Kommentar: Wassenberger Dorf-Zukunft mitgestalten

Kommentar : Dorf-Zukunft mitgestalten

Der Begriff „Heimat“, lange als nostalgieverliebt und rückwärtsgewandt belächelt, erlebt eine neue Hochkultur. Das Land benannte ein Ministerium so und fördert ausdrücklich die Stärkung kleiner Orte durch ein Dorferneuerungsprogramm, von dem auch Wassenberg profitiert.

Und doch: Immer mehr Dörfer haben mittlerweile kein Geschäft und keine Wirtschaft mehr. Die Jugend zieht es zunehmend in die Städte mit breitem Freizeitangebot. Das „platte Land“ bedeutet für viele von ihnen schlicht „tote Hose“. Den blumigen Bekundungen der „Heimatministerin“ stehen trockene Analysen von Strukturökonomen entgegen, die ganz anderes fordern. Nämlich eine Schwerpunktförderung der großen Städte, damit sie dem Wunsch immer mehr jüngerer Menschen, dort zu leben, entsprechen können. Nichts gegen die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum in Großstädten, aber Regionen gegeneinander auszuspielen, ist der falsche Weg und schadet letztlich dem ländlichen Raum.

Die Bewohner haben es selbst in der Hand, solcher Denkweise das Wasser abzugraben: indem sie aktiv werden für ihr Dorf. Das kann durch Beteiligung an Projekten unter Federführung der Stadt sein, wie etwa beim geplanten Bürgerzentrum in Ophoven. Aber die Stadt muss nicht mal vorausgehen. Bürger können auch selbst das Heft in die Hand nehmen. In Effeld macht eine immer größer werdende Bürgergruppe vor, wie das gehen kann. IGEL, die „Interessengemeinschaft Effelder Leben“, die bald Verein werden wird, plant den Aufbau eines Service- und Nahversorgungszentrums. Es gibt dafür unterschiedliche Modelle, aber alle basieren auf viel ehrenamtlichem Engagement. Und je mehr Bewohner bereit sind mitzumachen, desto flexibler lassen sich individuelle Zeitkontingente verwirklichen, die keinen überlasten, aber vielen nutzen.

Dass ein solches Modell funktionieren und Orten neues Leben einhauchen kann, weil dadurch auch Freizeit- und Gemeinschaftsangebote entstehen, beweisen etliche erfolgreiche Beispiele aus Orten, die die Jülicher Organisation DORV begleitet. Sie soll auch in Effeld Schützenhilfe leisten. Und wird vielleicht künftig auch Ansprechpartner für andere Dörfer ringsum? Schön wär’s.