Kreis Viersen trauert um Fritz Meies

Nachruf : Trauer um Fritz Meies

Über Jahrzehnte gestaltete der Christdemokrat die Politik im Kreis und in der Kreisstadt mit. Landrat Andreas Coenen sagt: „Sein Tod hinterlässt eine große Lücke.“

Er war Mittelstürmer. Auf dem Platz, beim Fußball, beim 1. FC Viersen. Immer geradeaus, ab durch die Mitte. Und so war er auch in der Politik, die der Christdemokrat wie kein Zweiter über Jahrzehnte im Kreis Viersen und ganz besonders in seiner Heimatstadt Viersen mitbestimmte. Am Freitagmorgen ist Fritz Meies verstorben, im Alter von 79 Jahren. Er hinterlässt seine Ehefrau Sigrid, mit der er vor kurzem Goldhochzeit feierte, Sohn Friedrich jr. und drei Enkelkinder. Und Fritz Meies hinterlässt ein großes politisches Erbe.

Es ginge vermutlich schneller, alle Ämter aufzuzählen, die der gebürtige Bockerter nicht innehatte. Er war nicht nur Spieler, Trainer, Präsident und Ehrenvorsitzender des 1. FC Viersen, er war auch Stadtratsmitglied, Kreistagsmitglied, Ehrenbürger der Viersener Partnerstadt Kanew, Vize-Bürgermeister von Viersen, Parteivorsitzender des Stadtverbandes der CDU, einige Jahre auch Chef des CDU-Kreisverbandes und Vorsitzender des von ihm gegründeten Vereins „Freunde von Kanew“. Er engagierte sich im Landschaftsverband, war Verwaltungsratsvorsitzender des Allgemeinen Krankenhauses Viersen, gehörte Gremien der Sparkasse Krefeld und der regionalen Abfallwirtschaft an.

All das ist nicht falsch, aber richtiger ist vielleicht: Fritz Meies war eine knorrige Eiche. Ein Mann mit Ecken und Kanten. Und einem großen politischen Instinkt. Der für seine Überzeugungen kämpfte. Und zu seinen Überzeugungen stand. „Er hatte klare Ziele, sprach eine klare Sprache, hatte eine Vorstellung davon, wohin er seine Stadt Viersen entwickeln wollte“, sagt Paul Schrömbges, Erster Beigeordneter der Stadt Viersen.

Es war Meies, der den Kaldenkirchener nach Viersen holte. „Ich mache Karrieren“, damit brüstete sich Meies bisweilen gerne. Er wusste, dass man Menschen braucht, um gestalten zu können. Freunde schätzten an ihm seine Verlässlichkeit, und auch politische Gegner wie Jochen Häntsch, langjähriger Vorsitzender der SPD, zollen Meies Respekt. „Wir konnten miteinander streiten – und hinterher ein Bier miteinander trinken“, sagt er. „Auf Zusagen konnte man sich immer verlassen.“ Vieles habe Meies im Hintergrund bewirkt. Dass der Landschaftsverband Rheinland in Süchteln so groß vertreten ist, sei mit sein Verdienst. Und Landrat Andreas Coenen weist darauf hin, dass Meies bei aller Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Viersen bei seinem politischen Engagement stets den gesamten Kreis im Blick gehalten habe. Bestes Beispiel: Bei der Neuaufstellung der Landschaftspläne setzte sich Meies mit Nachdruck für den Schutz vieler Gebiete ein und führte zahlreiche Gespräche mit Eigentümern vor Ort. Eine Arbeit, die noch heute Früchte trage, betont der Landrat: „Die gut erhaltene Natur im Kreis Viersen verdanken wir nicht zuletzt den politischen Weichenstellungen dieser Zeit.“

Politisch zu gestalten, das liebte Meies. Und das konnte er in Viersen auch über Jahre mit einer bequemen absoluten Mehrheit seiner CDU im Stadtrat. „Die Entscheidungen werden von meiner Couch aus gemacht“, sagte er bisweilen. Dann wirkte Meies, die Zigarre in der Hand, nicht übergroß an Wuchs, fast schon napoleonisch. Und wer nicht parierte, konnte zu spüren bekommen, wie weit Meies’ Macht reichte. Politik nach Gutsherrenart hat man ihm vorgeworfen.

Doch in der rauen Schale steckte ein großes Herz. Meies, der lieber Lehrer wurde statt den Betrieb seines Vaters weiterzuführen, lieber mit Kindern arbeitete als mit Holz und mit 31 Jahren die Leitung der Körnerschule übernahm, ehe er Rektor der Hauptschule Süchteln wurde, setzte sich auch nach Unterrichtsschluss für seine Schüler ein. „Den musst du nehmen, das ist ein guter Junge“, warb er bei Unternehmern um einen Ausbildungsplatz für seine Schützlinge. Und fragte auch im Wirtschaftsförderungsausschuss immer wieder nach, wie es mit Lehrstellen für die „Bewerber mit großen Händen“ aussehe.

Seine Leidenschaft war der Sport. Er brachte nicht nur den Breitensport voran, sondern auch die Talentförderung. Das innovative „Kreis Viersener Modell“ – eine ganzheitliche Maßnahme zur Bewegungs-, Sport- und Talentförderung – entstand im Sportausschuss unter seinem Vorsitz. Dieses Amt hatte er bis zuletzt inne. Ebenso wie den Vorsitz des 1993 von ihm gegründeten Vereins „Freunde von Kanew“. Er baute eine lebendige Partnerschaft in die Ukraine auf, überzeugte mit dem ihm eigenen Talent die Viersener, zu spenden. Und rettete so manches Leben.

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