Interessengemeinschaft Effelder Leben plant ein Nahversorgungs- und Servicezentrum nach dem DORV-Konzept

Neue Idee für Effeld : Wieder Leben fürs „DORV“-Zentrum

Die Interessengemeinschaft Effelder Leben, kurz IGEL, will im Ort ein von bürgerschaftlichem Engagement getragenes Nahversorgungs- und Servicezentrum aufbauen. IGEL folgt dabei Konzepten der Organisation DORV.

Susanne Schwab lebt seit 2011 in Effeld – und das gern. „Ich liebe den See und die waldreiche Umgebung. Das ist wie Urlaub“, sagt sie. Hier möchte sie gern alt werden, „autark alt werden“, wie sie betont. Aber bei diesen Überlegungen kamen ihr auch immer wieder Gedanken, wie ihr Leben als älterer Mensch in diesem Dorf, in dem vor rund drei Jahren das letzte Geschäft geschlossen hat, aussehen wird. „Es fehlt ein Dorfzentrum, eine Anlaufstelle, wo ich einkaufen, Menschen treffen und Freizeit verbringen kann.“ Kann man daran nichts ändern, wie kann man ein Dorfzentrum wieder beleben?“, fragte sie sich, recherchierte im Internet und stieß auf die Initiative DORV (Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung) aus Jülich-Barmen, der dort genau diese Belebung gelungen ist.

Und nicht nur in Barmen. Denn aus DORV ist mittlerweile eine Organisation geworden, die andere Orte mit fehlender oder lückenhafter Infrastruktur erfolgreich bei der Wiederbelebung ihres Ortskerns berät und begleitet. So entstanden Bürgerzentren, die Lebensmittelverkauf (zum Beispiel in genossenschaftlicher Struktur) mit einem Café als Kommunikations- und Veranstaltungsraum, Dienstleistungen und Serviceangeboten verbinden. Susanne Schwab erzählte Ewald Schmitz und Kurt Stieding von den „Naturfreunden“ im gemeinsamen Lesezirkel von ihren Gedanken und fand in den beiden engagierten Effeldern Mitstreiter bei der Idee, mit DORV Kontakt aufzunehmen.

Weitere Unterstützer aus Effelds Vereinsleben und Gastronomie kamen hinzu und legten für eine Basis-Analyse durch DORV zusammen. Gerade die in Effeld noch sehr vielseitige Gastronomie wurde immer wieder mit Nachfragen von Gästen konfrontiert, wo man denn in der Nähe schnell mal etwas einkaufen kann, erzählt Schmitz. Das Ergebnis der Analyse machte den Initiatoren Mut, ihre Idee weiterzuverfolgen. Mittlerweile ist einiges in Gang gekommen. Seit anderthalb Jahren gibt es die „Interessengemeinschaft Effelder Leben“, kurz IGEL, derzeit noch unter dem Dach der Naturfreunde. Und nun steuert IGEL die Selbstständigkeit als Verein an. Mut dazu machte ihr Mitte Juli eine Bürgerversammlung in der Effelder Bürgerhalle, zu der rund 150 Effelder kamen, um sich von DORV-Initiator Heinz Frey informieren zu lassen und ihre Wünsche für ein Servicezentrum einzubringen. „Die Resonanz hat uns alle verblüfft“, sagt Schmitz, der vor allem auch über die Bereitschaft etlicher Teilnehmer, aktiv mitzumachen, erfreut war. Dies setzte sich dann bei einer Haushaltsbefragung im September und Oktober fort, bei der 30 Ehrenamtler von Tür zu Tür gingen, über das Projekt informierten und 430 Fragebogen verteilten, von denen 85 Prozent ausgefüllt zurückkamen. „Unsere Leute berichteten über ausschließlich positive Resonanz auf die Aktion und erneut die Bereitschaft vieler mitzumachen“, sagt Schmitz.

Das ist nämlich die Voraussetzung, wenn das Konzept des multifunktionalen Dorfzentrums aufgehen soll. „Einfach wird das nicht, aber eine Herausforderung“, sagt Schwab. Bürger werden sich vielfach einbringen können: finanziell etwa durch den Erwerb von Anteilen am Dorfladen und Spenden und/oder aktiv durch Übernahme von Diensten aus dem breiten Feld der Nachbarschaftshilfen für Jung und Alt, die eine Gemeinschaft beleben, oder durch Ideen für kulturelle Angebote, die Leute im Dorfhaus zusammenbringen.

Zurzeit wird die Vereinssatzung ausgearbeitet, die in einer zweiten großen Bürgerversammlung in Kürze (Termin wird noch bekanntgegeben) vorgestellt werden soll, ebenso die Ergebnisse der Haushaltsbefragung. Über vieles muss dann noch weiter diskutiert werden, vor allem auch, wo das „multifunktionale Nahversorgungszentrum“ untergebracht werden kann: vielleicht in einem der früheren Geschäftshäuser im Dorfkern oder doch später in einem Neubau? Sicher werde das Angebot klein beginnen müssen und schrittweise wachsen, meinen die Initiatoren. Natürlich hoffen sie auch auf Gelder aus den Förderprogrammen des Landes für die Dorfentwicklung. Dafür ist die Vereinsgründung Voraussetzung. Ortsvorsteher Alexander Staaß ist von Anfang an mit im Boot, und auch Bürgermeister Winkens und die Stadt unterstützen das Konzept.