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Bundestagswahl Wesel 1: SPD-Politiker Rainer Keller gewinnt den Wahlkreis Wesel I

„Bin überwältigt“ : SPD-Politiker Rainer Keller gewinnt den Wahlkreis Wesel I

Nach zwölf Jahren kann die SPD den umkämpften Wahlkreis Wesel I zurückerobern. Die CDU-Abgeordnete Sabine Weiss verliert ihr Direktmandat – ob sie über die Liste in den Bundestag einzieht, ist unklar. Die SPD gewinnt im Kreis Wesel alle Wahlkreise.

Sabine Weiss hat nach drei gewonnenen Wahlen und zwölf Jahren im Bundestag ihr Direktmandat verloren. Ihr Nachfolger wird der 55-jährige Sozialdemokrat Rainer Keller, der den Wahlkreis Wesel I bei der Bundestagswahl zurückerobert hat. Keller sagte am Sonntagabend im Kreishaus in Wesel: „Ich bin überwältigt.“ Unter dem Jubel seiner Parteifreunde wurde er dort empfangen. Als Keller seinen Sohn umarmte und ihm für seine Unterstützung in den vergangenen Monaten dankte, hatte er Tränen in den Augen. „Demokratie lebt vom Wechsel – ich verkörpere hier in Wesel den Wechsel“, sagte Keller.

Kurz vor Ende der Auszählung aller Stimmen lag der SPD-Politiker uneinholbar vorne. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren mehr als 90 Prozent der Stimmbezirke ausgezählt. Keller kam zu diesem Zeitpunkt auf 34,4 Prozent der Erststimmen, Sabine Weiss lag knapp unterhalb von 30 Prozent. Drittplatzierter ist Hans-Peter Weiß von den Grünen, der auf knapp über zwölf Prozent kam. Der FDP-Abgeordnete Bernd Reuther aus Wesel wird auch dem neuen Bundestag wieder angehören. Weil die FDP bei den Zweitstimmen gut abschneidet, wird Reuther wieder über die Landesliste der Liberalen ins Parlament einziehen.

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Bei den Sozialdemokraten herrschte am Wahlabend große Feierstimmung. „Mann tut das gut“, sagte eine Genossin. Peter Paic, der 2020 für die SPD Landrat im Kreis Wesel werden wollte, sagte: „Rainer, das ist ein historisches Ergebnis.“ Und: „Der Kreis Wesel ist wieder rot.“ Die Sozialdemokraten gewinnen im Kreis Wesel alle drei Direktmandate – zwei davon erobern sie von der CDU zurück. Im Kreishaus zog Rainer Keller das Hosenbein seines Anzugs nach oben und zeigte die Farbe seiner Socken: rot. „Die Rote-Socken-Kampagne war nicht erfolgreich“, sagte er.

 FDP-Politiker Bernd Reuther zieht über die Liste in den Bundestag ein.
FDP-Politiker Bernd Reuther zieht über die Liste in den Bundestag ein. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Bei der CDU hingegen war der Frust groß. Sabine Weiss selbst kam nicht ins Kreishaus. Stellvertretend für die CDU gratulierten die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik und Wesels CDU-Chef Sebastian Hense. „Starker Wahlkampf“, sagte Quik in Kellers Richtung. Sie zeigte sich gleichwohl enttäuscht, dass Sabine Weiss nach zwölf Jahren, in denen sie in Berlin sehr gute Arbeit geleistet habe, nun die Wahl verloren hat. Verantwortlich dafür machten Quik und Hense vor allem den Bundestrend. An den Wahlkampfständen seien sie oftmals auf die Patzer des Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, angesprochen worden, allen voran dessen Lachen im Flutgebiet. „Das ist hängen geblieben“, sagte Quik. „Wir sind leider kaum dazu gekommen, über Inhalte zu sprechen“, sagte Hense. Dennoch wolle man sich nicht aus der Verantwortung stehlen und Gespräche über eine künftige Regierung mit Grünen und FDP führen.

Bei Hans-Peter Weiß, dem Grünen-Kandidat, war ebenfalls Enttäuschung zu spüren. Im Kreishaus sagte er, er habe sich insgesamt ein besseres Ergebnis der Grünen erhofft. Dass es so nicht gekommen ist, erklärte er mit einer „Angst vor Veränderung“. Dennoch werden die Grünen wahrscheinlich Teil einer neuen Bundesregierung sein. Weiß selbst zeigte Präferenzen für ein Bündnis mit der SPD, machte dies aber von den Inhalten abhängig.

Bernd Reuther war mit Abstand der gelassenste Gesprächspartner, den man finden konnte. Er freute sich über seinen Wiedereinzug in den Bundestag und das Ergebnis der FDP.

Die CDU musste in Hamminkeln herbe Verluste hinnehmen. Bei den Zweitstimmen verlor sie rund zehn Prozentpunkte und kam nur noch auf 32,7 Prozent. Die SPD legte um fast sechs Punkte auf 29,8 Prozent zu. Ein ähnliches Bild ergibt sich in Schermbeck: Die CDU verliert neun Prozentpunkte und kommt auf 31,3 Prozent Zweitstimmen. Die SPD gewinnt fünf Punkte und landet bei 28 Prozent.