Projekt beteiligten Partnern Wohnungen errichten. Dabei, heißt es, habe Leuchtmann einen vorherigen Architekten aus einem Teilprojekt herausgedrängt, stattdessen sei ihr Partner Hofmeister an den Auftrag gekommen.

Leuchtmann und Hofmeister wohnen im Ortskern von Hamminkeln. Dort hat auch die Acuo Bausachverständigen GmbH von Hofmeister ihren Sitz.

Leuchtmann selbst bestätigte gestern unserer Redaktion, dass in ihrem Kündigungsschreiben Vorwürfe dieser Art erhoben worden sind. Sie entgegnete: "Gegen die Vorwürfe verwehre ich mich aufs Äußerste. Ich habe Privates und Berufliches immer getrennt. Ich habe auch nichts zum Schaden des Unternehmens gemacht. Meine gesamte Arbeit diente bis zuletzt dem Wohle des Bauvereins." Sie werde juristisch beraten. Ob die Kündigung damit vor Gericht Bestand hätte, ist noch offen. Konkret zurückweisen wollte sie auch den Vorwurf, einen früheren Architekten "rausgeworfen" zu haben. Es sei eine "wohlüberlegte Handlung" mit den Prokuristen gewesen.

  • Weseler Wohnungsriese : Bauverein-Querele schwelte schon länger

Der kommissarische Bauvereinschef Franz Michelbrink wird die Personalie heute den Bauvereins-Mitarbeitern verkünden. Er soll es auch gewesen sein, dem die angeblichen Unregelmäßigkeiten in der Leuchtmann-Amtszeit aufgefallen waren. Die mit dem Bauverein politisch befassten Gremien gehen davon aus, dass es zu einem Gerichtsprozess kommt.

Wie berichtet, hatte es schon Ende 2017 einen Konflikt zwischen Leuchtmann und den Bauvereinsverantwortlichen in der Politik gegeben. Damals ging es um ihre Vertragsverlängerung und das von Leuchtmann angeblich geforderte Gehaltspaket aus Geld, Dienstwagen, Urlaubstagen, Versicherungen und ähnlichen Bestandteilen. Leuchtmann soll mit ihrem Jahresgehalt von angeblich zuletzt 163.000 Euro inklusive Dienstwagen nicht mehr zufrieden gewesen sein. Mehr als Wesels Bürgermeisterin hätte sie damit verdient. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD) teilte Leuchtmann daraufhin wenige Tage vor Weihnachten mit, dass es zu keiner Verlängerung ihres Vertrages kommen werde. Von unserer Redaktion zu den Hintergründen befragt, sagte Leuchtmann im Dezember: "Die wahren Hintergründe kann ich nicht nennen." Die 53-Jährige kündigte damals an, sich nach beruflichen Alternativen umzusehen.

Anett Leuchtmann war seit 2006 Mitglied des Vorstandes, seit August Alleinvorstand des Bauvereins. Gebürtig stammt sie aus der DDR, wurde Bauzeichnerin, studierte Bauingenieurwesen. Nach dem Fall der Mauer wurde sie mit 25 Jahren Betriebsratsvorsitzende von RFT Radio-Television in Berlin, einem Staatskonzern mit mehr als 600 Mitarbeitern, wurde dann Geschäftsführerin einer kommunalen Wohnungsgesellschaft in der Niederlausitz. In ihre Zeit beim Bauverein fiel lange der Konflikt mit den sogenannten kritischen Aktionären, der aber zuletzt befriedet werden konnte.

Leuchtmann wurde zuletzt Stadtwerkechef Franz Michelbrink zur Seite gestellt. Er führt den Bauverein nun vorerst alleine. Im Dezember 2019 wird er bei den Stadtwerken pensioniert. Sein Amt als kommissarischer Bauvereinschef wird er allerdings schon früher wieder abgeben. Die Ausschreibung für die Nachfolge von Anett Leuchtmann läuft - 50 Bewerbungen seien eingegangen, hieß es.

(RP)