Rockoper Tommy in der Gesamtschule Wassenberg aufgeführt 2020

Aufführung in Wassenberg : Tommy als audiovisuelles Erlebnis

50 Jahre nach Erscheinen des Konzeptalbums der Rockgruppe „The Who“ brachten eine Band und eine Schauspielgruppe die Rockoper in individueller Version auf die Bühne. Die war jetzt in Wassenberg zu erleben.

Gleichsam als Hommage an die Rockgruppe „The Who“ und als Neuinterpretation eines ihrer bekanntesten Werke gestalteten die Band „Flying Circus“ und die Schauspielgruppe „theater FunDaMental“ den Auftritt im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule, der von der Kunst, Kultur und Heimatpflege gGmbH veranstaltet wurde. Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre nach Erscheinen des Konzeptalbums „Tommy“ im Jahr 1969 führten sie diese erste Rockoper in der Rockgeschichte überhaupt auf. Dabei wurde die live dargebotene Musik von eigens für die Aufführung entwickelten Schauspielszenen begleitet.

Die 200 Zuhörer erlebten somit die Geschichte des taubstummen und blinden Tommy Walker ebenfalls auf visueller Ebene mit. Zusätzlich ließen die Musiker von „Flying Circus“ zur Moderation von Sänger Michael Dorp einige weitere Hits der großen britischen Rockgruppe hören.

Der Musikmarkt hatte sich Mitte und Ende der 1960er Jahre insofern verändert, als dass mehr komplette Alben an Stelle von Singles herausgegeben wurden. So erschien 1969 auch das Konzeptalbum von „The Who“. Im ersten Konzertteil ließen die fünf Musiker von „Flying Circus“ Lieder aus der Zeit vor „Tommy“ und danach, auch aus der anderen Rockoper „Quadrophenia“, hören. Sie interpretierten sie klanglich opulent und ausdrucksvoll, wobei die einzelnen Akteure gesanglich oder in längeren instrumentalen Parts durch großes Können und Leidenschaft überzeugten.

Ebenso im Hauptteil glänzte die Band und brachte die Stücke der Rockoper in fulminanter Spielart dar, während die zwölf Darsteller durch engagiertes, unaufgeregtes Spiel Sequenzen aus Tommys Lebensgeschichte bewegend darstellten. Als Junge hatte er mitansehen müssen, wie sein aus dem Krieg zurückgekehrter Vater den Liebhaber der Mutter erschlug. Beide baten inständig darum, dass er nichts vom Erlebten weitersagt. Entsprechend war das Lied „You Didn‘t Hear It (1921)“ eindringlich zu vernehmen.

Im weiteren Verlauf stand Tommy, in weißer Kleidung mit nach oben verdrehten Augen, im Mittelpunkt des Geschehens. Er war aufgrund seiner – laut einer Diagnose psychosomatisch bedingten Behinderung – sozial isoliert. Seinen Erfahrungen unter anderem von Misshandlung und Missbrauch, die in den Schauspielszenen angesichts seiner Hilflosigkeit besonders schockierend wirkten, folgten große Erfolge als Flipperspieler. Einer Kommerzialisierung seiner Heilungsgeschichte und Gabe stellte sich Tommy allerdings entgegen.

In den insgesamt 23 kürzeren oder längeren Liedern erlebten die Zuhörer wichtige Stationen im Leben des Tommy Walker mit. Etwa dessen Geburt mit „It‘s a Boy“, seine fehlende Zuordnung wichtiger Feiertage in „Christmas“ oder die Annäherung einer dubiosen Zigeunerin in „The Acid Queen“. Die Zeile „See me, feel me, touch me, heal me“ war dabei wiederholter Bestandteil der Texte und wurde von den Musikern sehr emotionsgeladen dargebracht. Zur verschiedenartigen instrumentalen Interpretation brachte sich übrigens Gitarrist Michael Rick abwechselnd mit E-Gitarre, Akustik-Gitarre sowie verschieden gestimmten Gitarren entsprechend ein.

Das Publikum im Gesamtschul-Forum verfolgte gebannt das Geschehen und ließ sich von der vielschichtigen Umsetzung der Geschichte, zu der 1975 ein Film mit eigenem Soundtrack in enger Anlehnung an die Stücke sowie später ein Musical erschienen, begeistern. Unmittelbar nach dem letzten Ton stand es geschlossen auf und applaudierte lang anhaltend.