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Bedarfs-Notgruppen in allen Kita

Coronavirus in Wermelskirchen : Bedarfs-Notgruppen in allen Kindergärten

Nur wenige Kinder wurden am Montag in die Schulen zur Betreuung gebracht. Auf den ersten Schließungstag der Kindertagesstätten reagierten Mütter und Väter besonnen – der Informationsfluss hatte offenkundig funktioniert.

Keine Tränen, keine Panik, keine bösen Überraschungen: So sah der Tag 1 nach den Coronavirus-Anordnung durch die Landesregierung in Wermelskirchener Schulen und Kitas aus. Elvira Persian, Leiterin des Gymnasiums, brachte es auf den Punkt: „Die Wermelskirchener Eltern scheinen das Problem ohne Unterstützung lösen zu können.“

Ins Gymnasium kamen am Montagmorgen vier Kinder. Die wurden in einer Notgruppe betreut. Mehr als fünf dürfen auch nicht in so eine Gruppe. Die Lehrer trafen sich gestern zur Dienstbesprechung und bereiteten Hausaufgaben für Schüler vor. „Wir sind mit den Schülern durch ein schulinternes Mailsystem vernetzt“, so Persian. Die Sekundarstufe 1 bis Klasse 9 bekommt für etwa drei Stunden pro Tag Hausaufgaben bis 18 Uhr am Vorabend; dafür gibt es dann keine Noten, aber wie Umsetzung ist, fließt in die Leistungsbewertung.

In die Sekundarschule kamen gestern Schüler, um Unterrichtsmaterial abzuholen. Das wird laut Schulleiter Dietmar Paulig auch heute noch der Fall sein. „Das ist alles diszipliniert abgelaufen, ohne dass die Schüler Kontakt hatten.“ Zwei Schüler der fünften Klasse wurden gestern betreut – notfalls bis zu den Osterferien: „Sie kommen aus Familien, deren Eltern unabkömmlich sind.“ Die Sekundarschüler sind ebenfalls im Homeoffice-Modus und bekommen über Klassen-Netzwerke Unterrichtsmaterial – über den gesamten Fächerkanon. Für die Lehrer, so Paulig, besteht jetzt die Gelegenheit, konzeptionell zu arbeiten.

Alle fünf Grundschulen werden Notgruppen einrichten, erklärte auf Anfrage Schwanenschulleiterin Katrin Wagner. „Dazu sind wir verpflichtet.“ Die Schreiben an die Eltern sind raus. Bis Mittwoch erwarten wir die Rückmeldungen, dann entscheiden die Schulleitungen nach festgelegten Kriterien. Fünf Kinder besuchten gestern Morgen die Schwanen-Grundschule. „Ich hätte mit mehr gerechnet“, so Katrin Wagner.

Am ersten Tag der Schließung der Kindertagesstätten standen die Eltern mit ihren Kindern nicht Schlange. Das bestätigten drei der insgesamt 17 Wermelskirchener Kitas auf Anfrage unserer Redaktion: Unisono verwiesen die drei Leitungen auf den funktionierenden Informationsfluss zwischen den Einrichtungen und den Eltern – die Kitas hatten sie noch vor dem Wochenende über die bevorstehende Schließung in Kenntnis gesetzt, wodurch eine Reaktionszeit von zumindest zwei Tagen gegeben war. Ab Dienstag, 17. März, wird in jeder Tageseinrichtung eine Notfall-Gruppe zur Betreuung von Jungen und Mädchen, deren Eltern in sogenannten Schlüsselberufen arbeiten, eingerichtet.

„Zu uns sind am Vormittag keine Kinder gekommen – es gab einen guten Informationsaustausch“, beschreibt Denise Brodehl, stellvertretende Leiterin des evangelischen Kindergartens in Tente: „Die Elternschaft hat entspannt und gelassen reagiert – wohlwissend, dass Panik keinen Sinn macht.“ Die diensthabenden Erzieher wären alle zur Arbeit gekommen und erledigten Tätigkeiten, die im Alltag nicht zu absolvieren seien. Ob Mitarbeiter gezwungenermaßen Urlaub nehmen müssten, werde sich zeigen und sei bislang reine Spekulation.

„Unser Träger und damit auch wir folgen den Maßgaben des Ministeriums“, sagt Birgit Fischer, Leiterin der „Wunderwelt“-Kita vom Deutschen Roten Kreuz: „Es gab am ersten Tag der Schließung keine Probleme, alle Betroffenen waren im Vorfeld gut informiert.“ Die Eltern zeigten sich „wirklich besonnen“ und hätten offensichtlich „den Ernst der Lage erkannt“. Die Erzieher im Einsatz würden sich wie andernorts auch durchaus mit pädagogischer Arbeit beschäftigen: „Zum Beispiel wird das Beobachtungssystem, das die Entwicklungen eines jeden Kindes dokumentiert, vervollständigt.“

Natürlich hätten einige Eltern ihre Sorge kundgetan, wie die Betreuung ihrer Kinder über mehrere Wochen zu schaffen ist, berichtet die Leiterin der evangelischen Kita Wielstraße, Marion Ortmann, von ihren Telefonaten, in denen sie über die Schließung informiert hatte. Es gelte nunmehr, Ruhe zu bewahren, kreative Lösungen zu finden und auf häuslicher Ebene, die Familienzeit zu genießen und das Frühlingswetter zu nutzen. In den Augen von Marion Ortmann, würde die Situation teils überspitzt dargestellt. „Großeltern im Alter von 50 bis 60 Jahren können ihr Enkelkind betreuen, denn sie gehören noch nicht zur Risikogruppe. In manchen Fällen wird es darauf hinaus laufen“, schätzt die 52-Jährige ein, die ebenso Großmutter ist: „Wir hoffen auf eine Entschärfung der Lage in den kommenden zwei bis drei Wochen.“

Mit den Notgruppen soll eine anderweitige Bündelung der Kinder als im bisherigen Kindergartenbetrieb verhindert werden“, erläutert Marion Ortmann. Diese Notgruppenbetreuung können allerdings ausschließlich Eltern in Anspruch nehmen, die nachweislich beide in Schlüsselberufen tätig sind. Ein Nachweis darüber muss ab Mittwoch, 18. März, vorgelegt werden. Benötigt wird eine Bescheinigung über die Unentbehrlichkeit am Arbeitsplatz vom Arbeitgeber.