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Initiative und zwei Vereine lehnen gepanten Logistikpark in Schwalmtal ab

Widerstand in Schwalmtal : Initiative und Vereine gegen Logistikpark

Der Waldnieler Unternehmer Michael Berger sammelt Unterschriften gegen den geplanten MLP-Logistkpark auf der Rösler-Brache. Warum die beiden Vorstände der Sportvereine SC und OSC Waldniel das Vorhaben ebenfalls kritisieren.

Michael Berger, Unternehmer mit Firmensitz an der Eickener Straße 40 in Schwalmtal-Waldniel, hat am 15. Februar mit einer weiteren Person, die anonym bleiben will, die Bürgerinitiative „Nein zum Logistikpark Rösler Draht“ gegründet. Das Ziel: den Logistikpark zu verhindern, den der Investor MLP auf der Brache der früheren Rösler Draht AG plant. Dafür hat Berger (54) eine private Facebook-Gruppe eingerichtet und Unterschriftenlisten in einigen Geschäften verteilt; zudem plant er die Freischaltung einer Internetseite (www.buergergegenlogistikpark.de) am Dienstag, 23. Februar.

„Wir sind Bürger Schwalmtals, die Sorgen haben, durch die geplante Veränderung in ihrer Umgebung zukünftig Beeinträchtigungen hinnehmen zu müssen, die gesundheitsschädlich sind und die die bisherige Lebensqualität stark reduzieren“, erklärt Berger als Sprecher der Bürgerinitiative. Nach Artikeln in der örtlichen Presse hätten Nachbarn sich entschlossen, etwas gegen den Logistikpark unternehmen zu wollen. Berger beschreibt die neue Bürgerinitiative als „parteilich unabhängig“.

Er fragt zur Lage des Logistikparks: „Warum plant man in Schwalmtal grundsätzlich die Wohnbebauung direkt hinter der Autobahn, wie bei Burghof 1 und 2, und im Hinterland die Industrie?“ Große Logistikzentren wie die Bayer-Werke, der Borussia-Park oder Fichtenhain lägen direkt an der Autobahn. Die Initiative wehrt sich gegen einen 24/7-Betrieb, wie in großen Logistikzentren mit internationalen Kunden üblich: „Der gesetzliche Anspruch auf Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr sowie die Sonntags- und Feiertagsruhe müssen gewährleistet sein.“ Zudem fordert sie mehr Sicherheit für Fußgänger, Radler, Schüler und Sportler, die etwa an der Nordtangente unterwegs seien, und eine nachhaltige Lösung der Atlasten-Problematik.

Seit 2017 versucht die Gemeinde, das Gelände in Privatbesitz zu entwickeln, entweder für eine große Firma oder kleinteiliges Gewerbe. Erst 2019 gelang es nach fast zwei Jahre dauernden Gesprächen, dass der polnische Investor MLP die Fläche für  einen Logistikpark erwarb.  Geplant sind dort drei große Hallen, ein 24-Stunden-Betrieb ist zulässig.

Wegen der Altlasten gibt es nach Genehmigung von Kreis und Bezirksregierung ein Konzept, um den Boden zu versiegeln, auch das Kanalnetz wird erneuert. Dieses Vorgehen kritisiert die Initiative, schlägt  eine Wohnbebauung vor. Diese ist laut  Gemeinde  nicht zu finanzieren: Die Gemeinde müsse die Fläche kaufen, dann den Boden abtragen; dies ist laut Fachbereichsleiter Bernd Gather nicht realistisch finanzierbar. Passende Förderprogramme habe man nicht gefunden.

Lange sahen alle Fraktionen das Verkehrskonzept kritisch. Inzwischen wollen CDU und FDP zustimmen, die SPD ist noch uneins, die  Grünen lehnen das Vorhaben ab. Am Dienstag werden sich die Mitglieder im Ausschuss für Bauen, Planung und Verkehr mit Satzungsbeschluss und Durchführungsvertrag beschäftigen.

Dies ist nicht der einzig Widerstand, der sich in der Gemeinde  formiert. Auch die Vorstände des SC und OSC Waldniel kündigen ihre Bedenken gegen das Verkehrskonzept  an; diese haben an  Bürgermeister Andreas Gisbertz (CDU) und an die Ratsfraktionen geschrieben. In dem auf den Vereinsseiten veröffentlichten Brief bezeichnen sie die Pläne zur Verkehrssicherheit als „unzureichend“. In dem Schreiben heißt es: „In der Fußballabteilung des SC Waldniel gehen weit über 200 Kinder ab fünf Jahre mehrmals pro Woche dem Fußballsport nach. Mit den vielen Schülern und Jugendlichen des OSC Waldniel, die ebenfalls mehrmals in der Woche die Laufbahn des Dr.-Ernst-van-Aaken-Stadions benutzen, betreiben dort über 350 Jugendliche regelmäßig ihren Sport.“ Fast alle müssten die Nordtangente überqueren. Bisher sei dies nur über eine Verkehrsinsel und durch eine Unterführung im Kaiserpark möglich. Die Unterführung liege abgeschieden, sei schlecht beleuchtet; wegen des hohen Verkehrsaufkommens sei die Verkehrsinsel nicht nutzbar. Eine Ampel, Fußgängerbrücke oder Unterführung könne eine Lösung sein.