1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen Für eine Grippeimpfung ist Geduld gefragt

Impfstoff in Wermelskirchen vergriffen : Für eine Grippeimpfung ist Geduld gefragt

Viele Hausärzte und Apotheken haben in Wermelskirchen aktuell keinen Impfstoff gegen Grippe mehr vorrätig. Die Lage sei aber nicht dramatisch, betonen Ärzte und Apotheker.

Wer sich im Moment in Wermelskirchen gegen Grippe impfen lassen will, dürfte es schwer haben. Das gilt für Privatpatienten genauso wie für gesetzlich Versicherte. „Wir haben aktuell keinen Impfstoff mehr vorrätig“, sagt Apothekerin Ursula Buhlmann. Und auch die Vorräte bei den Ärzten haben sich in vielen Fällen dem Ende zugeneigt. „Wir waren sehr überrascht von der großen Nachfrage“, sagt Ärztesprecher Tobias Hopff. Beinahe jeder zweite Anruf sei inzwischen ein Patient, der nach dem Impfstoff frage.

Am Anfang habe die Praxis ihn noch großzügig vergeben. „Als wir merkten, wie groß die Nachfrage ist, mussten wir anfangen, Unterschiede zu machen“, sagt Hopf. Es wurden nur noch Menschen aus Risikogruppen oder ab 70 Jahre geimpft. Junge, gesunde Patienten müssen sich aktuell hinten anstellen. Das gilt auch in der Hausarztpraxis von Thomas Schwitalla: „Wir haben von Anfang an nur Risikopatienten geimpft“, sagt der Arzt. Der Impfstoff sei ihnen aus den Händen gerissen worden. Dabei habe er in diesem Jahr ohnehin schon mehr Dosen als in anderen Jahren bestellt. Aber die jungen, gesunden Patienten kämen nun eben erst an die Reihe, wenn es neuen Impfstoff gebe. „Das ist aber auch nicht dramatisch“, sagt der Arzt. Die meisten Patienten hätten Verständnis.

Auch Apothekerin Ursula Buhlmann ruft zur Gelassenheit auf: „Die erste Charge ist weg“, sagt sie, „aber der Impfstoff wird nachproduziert. Wir brauchen jetzt einfach ein bisschen Geduld.“ Die aktuelle Knappheit habe damit zu tun, dass die benötigten Mengen für den Grippeimpfstoff schon im Januar abgefragt würden. Da war die Corona-Pandemie noch weit weg. Ärzte bestellten bei den Apotheken die üblichen Mengen. „Für gesetzlich versicherte Patienten sorgen die Ärzte dann für einen gewissen Vorrat“, erklärt die Apothekerin. Mit der Empfehlung des Gesundheitsministers, sich in Corona-Zeiten zumindest gegen die Grippe abzusichern, sei die Anfrage dann aber extrem gestiegen. „Das Impfbewusstsein hat sich schlagartig verändert“, sagt auch Thomas Schwitalla. Inzwischen gebe es in Praxen auch für Impfungen gegen Gürtelrose und Pneumokokken Wartelisten, sagen die Ärzte.

Ursula Buhlmann ist aber optimistisch, dass bald Nachschub kommt – und das gilt auch für Privatpatienten. Die müssen sich selbst um die Medikamente kümmern. „Wir stellen auch dort einen deutlich erhöhten Bedarf fest“, sagt Ursula Buhlmann. Inzwischen würden nicht nur Wermelskirchener Patienten in der Apotheke anrufen, sondern auch Menschen aus den Nachbarstädten, die auf der Suche nach den wenigen verbliebenen Dosen seien. Genauso wie die Hausärzte müssen sie nun auf die nächste Lieferung warten. „Der Impfstoff ist weiterhin bestellbar“, erklärt Ursula Buhlmann, „ich gehe nicht davon aus, dass uns am Ende wirklich Impfstoff fehlt.“ Weil der Höhepunkt der Grippewelle ohnehin erst im Januar erwartet werde, reiche es völlig, sich im November impfen zu lassen – wenn hoffentlich der Nachschub da sei. „Es dauert zwei Wochen, bis der Körper nach der Impfung die entsprechenden Antikörper gebildet hat“, sagt Ursula Buhlmann. Wer sich also im November oder Dezember impfen lasse, brauche sich keine Sorgen zu machen. Einen Nachteil allerdings bringt die kalte Jahreszeit in Sachen Grippeimpfung mit sich: Wer eine Erkältung habe, könne sich nicht impfen lassen, erklärt die Apothekerin.

In den Hausarztpraxen werden mit dem neuen Impfstoff dann erst mal die Wartelisten abgearbeitet. Und auch in den Apotheken rät Ursula Buhlmann dazu, sich als Privatpatient Impfstoff zu reservieren.